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Helfer für Grundschulen sind endlich da

Kiel Helfer für Grundschulen sind endlich da

Landesweit werden 542 Schulassistenten eingesetzt — Bildungsministerium beziffert Gesamtkosten auf 13,2 Millionen Euro — Grundschule Tangstedt begrüßt neuen Kollegen.

Betreut die Schüler auch mal in kleinen Gruppen: Christoph Schmidtgen (47), Schulassistent an der Tangstedter Grundschule.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Kiel. Darauf haben Lehrer, Eltern und Schüler lange gewartet: Die Schulassistenten haben ihre Arbeit an den Grundschulen im Land aufgenommen. In Tangstedt (Kreis Stormarn) unterstützt Christoph Schmidtgen (47) Schüler und Lehrer. „Ein Glücksfall für uns“, sagt Schulleiter Mathias Conrad.

Der 47-Jährige Schmidtgen begleitet den Lernprozess der Grundschüler. 20 Stunden pro Woche ist er an der Grundschule Tangstedt tätig, jeden Morgen von 8 bis 12 Uhr hilft er bei Arbeiten in der Klasse, betreut aber auch kleine Gruppen außerhalb des Unterrichts. Dabei geht es um fachliche Aufgaben, jedoch auch um sozial-emotionale Förderung der Kinder. „Die Gruppe wird entlastet, den Kindern wird geholfen“, betont Gabi Mundt, stellvertretende Schulleiterin. So könnten einzelne Kinder dabei unterstützt werden, bestimmte Regeln einzuhalten. Schließlich bringen die Kinder teilweise sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. 210 Schüler besuchen die zwei- bis dreizügigen Grundschule am Hamburger Rand.

„Wir sind sehr froh, dass wir einen schulischen Assistenten haben“, sagt Conrad. „Er unterstützt unsere Arbeit.“ Erfreut ist man in Tangstedt auch über die männliche Hilfe. „Ein Mann an der Grundschule — das ist sehr selten“, sagt der Schulleiter. Das bedeute „Widerstand, gerade für die Jungen“. Und mit Schmidtgen haben sie einen qualifizierten Kollegen bekommen. Er hat lange selbst an einer Waldorfschule unterrichtet. Weil sich dort die Voraussetzungen änderten und plötzlich eine wissenschaftliche Ausbildung verlangt wurde, musste Schmidtgen gehen. Der neue Job macht ihm Spaß:

„Die Kinder nehmen das ganz toll auf. Das ist erfüllend“, berichtet der Vater dreier Kinder aus Ammersbek.

Landesweit sollen 542 Schulassistenten zum Einsatz kommen. 350 von ihnen sind beim Land angestellt, der Rest wird von den Schulträgern selbst oder über freie Träger beschäftigt. Ihr Einsatz bemisst sich an der Schülerzahl, ihr Verdienst an der mitgebrachten Qualifikation. Die Gesamtkosten beziffert das Bildungsministerium auf 13,2 Millionen Euro pro Jahr. Damit werde die Zusage an Lehrkräfte und Eltern eingelöst, heißt es im Ministerium. Die Lehrer würden entlastet, die Kinder individuell gefördert. Für eigenständigen Unterricht oder für Vertretungsaufgaben dürfen die Assistenzkräfte allerdings nicht eingesetzt werden.

Die Schulassistenten sind Teil des Inklusionskonzeptes, das die Landesregierung seit 2014 verfolgt. „ Damit betreten wir Neuland“, erklärt Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Sie seien Teil des multiprofessionellen Teams einer Schule, das aus Lehrern, Schulsozialarbeitern und Schulbegleitern besteht.

Zunächst war geplant gewesen, die Schulassistenten schon nach den Sommerferien einzusetzen. Doch der Startpunkt verzögerte sich immer wieder. 1300 Bewerbungen waren eingegangen. Das Bildungsministerium in Kiel war vom großen Interesse offenbar überrascht worden. Schließlich wurden 350 Schulassistenten ausgewählt, davon sind 92 Prozent Frauen. Etwa 200 haben Anfang Januar ihren unbefristeten Vertrag angetreten, weitere 80 folgen im Februar. Erzieher sind ebenso dabei wie Lehrer, Sozial- und Heilpädagogen, Therapeuten sowie „sozial erfahrene Personen“. Sie alle haben eine achttägige Fortbildung durchlaufen.

„Bislang habe ich nur positive Rückmeldungen von Schulleitungen erhalten; die Assistenten werden als sinnvolle Unterstützung im schulischen Alltag wahrgenommen“, berichtet Kirsten Blohm-Leu, Schulrätin im Kreis Stormarn. Zuvor hatte bereits ihre Kollegin aus dem Herzogtum Lauenburg, Katrin Thomas, erklärt, dass die Assistenzkräfte in den Schulen sehr willkommen seien. Es sei erstaunlich, was an Arbeitsverträgen realisiert worden sei. Eine ganz neue Profession sei entstanden.

Julia Paulat

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