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Hamsterkäufe: Gut gerüstet für schlechte Zeiten

Lübeck Hamsterkäufe: Gut gerüstet für schlechte Zeiten

Viele Lübecker haben gut gefüllte Vorratskammern. Den Aufruf der Bundesregierung zu Hamsterkäufen sehen sie gelassen.

Gebhard Wölk (72) hat in seinem Keller gut vorgesorgt. „Das reicht drei Jahre“, meint seine Frau.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Es sind nur wenige Stufen hinunter zum Keller. Zum Vorratsraum. Dort steht in einem hohen Regal alles, was wichtig ist zum Leben: Zucker, Mehl, Salz, Dosen mit Erbsen, Grünkohl und Ananas, Sardinen in der Dose, Marmelade, Kekse, Öl und Essig.

„Ich kauf’ immer so viel ein“, sagt Klaus Prussky (61). Für den Informatiker aus Lübeck eine Selbstverständlichkeit. „Ein bisschen Vorrat muss sein.“

Und das nicht erst, seit die Bundesregierung am Sonntag verlauten ließ, die Bürger sollten sich einen Vorrat an Lebensmitteln anlegen, der für zehn Tage reiche. Damit sie sich im Fall einer Katastrophe oder eines bewaffneten Angriffs vorübergehend selbst versorgen können.

Für Klaus Prussky kein Problem. „Meine Mutter ist 90 Jahre alt. Ich kaufe immer mit ihr zusammen ein. Es ist gut, wenn man etwas im Keller hat und sich aushelfen kann. Das sind wir so gewohnt.“

Andere fühlen sich ertappt. „Vielleicht sollte ich da mal was machen“, überlegt eine Seniorin. „Bisher habe ich kaum Vorräte.“

Auch Mads Salewski (19) findet den Vorschlag der Bundesregierung „durchaus sinnvoll“. Er werde sich einen Wasservorrat anlegen, auch etwas zu essen einlagern. „Und dann brauch’ ich einen Generator.

Zur Stromerzeugung.“ Es könne doch durchaus sein, dass der Strom mal ein paar Tage wegbleibe. „Die Leute denken immer, es ist für alles gesorgt. Darauf sollte man sich nicht verlassen“, findet der junge Mann. Er weiß, wovon er spricht – er ist Survivaltrainer. Andere vertrauen für diesen Fall auf Taschenlampen und Kerzen.

Gudrun Schumann (68) hat die Gefriertruhe voller Lebensmittel. „Das reicht für ein paar Tage. Im Notfall schmeiß ich den Grill an.“

„Ich glaube, zehn Tage könnten wir durchhalten“, meint auch Michaela Schewski (51). „Wir würden nicht verhungern.“ In den Küchenschränken ist Platz für Getränke, Nudeln, Konserven. In einem Regal stehen ordentlich aufgereiht kleine Sprudelflaschen, zwei Kisten Wasser sind auch da. Eingefroren hat sie Brot, Laugenstangen, Hackfleisch und Fischstäbchen.

Gebhard Wölk (72) und seine Frau Christa (75) können über den Regierungsaufruf nur lächeln. „Wir kommen drei Jahre aus“, vermutet die Hausfrau. Das selbst gezogene Gemüse aus dem Garten ist eingefroren, im Keller stehen die Regale voll mit selbstgemachtem Pflaumenkompott und Apfelmus. Marmelade und Pakete mit Gelierzucker fehlen ebenso wenig wie fertige Tortenböden. Erbsen, Möhren, Tomaten in der Dose sind da, außerdem einige Gläser Honig, auch Kartoffelpüree-Pulver. Und im Gefrierschrank liegen, neben Bohnen und Kohlrabi, Fleisch und Fisch. Es gibt Wasser in Kisten und paketweise in Plastikflaschen, außerdem zwei Bierkästen.

Falls das nicht reichen sollte, hat das Ehepaar im Garten eine Grundwasser-Pumpe. „Schauen Sie mal hier“, zwinkert Gebhard Wölk und zeigt den nächsten Kelleraum. „Falls mir der Arzt nicht mehr helfen kann.“ Dort lagern flaschenweise Spirituosen vom Magenbitter bis zum schottischen Whisky.

„Alkohol ist auch wichtig“, bestätigt Marlene Hafemann (65). Ihre Vorräte beschränken sich aber hauptsächlich auf einige Flaschen Wein und Sekt. Wasser hortet sie nicht. „Unser Leitungswasser ist doch in Ordnung“, winkt sie ab. Von der Regierung lasse sie sich nicht verrückt machen. „Ich seh’ nicht ein, dass ich mich deshalb mit schweren Kisten abschleppe.“

Auch Philipp Dramm (37) bleibt gelassen. Er arbeitet in der Sicherheitsbranche. „Wir haben andere Sorgen.“ Vorbeugen ist sein Job, davon hat er abends genug. „Privat mache ich mir keine Gedanken.“

Marcus Stöcklin

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