Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Hast du mal ’nen Euro? Betteln für Gras und Rente

Hamburg Hast du mal ’nen Euro? Betteln für Gras und Rente

Wer in Hamburg shoppen geht, hat meist etwas mehr Geld – Das wissen auch die Bettler – Sie wollen ein Stück vom Kuchen und stoßen damit häufig auf Verständnis.

Voriger Artikel
Lehrer-Arbeitszeit: Gericht weist Klage ab
Nächster Artikel
Haftstrafen für Autoknacker gefordert

Ehrlich währt am längsten: Manke macht nicht viel Gewese darum, wofür er das Geld wirklich braucht.

Quelle: Fotos: Daniel Reinhardt/dpa (2), Svea Rosenberger (2)

Hamburg. Hunger, Hund und Hanf – dafür erbitten Bettler in Hamburg eine milde Gabe. Unterernährt oder krank sehen die wenigsten aus, Geld brauchen sie trotzdem. Kalle etwa zeigt auf der Reesendammbrücke nahe dem Rathaus die Rechnung, die er am Morgen beim Tierarzt bezahlen musste. Untersuchung und Wurmkur für seine kleine schwarze Hündin „Killer“ kosteten gut 70 Euro.

 

LN-Bild

Kalle bettelt in Hamburg auf der Reesendammbrücke für seine Hündin „Killer“.

Quelle:

„„Wo Armut ist, ist auch Ausbeutung .“ „Stephan Karrenbauer („Hinz & Kunzt“)

In der Mönckebergstraße hält eine etwa 70 Jahre alte Frau die Hand auf. Auf einem Schild steht: „Ich habe Hunger“. Aber auch sie ist nicht völlig mittellos.

In ihrer slowakischen Heimatstadt Kosice bekomme sie eine kleine Sozialhilfe, zusammen mit ihrem Mann versucht sie, sie etwas aufzubessern.

Rund um die Europapassage, eines der größten Shopping-Center Hamburgs, bitten Roma um Geld. Ein älterer Mann – mit Handzeichen gibt er sein Alter mit 67 an – liegt auf dem Boden. Er zeigt auf sein Herz und auf Medikamente, die er nehmen muss. Neben ihm liegt eine Krücke. In Bulgarien habe er elf Kinder, gibt er zu verstehen. In der Nähe sitzen mehrere Romafrauen, ältere und jüngere, die den Passanten alle die gleiche Sorte von Pappbecher hinhalten.

„Betteln ist in Hamburg nicht verboten“, heißt es unisono von den Behörden. Nur gegen „aggressives Betteln“ schreite die Polizei ein. Als Beispiel nennt ein Sprecher die „Klemmbrett-Masche“. Dabei werden Passanten mit der Bitte um eine Unterschrift für einen guten Zweck abgelenkt, während ein Komplize des Sammlers den Interessenten bestiehlt. Auch die Sprecherin des Bezirksamts Mitte bekundet Verständnis: „Große Städte ziehen viele an, die auch ein Stückchen vom Kuchen abhaben wollen“, sagt Sorina Weiland.

Tatsächlich geht es eher um „Kuchen“ als das Brot im eigentlichen Sinne. Einer, der das mit entwaffnender Ehrlichkeit einräumt, ist Manke. Er sitzt fast jeden Tag vor dem Hauptbahnhof und zeigt eine große Tafel mit der Aufschrift „Brauche Geld für Gras!“, daneben eine kleine rote Hanfpflanze. Der kleine Glasstiefel, in dem er die Münzen sammelt, ist längst nicht voll. Aber immer wieder wollen Touristen Bilder von oder mit ihm und seinem Schild machen. Manke sieht sich nicht als Bettler. „Ich erniedrige mich nicht, ich schnorre“, betont er. Er brauche jeden Tag vier Gramm Marihuana – aus medizinischen Gründen. „Ich bin manisch-depressiv.“ Von seinem Arbeitslosengeld könne er sich die 20 bis 40 Euro teure Tagesdosis nicht leisten. Der 27-Jährige hofft darauf, dass Cannabis als Medikament bald legalisiert und von der Krankenkasse bezahlt wird.

Vielleicht würde Manke sogar bei der CDU auf Verständnis stoßen, die das passive Betteln als Teil des Stadtbilds akzeptiert. Etwas völlig anderes sei aber die gewerbsmäßige Bettelei, erklärt der Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp. Die osteuropäischen Betteltrupps bedrängten immer wieder Passanten. Er fordert ein entschlossenes Vorgehen gegen die „Bettelmafia“.

Die Deutsche Bahn und die Hamburger Hochbahn tun das bereits und haben ihr Sicherheitspersonal auf bestimmten S- und U-Bahnlinien verstärkt. Am Hauptbahnhof achten gemeinsame Streifen von Landes- und Bundespolizei auf Bettler. Es gebe keine vermehrten Beschwerden, sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. Aber in sozialen Netzwerken seien die Bettler ein Thema. Darauf regiere das Unternehmen.

Von mafiösen Strukturen weiß Stephan Karrenbauer von der Obdachlosen-Zeitschrift „Hinz & Kunzt“ nichts. Auszuschließen sei das aber auch nicht. „Wo Armut ist, ist immer auch Ausbeutung“, sagt er.

Berichte über einen Bettler-Boss, der abends mit einem dicken Auto das Geld einsammele, hält er für unglaubwürdig. „Ich hab’s noch nie gesehen.“ Zum Dezember rechnet Karrenbauer mit einer erneuten Zunahme der Bettler, ganz ohne Organisation. Die Adventszeit sei für sie einfach „Hochsaison“.

 Bernhard Sprengel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und vieles mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.