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Heilpraktiker kämpfen gegen Vorurteile

Neumünster Heilpraktiker kämpfen gegen Vorurteile

Naturheilkundler stehen oft in der Kritik der Schulmedizin. Dabei kann eine abgestimmte Zusammenarbeit erfolgreich sein.

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Stefan Klewer (46) behandelt in seiner Praxis mit Naturheilkunde. Er arbeitet jedoch eng mit Schulmedizinern zusammen.

Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

Neumünster. Neumünster — Stefan Klewer setzt die Ampulle an, dann füllt sich die Spritze. „Das ist Teufelskralle. Sie wird in der Rheumatologie verwendet“, sagt der Heilpraktiker aus Neumünster. Der 46-Jährige ist einer von 800 Heilkundigen in Schleswig-Holstein, die dem Verband Deutscher Heilpraktiker angehören. Der Zusammenschluss feiert in diesen Tagen 50-jähriges Bestehen — mittlerweile zählt er bundesweit 3260 Mitglieder. „Wir freuen uns über die Nachfrage“, sagt der Präsident Heinz Kropmanns. „Aber ich bedauere die Vorurteile gegenüber dem Beruf.“ Zur Diskussion steht die Frage:

Ist die Naturheilkunde eine sinnvolle Alternative zur Schulmedizin oder wie oft kritisiert nur „Hokuspokus“?

„Ich arbeite mit Ärzten zusammen“, sagt Heilpraktiker Stefan Klewer. „Für mich ist die Naturheilkunde eine Alternative, aber kein Ersatz für die Schulmedizin.“ Leider sei sein Beruf durch „schwarze Schafe“ in Verruf geraten. Er rauft sich die Haare. „Alle Heilpraktiker müssen eine amtsärztliche Prüfung ablegen.“ Trotzdem verbreite mancher ein falsches Bild von deren Tätigkeit. „Homöopathen gibt es zum Beispiel nicht“, erklärt der 46-Jährige. „ Homöopathie ist eine Ausrichtungsform wie die Akupunktur.“

Ein weiteres Vorurteil: überteuerte Preise. „Wir verdienen nicht mehr als Ärzte“, sagt Klewer. „Wir werden nach der Gebührenordnung für Heilpraktiker bezahlt.“ Die sei analog zu der Gebührenordnung der Ärzte. „Schade, dass viele Menschen ein falsches Bild haben.“ Dabei habe die Naturheilkunde viele positive Eigenschaften.

„Sie ist nebenwirkungsfrei, und wir nehmen uns Zeit für Patienten“, erklärt der Heilpraktiker. „Wir betrachten nicht nur den erkrankten Bereich, sondern den ganzen Körper.“ Außerdem greife die Naturheilkunde nicht mit chemischen Medikamenten in den Körper ein. Dafür brauchen die Mittel allerdings länger, bis sich eine Wirkung entfaltet. Das müsse man den Patienten auch ehrlich sagen. Wenn doch der Einsatz von Antibiotikum notwendig werde, sei das aber keinesfalls ein Scheitern.

Meistens komme der Patient mit zu stark ausgeprägten Beschwerden. „Dann muss man seine Grenzen kennen“, sagt Klewer. „Die Gesundheit geht vor. Sie ist das höchste Gut.“ Die Naturheilkunde sei dann aber eine gute Ergänzung beispielsweise zu einem Antibiotikum.

Diesen Ansatz vertritt auch Dr. Hans-Ulrich Hecker. Er ist Schulmediziner im Zentrum für Chinesische Medizin und Naturheilverfahren in Kiel. „Ich habe mich weitergebildet“, sagt der 59-Jährige.

Chinesische Medizin oder auch Homöopathie sind anerkannte naturheilkundliche Verfahren. Sie werden von den Weiterbildungsakademien der Landesärztekammer angeboten. Hecker meint: „Die Menschen wünschen sich eine Kombination der Behandlungsmethoden“. Denn: „Als Arzt erkenne ich eher, wann Naturheilkunde nicht wirkt und es notwendig ist, zu schulmedizinischen Mitteln zu greifen. Viele gute Heilpraktiker arbeiten deshalb mit Ärzten zusammen.“

Über eine esoterische — oft als Hokuspokus bezeichnete — Herangehensweise sagt der Mediziner: „Wenn es einen Patienten heilt, dann ist es doch gut.“

Das sieht Wolfram Scharenberg von der Landesärztekammer Schleswig-Holstein anders: „Menschen darf keine falsche Hoffnung gemacht werden.“ Deshalb sei gerade bei esoterischen Ansätzen Vorsicht geboten. „In diesem Bereich gibt es Vorbehalte gegenüber den Praktiken“, sagt er. Letztendlich gilt also: Es ist eine Frage der Lebenseinstellung, ob man die Naturheilkunde für sich entdeckt. Jeder Patient muss das Für und Wider der Methoden — ob schulmedizinisch oder naturheilkundlich — abwägen.

Allheilmittel gibt es nicht.

So wird man Heilpraktiker
Die Ausbildung zum Heilpraktiker umfasst die Fächer: Anatomie, Physiologie, Arzneimittellehre, Anamneseerhebung, Untersuchung, Laborbefunde, Blutabnahme und Injektionen, Krankheitslehre, Notfälle und Gesetzgebung. Der genau Inhalt variiert je nach Bundesland. Das Mindestalter für die Abschlussprüfung ist 25 Jahre.


Die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“ ist geschützt. Sie gilt für Personen die eine staatliche Erlaubnis besitzen, nach dem deutschen Heilpraktikergesetz von 1939 zu praktizieren.

Kim Meyer

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