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Norddeutschland Heiligenhafener muss Scandlines 770 000 Euro zurückzahlen
Nachrichten Norddeutschland Heiligenhafener muss Scandlines 770 000 Euro zurückzahlen
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21:10 02.07.2013
Lübeck

Auf den Tag genau ein Jahr, nachdem die Reederei Scandlines einem ihrer Mitarbeiter auf die Schliche gekommen war, Geld veruntreut zu haben, muss ein Heiligenhafener 770 000 Euro plus Zinsen an den Fährbetreiber zurückzahlen. Das entschied das Lübecker Arbeitsgericht gestern in einem Teilurteil.

Ob es sich dabei wirklich um die Summe handelt, die der Saisonarbeiter über sechs Jahren an seinem Arbeitgeber vorbeischleuste, bleibt dabei aber auch weiter unklar. Scandlines, das den Schaden auf über eine Million Euro beziffert, verlässt sich auf Schätzungen, der Angeklagte gibt die Unterschlagung zwar zu, will sich an Details wie die Dauer des Betruges sowie die Höhe des ergaunerten Bargeldes aber nicht erinnern. Leicht nachweisbar waren lediglich die Beträge, die der Ostholsteiner auf sein Konto eingezahlt hatte.

So wies das Arbeitsgericht gestern die Klage von Scandlines nach weiteren 250 000 Euro ab. „Nicht ausreichend“ nannte der Direktor des Arbeitsgerichts und Vorsitzende Richter Dieter Sibbers die Begründung der Millionen-Forderung der Reederei. So basiere die Hochrechnung des erlittenen Verlustes lediglich auf einer Jahresbasis — allerdings sei der Heiligenhafener als Saisonkraft immer nur für einige Monate beschäftigt gewesen. Die Reederei hat nun die Möglichkeit, in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht in Kiel in Berufung zu gehen.

Ob Scandlines das Geld aber jemals zurückerhält, scheint mehr als fraglich. Der Beklagte überschrieb, kurz nachdem der Betrug aufflog, unter anderem seine Haushälfte seiner Ehefrau. Wertvoller Hausrat des ehemaligen Scandlines-Mitarbeiters sowie seine Autos sollen dagegen verpfändet oder beschlagnahmt worden sein.

Unterdessen hat auch die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. Dem Heiligenhafener drohen mehrere Jahre Haft, sollte es zu einem Strafverfahren kommen.

Der Mann war vornehmlich in der Hauptsaison zwischen April und Oktober am Check-in-Schalter in Puttgarden auf Fehmarn eingesetzt, von wo aus die Reederei die „Vogelfluglinie“ nach Rødby (Dänemark) betreibt. Aufgeflogen war der Betrug vor einem Jahr, als Kollegen einen Stapel mit sogenannten Tabak-Coupons auf seinem Schreibtisch entdeckten. Diese Coupons bekommen Passagiere beim Ticketkauf normalerweise zusammen mit der eigentlichen Fahrkarte und einem Quittungsbeleg ausgehändigt. „Diese Coupons hat er zurückbehalten, dem nächsten Passagier als Ticket verkauft und das Bargeld für sich eingestrichen. Da es im Hafen keine weiteren Fahrkartenkontrollen gibt und die meisten Fahrgäste nicht wissen, wie die Fahrkarten genau aussehen, ist der Schwindel niemandem aufgefallen“, sagte der Anwalt der Reederei, Martin Krömer.

Warum es sechs Jahre dauerte, bis der Ostholsteiner erwischt wurde, führt Scandlines auf eine Lücke im System zurück — die mittlerweile aber geschlossen sei. „Seine Kassenabrechnungen waren immer korrekt. Es gab keine Auffälligkeiten“, betonte Heiko Kähler, Geschäftsführer von Scandlines Deutschland.

Jan Wulf

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