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Norddeutschland Heide Simonis: 70 Jahre und kein bisschen leise
Nachrichten Norddeutschland Heide Simonis: 70 Jahre und kein bisschen leise
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23:10 03.07.2013
Von Curd Tönnemann
„Ich erzähle die Märchen aus der Sicht der vermeintlichen Bösewichte: Stiefmütter, Frösche und Wölfe.“ Heide Simonis (SPD)
Kiel

„Alles Märchen! Insider packen aus.“ Unter diesem Titel überrascht Heide Simonis, Ex-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, zu ihrem heutigen 70. Geburtstag mit einem Buch. Doch keine Angst im Kieler Landeshaus. Acht Jahre nach ihrer gescheiterten Wiederwahl handelt es sich nicht um einen Enthüllungsroman. „Ich habe bekannte Märchen der Brüder Grimm umgeschrieben“, sagt Simonis. Sie erzähle ihre eigene Version aus der Sicht der „vermeintlichen“ Bösewichte. „Zur Ehrenrettung von Stiefmüttern, Fröschen, Wölfen.“

Ein anderes Buchprojekt liegt bei Simonis auf Halde. Der Krimi, der im politischen Milieu spiele, komme nicht so recht voran. „Ich wechsele immer wieder den Mörder.“ Übereinstimmungen mit tatsächlichen Begebenheiten schließt die Ex-Regierungschefin aus. Der als „Heide-Mörder“ bekanntgewordene Abweichler hatte ihre politische Karriere am 17. März 2005 abrupt beendet, weil er ihr die Stimme verweigerte. Simonis vermutete den Abweichler in SPD-Reihen, ist sich heute aber nicht mehr ganz so sicher.

Das politische Geschehen hat die Jubilarin nicht aus den Augen verloren. „Ich staune, was so alles möglich ist“, sagt sie. Und in ihrer unverblümten Art setzt sie hinzu: „Ich glaube, die Amerikaner sind total bekloppt.“ Jetzt verstehe man erst, warum sie einen Edward Snowden aus dem Verkehr ziehen wollen. „Damit er aufhört zu erzählen.“ Sie möge sich nicht ausmalen, welche Auswirkungen die Affäre auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen haben kann. Wundern dürften sich die Amerikaner nicht.

Auch über den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der in Kiel von 1993 bis 1998 ihr Wirtschaftsminister war, will sie gern ein paar Sätze loswerden. „Er hat das Zeug zum Kanzler, ist mutig, denkt nach vorne“, beschreibt Simonis den einstigen Weggefährten. Jetzt gelte es, seine „ersten Stolperschritte vergessen zu machen“. Dass sie mit Steinbrück mehrere Male zusammenrasselte, verschweigt sie nicht. Sie sei kleinkariert auf Pepita-Niveau, habe Steinbrück ihr damals vorgeworfen. „Das habe ich ihm übel genommen“, sagt Simonis. Später habe Steinbrück über sie behauptet, sie sei schrill, schräg und laut. Simonis kontert: Steinbrück gehöre zu den Männern, „die Schwierigkeiten haben, mit einer Frau als Vorgesetzter arbeiten zu müssen“.

In Simonis‘ Altbauwohnung am Kieler Schrevenpark muss Ehemann Udo, emeritierter Umwelt-Professor, weiter zwischen Dutzenden von Stofffetzen leben, die seine Frau zwischen Fernseher und Couch stapelt.

Die Ex-Regierungschefin arbeitet am nächsten Quilt. Mit der Hand näht sie den Stoff zu 2x3 Meter großen Steppdecken zusammen. „Der Stundenlohn dürfte bei 75 Cents liegen“, sagt Simonis lachend. Im Flur stapeln sich auf den Schränken Hüte, Hüte und nochmals Hüte. Gleich nebenan ist ein ganzer Raum mit Kaffeekannen und Vasen raumhoch zugestellt. Das meiste davon hat Simonis auf Trödelmärkten erworben. Simonis nimmt wöchentlich Gesangsunterricht — schließlich ist sie Präsidentin des Landes-Sängerbundes. Am Stutzflügel sitzt sie trotz aufgeblätterten Notenblatts selten. Außerdem engagiert sie sich als oberste Patienten-Ombudsfrau.

Gesundheitlich gehe es ihr wieder besser, sagt Simonis, die seit vergangenem Jahr von einer Krankheit zurückgeworfen worden war. „Ich kriege es in den Griff“, sagt sie mit fester Stimme. Das Gehen falle wieder leichter. „Die regelmäßige Gymnastik zahlt sich aus.“ Pläne gibt es auch. Für den Herbst ist eine 18-tägige Flusskreuzfahrt durch Myanmar (Asien) geplant. „Ein bisschen warm dort, aber ein so schönes Land.“ Über den Geburtstag, „der dann doch über mich hereinbricht“, mag Simonis heute kein großes Aufheben machen. Das Ehepaar verbringt den Festtag auf der Insel Amrum. Ein Ausflug steht bereits fest. „Mein Mann möchte einmal die Halligen sehen“, sagt Simonis. „Die große Party folgt erst im August.“ Dann gibt auch ihre SPD einen Empfang für sie.

Curd Tönnemann

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