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Norddeutschland Heizöl und Sprit immer billiger: Ist die Energiewende in Gefahr?
Nachrichten Norddeutschland Heizöl und Sprit immer billiger: Ist die Energiewende in Gefahr?
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22:31 22.01.2016
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Lübeck/Berlin

Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Heizölpreis halbiert – von 80 Euro auf 40 Euro. Erdgas und Holzpellets als ökologisch sinnvollere Alternativen können angesichts dieser Entwicklung nicht mithalten. Mit Öl zu heizen ist günstiger. Solaranlagen auf dem Dach rechnen sich nicht mehr. Eckard Saß, Obermeister der Lübecker Innung für Sanitär, Heizung, Klima (SHK), bestätigt: „Wer eine alte Heizung im Keller hat, wartet jetzt eher ab – trotz hoher staatlicher Förderung für den Austausch von Anlagen.“

Umweltfreundliche Alternativen spielen auch auf dem Automarkt kaum mehr eine Rolle. „Elektro-Autos sind tot, Gasautos erst recht“, sagt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer<NO1> von der Uni Duisburg-Essen<NO>. Der Run auf größere Fahrzeuge wie SUVs nehme zu. „Wenn Tanken immer billiger wird, spielt der Treibstoff-Verbrauch eines Autos eine geringere Rolle.“ Das sei an den Zulassungen ablesbar. Je niedriger der Ölpreis, desto herausfordernder werde es, erneuerbare Energien in den Bereichen Wärme und Verkehr auszubauen, beschreibt Harald Hecking Energiewissenschaftlichen Institut (EWI) in Köln, die Lage.

Trotz der bedenklichen Entwicklung warnt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck vor Schnellschüssen. „Wir brauchen eine Strategie bis 2050.“ Der niedrige Ölpreis helfe dem Klimaschutz sicher nicht, sagt Habeck. Aber die Politik müsse ein langfristiges Konzept auflegen, „keine gehetzte Reaktion auf Marktschwankungen“.

In der Grünen-Bundestagsfraktion wird derzeit an einer „ökologischen Finanzreform“ gearbeitet. Dabei wollen die Grünen an Subventionen etwa für Agrardiesel ran, Ausnahmen bei der EEG-Umlage für Unternehmen sollen zurückgefahren werden. Mit konkreten Forderungen tun sich die Grünen allerdings schwer. Zu tief sitzt die vernichtende Kritik nach dem Magdeburger Parteitagsbeschluss von 1998. Die Grünen hatten seinerzeit gefordert, den Preis für einen Liter Sprit auf fünf Mark anzuheben. Entsprechend vorsichtig bleibt Detlef Matthiessen aus der grünen Landtagsfraktion in Kiel: „Eine moderate Anhebung der Ökosteuer auf Sprit wäre diskutabel. Das packen wir aus taktischen Gründen aber nicht an.“

Von Curd Tönnemann

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