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Norddeutschland Heringssaison: Die Jagd nach den kleinen Fischen
Nachrichten Norddeutschland Heringssaison: Die Jagd nach den kleinen Fischen
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21:18 10.04.2017
Mit dem Heringspaternoster holt Nadia Radloff (62) an der Lübecker Untertrave gleich zwei Fische aus dem Wasser. Quelle: Olaf Malzahn
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Lübeck

Es sieht fast spielerisch aus: Mit einer fließenden Armbewegung wirft Nadia Radloff die Angelrute nach vorne, die dazugehörige Schnur treibt nun locker auf den Wellen der Untertrave. Unter der Wasseroberfläche blinkt ein kleiner metallischer Haken. „Manchmal fängt man sie fast oben, an der Wasseroberfläche, dann wieder eher in mittleren Tiefen“, sagt die 62-jährige Lübeckerin, während sie konzentriert die Angelschnur im Auge behält. In dem kleinen gelben Eimer neben ihr stapeln sich bereits vier Fische. „Wenn man die frisch in der Pfanne zubereitet, schmecken sie am besten“, sagt Radloff. Dann beißt der nächste Hering am Haken an.

Egal ob in Lübeck, an den Ufern des Nord-Ostsee-Kanals oder in den Buchten bei Kiel – überall ziehen Angler zurzeit vor allem Heringe aus dem Wasser. Die Angelsaison für den kleinen Ostseefisch dauert nur wenige Wochen: In dieser Zeit ziehen die Schwärme zum Ablaichen in flache Küstengewässer, zum Teil auch die Flussläufe hinauf. „Es ist ein Zeitraum von acht bis zehn Wochen“, sagt Diplom-Biologe Rüdiger Neukamm vom Sportfischerverband Schleswig-Holstein. Hochphase der Fischwanderungen seien normalerweise die ersten zwei Aprilwochen. „Dieses Jahr hat die Saison jedoch schon etwas früher, im März, angefangen“, erklärt Neukamm. Der Grund sei das sehr milde Wetter der vergangenen Wochen gewesen. „Viele Schwärme sind schon jetzt ins tiefere Wasser zurückgezogen“, sagt der Biologe. „Die Saison schwankt tatsächlich von Jahr zu Jahr.“

Dennoch können Angler auch jetzt noch zahlreiche Heringe aus dem Wasser ziehen: so auch am Wochenende an der Lübecker Untertrave. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht standen Männer, Kinder und auch vereinzelt Frauen mit ihren Angelruten an der langen Uferpromenade vor den Hafenschuppen. „Ich war am Sonnabend mit meinem Enkel da“, erzählt auch Dietrich Doobe (67). „Wir haben in kurzer Zeit 17 Fische gefangen.“ Auch gestern ist der Rentner für das Heringsangeln extra aus Hamburg angereist – und hat etwas weniger Glück: Nur wenige Fische beißen bis zum frühen Nachmittag an der Angel an. „Da kann man nichts machen“, sagt Doobe. „Die Heringe sagen einem eben nicht vorher, wann sie kommen.“ Ihm gefällt nicht nur das Angeln selbst, sondern auch das kommunikative Beisammensein. „Es ist ein schöner Zeitvertreib, man trifft immer Leute“, sagt er. „Ich mache das schon mehrere Jahre, es ist immer wieder nett.“

Um den Fisch angeln zu können, braucht man in vielen Regionen einen Fischereischein mit gültiger Fischereiabgabemarke. „Urlauber können für viele Gebiete auch einen Urlaubsfischereischein erwerben“, sagt Rüdiger Neukamm. Und auch die Ausrüstung muss stimmen: Denn Heringe werden nicht mit einem gewöhnlichen Köder, sondern mit glänzenden Kunstködern geangelt, die von den Fischen im Wasser als Reflexe wahrgenommen werden. Manche Konstrukte haben sogar zwei Haken – etwa das sogenannte Heringspaternoster, mit dem Nadia Radloff auf Fischfang geht: „Da können zwei Heringe gleichzeitig anbeißen, das hat man bei anderen Fischarten eher nicht.“

Von Katrin Diederichs

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