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Norddeutschland Hausärzte: Lage im Norden bessert sich
Nachrichten Norddeutschland Hausärzte: Lage im Norden bessert sich
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22:14 27.06.2017
Im Norden ist sein Einsatz gefragt: der Hausarzt. Quelle: Foto: Fotolia
Kiel

Der Hausarzt-Mangel wird Schleswig-Holstein offenbar nicht so stark treffen wie lange befürchtet. Fünf bis zehn Jahre werde man noch daran zu knapsen haben, dass jahrelang zu wenig Studenten ihre Prüfung in Allgemeinmedizin abgelegt haben, dann werde die „Delle“ aber ausgeglichen sein, erklärte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Thomas Maurer, gestern in Kiel. Aktuell seien alle Menschen im Land mit Ärzten gut versorgt, betonte auch die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung KVSH, Monika Schliffke.

18 Millionen Behandlungen

5400 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten gibt es in Schleswig-Holstein, darunter etwa 2000 Hausärzte. Sie praktizieren in 3300 Praxen, darunter fünf Hausarztzentren, und nehmen pro Jahr 18 Millionen ambulante Behandlungen vor, darunter 250000 im Notfalldienst. 20 Prozent der Ärzte sind angestellt, davon 54 Prozent in Teilzeit.

Die „Delle“ könnte demnach zu spüren sein, wenn in den nächsten Jahren viele der 2000 Hausärzte im Norden in Rente gehen. Ein Drittel von ihnen sei über 60 Jahre alt, sagte Maurer. Und Anfang des Jahrtausends wurden in einigen Jahren gerade mal noch 40 Allgemeinmedizin-Prüfungen abgelegt. „Die Alterspyramide hat sich dadurch verschoben.“ Mittlerweile sei die Lage aber besser geworden, auch durch gezielte Werbung für den Landarztberuf in den Universitäten oder Fahrtkostenzuschüsse der KVSH für Praktika von Studierenden in Landarztpraxen.

In ländlichen Regionen werden sich Ärzte und Patienten künftig dennoch anders organisieren müssen, betonten die beiden Ärzte-Vertreter. So werde es in zentralen Orten Hausarzt-Zentren geben müssen, in denen sich Mediziner zusammenschließen oder ein oder zwei selbstständige Hausärzte weitere Kollegen anstellen. Fünf solcher Zentren gebe es bereits, sagt Maurer. Eines davon, im nordfriesischen Leck, leitet er selber. In Büsum wird die erste Praxis bereits von der Gemeinde betrieben. Schon jetzt gebe es im Land 270 Außenstellen von Praxen in kleinen Orten, die stunden- oder tageweise besetzt werden. Und: Landesweit sind in Hausarztpraxen bereits 160 „NäPas“ unterwegs – nicht-ärztliche Helferinnen und Helfer, die zu den Patienten fahren und all das an Pflege und Betreuung leisten, was nicht direkt durch einen Arzt erfolgen muss.

Ob die Pläne der neuen Jamaika-Koalition für eine Landarztquote helfen werden, neue „Dellen“ in der Versorgung auf dem Land zu verhindern, ist unter den beiden Medizinern umstritten – CDU, Grüne und FDP wollen zehn Prozent der Medizinstudienplätze an junge Leute vergeben, die sich verpflichten, nach dem Studium „in unterversorgten Regionen zu praktizieren“. Marion Schliffke hält das für eine schlechte Idee. 19-jährige Studienanfänger seien mit so einer Festlegung überfordert, die Neigung für ein Fachgebiet entwickle sich meist erst zum Ende des Studiums hin. Die Landarzt-Tätigkeit sei auch kein Preis, den man für einen Studienplatz zahle, sondern eine, die man mit Motivation und Spaß ausüben müsse. Maurer hingegen hält den Weg für gangbar. Bei der Bundeswehr müssten sich Sanitäts-Offiziers-Bewerber auch so früh entscheiden – und die meisten würden später dauerhaft beim Bund bleiben, auch wenn ihre Verpflichtungszeit schon um sei.

B 404: Bund investiert 65 Millionen

Der Bund stellt für den vierstreifigen Ausbau der bisherigen Bundesstraße 404 zur A 21 zwischen Nettelsee und Klein Barkau 65 Millionen Euro zur Verfügung.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gab die Mittel für das baureife Projekt gestern frei. Der schleswig-holsteinische CDU- Bundestagsabgeordnete Philipp Murmann (Wahlkreis Plön - Neumünster) erklärte, dass nach Fertigstellung des im Bau befindlichen Teilstücks Stolpe – Nettelsee der weitere Ausbau nach Klein Barkau ab 2018 folgen werde. Der Ausbau der B 404 zur Bundesautobahn A 21 sei notwendig, um als zweite Nord-Süd-Magistrale die A 7 zu entlasten sowie den Kieler Hafen besser an die A 24 (Hamburg-Berlin) anzubinden.

Rz Wolfram Hammer

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