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Hatschi! Grippewelle breitet sich im Norden aus

Kiel Hatschi! Grippewelle breitet sich im Norden aus

Die Grippe hat Schleswig-Holstein erreicht. Das bestätigte jetzt Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin und der Landesmeldestelle für übertragbare Krankheiten in Kiel. Aktuell zeige sich eine Häufung der Fälle in Kiel sowie den Kreisen Pinneberg und Ostholstein.

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„Die Fälle werden sich nun jede Woche verdoppeln.Prof. Dr. Helmut Fickenscher Infektionsmediziner

Kiel. „Die Grippewelle ist angekommen“, stellt Fickenscher fest. Gab es von Dezember bis zur ersten Januarwoche landesweit 90 Influenzafälle, seien allein diese Woche 37 hinzugekommen. „Es wird deutlich mehr.“ Der Mediziner rechnet für die kommenden Wochen mit einem drastischen Anstieg der Erkrankungen. „Die Fälle werden sich nun jede Woche verdoppeln. Das wird bis kurz vor Ostern anhalten“, sagt er voraus. Bei dem derzeit grassierenden Virus handele es sich um eine Influenza vom Typ B „Yamagata“. „Die Grippe beginnt schlagartig und ist mit einem starken Krankheitsgefühl verbunden“, erklärt Fickenscher. „Man will sich nur noch ins Bett legen.“

 

LN-Bild

Taschentücher sind bei einer Grippe unverzichtbar: Fieber, Schüttelfrost, Husten und Schnupfen gehören zu den Symptomen.

Quelle: Fotos: Dpa,ln-Archiv

Es mache durchaus Sinn, sich jetzt noch dagegen impfen zu lassen, meint der Mediziner. Bislang seien nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung geimpft. „Es ist aber noch genug Zeit. Ab der Impfung rechnen wir 14 Tage bis zur Wirksamkeit des Impfschutzes.“ Totalen Schutz gegen Grippe biete eine Impfung zwar nicht, jedoch mache die Verringerung des Risikos bei bestimmten Menschen Sinn. Fickenscher: „Wer eine vorgeschädigte Lunge hat, für den kann die Krankheit lebensgefährlich sein.“ Dies gelte auch für Patienten mit Atemwegserkrankungen oder Asthma oder ältere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Fickenscher weist darauf hin, dass die Influenza vom Typ B nur durch die Verabreichung des Vierfach-Impfstoffs abgedeckt sei. Auch die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt seit Dezember den Vierfach-Impfstoff.

Das Problem: Die gesetzlichen Kassen zahlen genau diesen Impfstoff in aller Regel nicht, was an bestehenden Verträgen liegt. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern daher die Verwendung des Dreifach-Impfstoffs“, erklärt Marco Dethlefsen von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein in Bad Segeberg.

Für Dr. Henrik Herrmann, Vorsitzender der Ärzteverbandes „Marburger Bund“ in Schleswig-Holstein, ein Missstand. „Die Kassenärztliche Vereinigung muss jetzt aktiv werden und daran etwas ändern“, fordert er. Es könne Ärzte in einen Gewissenkonflikt bringen, einen ungeeigneten Impfstoff verschreiben zu müssen.

Immerhin ist eine Influenza eine Erkrankung mit möglicherweise ernsten Folgen. Begonnen hatte die Grippewelle Anfang Dezember. Bundesweit wurden in der ersten Meldewoche 2018 insgesamt 1326 bestätigte Influenza-Fälle an das RKI übermittelt. Insgesamt sind es damit insgesamt knapp 4000 Fälle. Besonders betroffen ist bisher die Altersgruppe der über 59-jährigen. Bei insgesamt 1140 Grippe-Fällen (31 Prozent) war eine Krankenhauseinweisung nötig. Bislang wurden elf Todesfälle mit einer Influenza-Infektion gezählt.

Dabei gilt der derzeit am häufigsten nachgewiesene Virus vom Typ „Yamagata“ noch als vergleichsweise harmlos. In Großbritannien sprechen Medien bereits von der schlimmsten Grippe-Welle seit 50 Jahren. Dort grassiert der gefährliche, teils tödliche Influenza-Virus H3N2. Hierzulande gibt es davon laut RKI bislang nur sehr wenige Fälle.

Von Marcus Stöcklin

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