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Heim-Skandal: Alheit bleibt unter Druck

Kiel Heim-Skandal: Alheit bleibt unter Druck

Piraten präsentieren im Sozialausschuss neue Vorwürfe — SPD weist das als „kalten Kaffee“ zurück.

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Kristin Alheit — hier mit Staatssekretärin Anette Langner in einer früheren Sitzung — musste sich gestern erneut rechtfertigen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Schleswig-Holsteins SPD-Sozialministerin Kristin Alheit kommt in der Friesenhof-Affäre nicht aus der Defensive. Während sie gestern Vormittag im Sozialausschuss auch den Landtagsabgeordneten erklärte, dass die jüngst öffentlich gewordenen Berichte von Jugendlichen über Quälereien und entwürdigende Strafen in zwei weiteren Einrichtungen doch längst bekannt und von ihrer Heimaufsicht abgearbeitet worden seien, präsentierte der Piratenpolitiker Wolfgang Dudda schon die nächste Latte schwerer Vorwürfe.

„Ihr zögerliches Handeln geht zu Lasten der Kinder und Jugendlichen.“ Katja Rathje-Hoffmann, CDU-Sozialexpertin, über Sozialministerin Alheit.

Es geht um die „Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Dithmarschen“ in Dörpling, seit 2014 von Ex-Beschäftigten des Friesenhofs betrieben. Und die hätten in Dörpling die entwürdigenden Bestrafungsmethoden des Friesenhofs nahtlos weiter angewendet, sagt Dudda. Ein 17-Jähriger zum Beispiel habe sich auf einen Stuhl setzen müssen, der seinerseits auf einem Tisch stand. Die anderen Jugendlichen hätten sich drumherum stellen müssen, dann sei der 17-Jährige bis zum Zusammenbruch vom Heimleiter angeschrien worden. Ein mittlerweile ausgestiegener Mitarbeiter habe ihm das alles detailliert geschildert, sagt Dudda. Der Politiker gab eine eidesstattliche Versicherung darüber ab.

Immer wieder seien Mädchen und Jungen von dem Heimleiter auch bis zu 45 Minuten brutal auf den Boden gedrückt worden. Und: Dieser Mann sei bis heute in Dörpling tätig, sagt Dudda. Es habe ausweislich des Berichts des Ex-Mitarbeiters auch Essenentzug und überhaupt nur das „Billigste vom Billigen“ zu essen gegeben — außer für die gut verpflegten Betreuer, die mit am Tisch aßen. Außerdem habe ein anderer, jüngerer Betreuer Sex mit einer 17-jährigen Bewohnerin gehabt. Und das sei ganz klar ein Straftatbestand, der verfolgt werden müsse, auch wenn der Betreuer deswegen entlassen worden sei.

Bei der Ministerin hatte das noch ganz anders geklungen. Nach anonymen Hinweisen habe man im Sommer 2015 in Dörpling eine unangemeldete Kontrolle durchgeführt, hatten Alheit und ihr Chef- Heimaufseher Thomas Friedrich erklärt. Einziger „Mangel“ dort sei die Anwendung eines Strafpunktesystems gewesen. Doch das habe man per Anordnung abgestellt. Eine Einrichtung zu schließen, sei da nach Gesetzeslage nicht einfach, deswegen wolle man sie ja im Bund ändern. Alle anderen Vorwürfe seien unbegründet gewesen.

Allerdings: Dass der Betreiber die Heimaufsicht im Sommer 2015 erst gar nicht ins Haus lassen wollte und die Aufseher sich von der Polizei Zutritt verschaffen lassen mussten, gab Alheit gestern erst auf mehrmalige Nachfrage Duddas zu. Seltsam auch: In einer Stellungnahme des Hamburger Senats heißt es, dass das Jugendamt Eimsbüttel noch im Dezember 2015 die Anwendung von Strafsport beanstandet habe — aus Hamburg kam ein Großteil der Jugendlichen. Man wolle die Vorwürfe „umgehend und mit der gebotenen Sorgfalt weiter aufarbeiten“, hieß es dann gestern Nachmittag aus dem Sozialministerium.

Und: Auch von diesen Vorwürfen seien einige im Haus bereits bekannt gewesen — von „kaltem Kaffee“ sprach der SPD-Sozialpolitiker Wolfgang Baasch. Der von Dudda beschuldigte Geschäftsführer der Einrichtung in Dörpling hingegen wies gestern erneut alle Vorwürfe zurück.

CDU und FDP sind über Alheits Haltung ebenso empört wie die Piraten. „Ihr zögerliches Handeln geht zu Lasten der Kinder und Jugendlichen“, sagt die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann. Andere Länder würden deutlich strenger gegen solche Heime vorgehen. Dudda fordert, sofort eine Gruppe externer Fachleute mit der Kontrolle der Jugendeinrichtungen im Land zu beauftragen.

Von Wolfram Hammer

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