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Norddeutschland Hebammen verzweifelt gesucht
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10:28 18.09.2017
Wie entwickelt sich das Neugeborene? Hebamme Annemarie Weiss (l.) schaut regelmäßig nach dem kleinen Linus und Mutter Cathrin. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Wie schwierig es ist, eine Hebamme zu finden, hat auch Amber Heinemann erfahren. Zwei Monate lang telefonierte sie Geburtshelferinnen in und um Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) ab. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so schwer ist“, sagt die 34-Jährige. „Eigentlich muss man gleich lostelefonieren, wenn der Schwangerschaftstest positiv ausfällt.“ Eine Nachbarin vermittelte ihr schließlich ihre Hebamme, „obwohl die eigentlich auch keine Kapazitäten mehr frei hatte“, berichtet Amber Heinemann, inzwischen Mutter der sieben Wochen alten Maja.

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Manchmal endet die Suche schon beim Anrufbeantworter. Er teilt mit, dass Termine für die Schwangerschaftsvorbereitung erst wieder in ein paar Monaten frei sind. Der Hebammenmangel lässt Mütter verzweifeln. Manche müssen sogar ohne Wochenbettbetreuung auskommen.

Alexandra Hochbaum (30) ging es ähnlich. Dabei hatte ihre Frauenärztin schon frühzeitig dazu geraten, sich nach einer Hebamme umzusehen. Doch die meisten waren schon ausgebucht. „Über drei Ecken habe ich dann doch jemanden gefunden“, erzählt die Bad Oldesloerin. Jedoch kenne sie auch Mütter, die nicht fündig werden. „Die müssen mit ihren Babys jetzt wöchentlich zum Kinderarzt.“ Bei Claudia Kasch aus Bornhöved (Kreis Segeberg) lief die Vorsorge allein über den Frauenarzt. „Nach der Geburt hatte eine Hebamme wohl Mitleid und hat mir ihre Karte hingeschoben“, berichtet die 30-Jährige. Diese sei dann trotz der 40 Kilometer langen Anfahrt zur Wochenbettbetreuung gekommen. Das habe dann noch Ärger bei der Abrechnung gegeben, sagt sie.

„Unsere Hebammen arbeiten alle überm Maximum, weil man ja oft jemanden am Telefon hat, der weint“, so Andrea Sturm, beim Hebammenverband zuständig für Hamburg. Natürlich nehme man die Frauen dann noch an, wenn es irgendwie möglich sei. Yvonne Söhl (44), eine von sieben Kolleginnen im Geburtshaus Bad Oldesloe, berichtet, dass vielen Frauen abgesagt werden müsse, „weil wir unseren Plan vollhaben“. Inzwischen werde mit Wartelisten gearbeitet. „Nur falls jemand abspringt, können wir eine andere Frau betreuen.“ Engpässe gebe es vor allem auch in den Sommerferien und um Weihnachten herum, weil dann viele Hebammen Urlaub machten. „Da ist es ganz, ganz schwierig für die Frauen“, sagt Söhl.

Annemarie Weiss, freiberufliche Hebamme in Travemünde, muss monatlich rund zehn Müttern absagen. „Man arbeitet viel, aber verdient nicht viel“, sagt sie frustriert. Dabei habe man eine große Verantwortung, dass alles gut gehe und sei fast rund um die Uhr für die Frauen da. „Das ist ein besonderer Service, der mehr wertgeschätzt werden muss“, meint sie.

Hebammen begleiten Schwangere vor und bei der Geburt, und besuchen die Familien später regelmäßig, um nach Mutter und Kind zu sehen. Dabei geht es nach Auskunft des Berufsverbandes vor allem darum, dass die Mutter körperlich, aber auch seelisch „heilt“. Beim Baby werden unter anderem die Nabelheilung und die Gewichtszunahme kontrolliert.

Doch immer mehr Hebammen steigen aus, weil der Beruf finanziell unattraktiv ist. Die Arbeitsbelastung sei sehr groß, die Vergütung schlecht, meint Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein. Viele arbeiteten in Teilzeit. „Und solange mit einem anderen Job mehr Geld zu verdienen ist, macht man diesen nebenbei.“ Annemarie Weiss hat inzwischen ein Alternativ-Programm entwickelt: Sie bietet Outdoor-Fitnesskurse für Frauen mit und ohne Kinder in Lübeck und Umgebung an, um ihren Verdienst aufzustocken.

Von Julia Paulat

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