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Norddeutschland Handelsverband: „Stegner lässt Unternehmen im Stich“
Nachrichten Norddeutschland Handelsverband: „Stegner lässt Unternehmen im Stich“
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21:16 29.04.2016

Ladendiebstähle waren 2015 in Schleswig-Holstein das Deliktsfeld mit der größten Steigerungsrate. 11 863 Fälle wurden bei der Polizei angezeigt — 1347 mehr als noch 2014, ein Plus von 12,8 Prozent. Wohnungseinbrüche stiegen im gleichen Zeitraum um 12,3 Prozent. Angesichts dessen findet Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nord, den Vorschlag von Ralf Stegner, sie als „Kavaliersdelikte“ zu behandeln, auch ärgerlich. „Eine Entkriminalisierung passt überhaupt nicht in die Zeit“, sagt Böckenholt.

Bundesweit entstehe dem Einzelhandel durch Ladendiebstahl ein Schaden von 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. Umgerechnet auf Schleswig-Holstein seien das 86 Millionen Euro. „Das darf nicht bagatellisiert werden“, meint der Verbandschef. Damit würde man die Unternehmen im Norden, die jährlich 48 Millionen Euro in die Bekämpfung investierten, im Stich lassen.

Vorranges Ziel von SPD-Bundesvize und Landes-Fraktionschef Ralf Stegner ist es zwar, die Polizei zu entlasten. Aber selbst dort sieht man den Vorstoß mit großer Skepsis. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht auf die Tatsache aufmerksam, dass oft genug organisierte Diebesbanden auf Klautour in Läden unterwegs seien. Nicht selten würden dafür auch unscheinbare Alltagspersonen, vorzugsweise auch ältere Menschen, eingesetzt. GdP-Rechtsexperte Sascha Braun warnte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem die LN gehören: „Auch um Bußgeldverfahren rechtsstaatlich sauber abzuarbeiten, muss ein Diebstahl als solcher durch Polizeibeamte aufgenommen werden.“ Die Entlastung entstünde eher im Bereich der Justiz. „Die Tatverdächtigen von Diebstählen zu erfassen, ist auch deshalb notwendig, weil nur so Organisierte Kriminalität durch Mehrfachtäter erkannt werden kann.“ Nach geltender Rechtslage kann Ladendiebstahl mit Geldstrafe oder einem Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren sanktioniert werden.

Wesentlich offener dürfte man bei der Polizei dagegen für einen anderen Vorstoß sein. Gegenüber dem RND forderte Stegner Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf, zum besseren Schutz der Polizisten „eine Respekt-Kampagne für die Polizei in ganz Deutschland zu starten“. Wenn der „Freund und Helfer“ permanent angegriffen, beleidigt und bespuckt werde, gehe das auf Dauer nicht spurlos an den Beamten vorbei. „Deshalb müssen wir dringend etwas tun.“ Die SPD werde sich Vorschlägen zur härteren Bestrafung von Gewalt gegen Beamte nicht verschließen.

Von D. Wonka und O. Vogt

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