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20:58 29.08.2016
Projektleiterin Isabel Schmalenbach entlässt vor Helgoland junge Hummer zur Auswilderung in die Freiheit. Quelle: Fotos: Christian Charisius (2), Olaf Malzahn, Fotolia
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Helgoland

Sie heißen „Campino“, „Klärchen“, „Plüsch“ und „Plum“. 338 einjährige Hummer haben Wissenschaftler aufgezogen, jetzt werden sie in die Freiheit entlassen. Mehr als 100 Hummerpaten, die meisten hatten ihren Schützlingen Namen gegeben, sind dabei, als die wenige Zentimeter großen Tiere vor Helgoland in die Nordsee ausgesetzt werden, um die Hummertradition wiederzubeleben und die Population des Helgoländer Wappentieres zu stabilisieren.

Sie heißen „Campino“, „Klärchen“, „Plüsch“ und „Plum“. 338 einjährige Hummer haben Wissenschaftler aufgezogen, jetzt werden sie in die Freiheit entlassen.

Eigentlich sind die Lebensbedingungen für Hummer am Felssockel der Hochseeinsel ideal. 1937 verzeichnete die amtliche Statistik mehr als 80 000 vor Helgoland gefangene Hummer – heute werden nur noch wenige Hundert pro Jahr gefangen. Unter dem Dach des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) erforschen Wissenschaftler seit 20 Jahren, wie die Bestände vergrößert werden könnten.

In der großen Aufzuchthalle des AWI auf Helgoland stehen lange Reihen mit Wasserbottichen. Es ist schwül, überall blubbert es, Fischgeruch liegt in der Luft. In den dunklen Ecken der Becken verstecken sich weibliche Hummer. Sie tragen befruchtete Eier unter ihrem Panzerschwanz, bis zu 17 000, erklärt Projektleiterin Isabel Schmalenbach von der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH), die zum Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven gehört. „In freier Wildbahn überlebt davon etwa ein Promille.“ Weit über 12 000 markierte Jungtiere haben die Wissenschaftler seit 1999 ausgesetzt.

„Nötig wären aber 250000 über fünf Jahre verteilt“, sagt Schmalenbach. Seit Jahren sucht das AWI Sponsoren, zumal die Hummernachzucht nicht gerade zu den Kernaufgaben des Instituts zählt. Um Spenden, Paten- und Forschungsfördergelder einzuwerben, soll nun im Frühjahr 2017 der Verein Hummerstation Helgoland gegründet werden, so dass künftig 3000 statt 300 einjährige Hummer ausgesetzt werden können.

Richtungsweisend könnte ein weiteres Projekt der Hummerstation sein: Zwischen 2013 und 2015 wurden Jungtiere an den mit Natursteinen geschützten Sockeln der Windräder im Offshore-Windpark „Riffgat“ vor Borkum angesiedelt. Finanziert wurde das Projekt vom Land Niedersachsen, das Geld kam allerdings aus Zahlungen der Windparkbetreiber als Ausgleich für Eingriffe in die Natur. „Wir stellen uns vor, dass die Hummerprojekte auf Helgoland als Ausgleichsmaßnahmen für Offshore-Windparks anerkannt werden“, sagt Roland Krone, geschäftlicher Leiter des BAH.

Die Hummerpaten sind begeistert, das Schicksal ihrer „Patenkinder“ vor Ort zu begleiten. Der Hamburger Michael Stoffers und seine von Helgoland stammende Freundin Anne Grote haben zwei Patenschaften von Annes Eltern geschenkt bekommen. Auf einem der traditionellen Börteboote verfolgen sie die Aussetzung der Krustentiere. „Mit den kleinen Hummern ist es ein bisschen wie bei uns Helgoländern“, sagt Anne. „Wir leben hier in unserer kleinen Inselwelt bis wir 16 sind. Und dann verlassen wir Helgoland, und plötzlich steht uns die ganze Welt offen.“

Auch der Ostseeschnäpel wird wieder heimisch

Fischhorizonte heißt das Fischartenhilfsprogramm für Schleswig-Holstein, das jährlich Mittel aus der Fischereiabgabe zur Verfügung stellt, um den Bestand regional heimischer Fischarten in Ostsee und Binnengewässern zu sichern und zu verbessern.

So werden seit mehr als 13 Jahren jährlich insgesamt eine Million Brütlinge von Ostseeschnäpeln in die ostholsteinischen Bäche Lachsbach und Kremper Au ausgesetzt. Die Brütlinge driften mit dem Bachlauf ins Binnengewässer der Neustädter Bucht, wo sie ihr ersten Lebensjahr verbringen. Zum Laichen kehren sie als erwachsene Tiere aus der Ostsee wieder in ihre heimischen Bachläufe zurück.

Der Ostseeschnäpel ist ähnlich wie die Große Maräne ein begehrter heimischer Speisefisch und ursprünglich in zahlreichen Zuläufen der Ostsee zu Hause, aber unter anderem wegen Überfischung schon so gut wie ausgestorben gewesen. Seine Wiederansiedlung unterstützt das Programm mit bis zu 60000 Euro nun auch in Trave, Schlei und Nord-Ostsee-Kanal.

 Matthias Benirschke

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