Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Hilfe für verlassene Hasenkinder

Schellhorn Hilfe für verlassene Hasenkinder

Mit Geduld und Ausdauer: Birte Heckel-Neubert zieht in Schellhorn Feldhasen und Wildkaninchen auf.

Voriger Artikel
Hier brennen heute die Osterfeuer
Nächster Artikel
Guten Morgen am Dienstag, 18. April

Hase Nummer 9 in diesem Jahr nimmt die Milch nur zögernd an. Alle drei Stunden trinkt er wenige Milliliter.

Quelle: Fotos: Sven Janssen

Schellhorn. Ängstlich drückt sich der kleine Feldhase an den Boden. Doch es hilft nichts: Das verlassene Hasenkind muss trinken – sonst kann es nicht überleben.

LN-Bild

Mit Geduld und Ausdauer: Birte Heckel-Neubert zieht in Schellhorn Feldhasen und Wildkaninchen auf.

Zur Bildergalerie

Birte Heckel-Neubert hebt den etwa fünf Tage alten Hasen behutsam heraus und füttert ihn mit der Spritze. „Er trinkt noch sehr verhalten. Da ist Geduld gefragt“, sagt die „Hasen-Mutter“, die seit acht Jahren verletzte und verlassene Feldhasen und Wildkaninchen in Schellhorn (Kreis Plön) aufpäppelt und auswildert. Im vergangenen Jahr wurden ihr 99 Tierkinder gebracht. 70 haben überlebt.

Hase Nummer 9 in diesem Jahr ist ein Sorgenkind. Es dauert eine kleine Weile, bis das Tierbaby zwei Milliliter von der Aufzuchtmilch getrunken hat. „Man muss aufpassen, dass es die Milch nicht einatmet.“ Auch dürfe die Milch nicht am Fell festtrocknen. „Das verklebt und ist ein Nährboden für Bakterien und Insekten“, erklärt die 53-Jährige, die als Bauerstochter auf einem Hof im Ort aufgewachsen ist. „Die Handaufzucht von Feldhasen ist sehr schwierig.“ Zum einen haben sie – wie auch die Wildkaninchen – ein empfindliches Verdauungssystem. Oft hätten die Tiere auch Verletzungen, beispielsweise von Katzen. Deren Speichel sei hochinfektiös – und die kleinen Hasen hätten noch kein eigenes Immunsystem.

Um sie aufzupäppeln, gibt Birte Heckel-Neubert ihnen am ersten Tag nur Beruhigungstee und Kolostrum, also die erste Muttermilch von der Ziege. Später wird Aufzuchtmilch für Katzen oder Hunde gegeben.

„Je kleiner so ein Hase ist, desto häufiger bekommt er seine Milch. In der Regel alle drei Stunden.“ Auch nachts. Da geht Birte Heckel-Neubert mit einer Kopflampe in den Garten, um die Wildtierkinder zu versorgen. Regelmäßig werden die Tiere gewogen. „Damit ich weiß, wie viel sie zunehmen.“ Mit etwa zehn bis zwölf Tagen fängt der Feldhase an zu fressen. Bei Birte Heckel-Neubert gibt es geraspelte Äpfel und Möhren, kernige Haferflocken, frische Maulwurfserde, Heu und frisches Wasser.

Alles wird auf Papier genau dokumentiert. Als gelernte medizinisch-technische Assistentin untersucht und mikroskopiert sie auch selbst, um etwa zu erforschen, woran die Tiere gestorben sind. „Ich kann nicht jedes Tierbaby retten. Oft bekommen sie nach 14 Tagen Durchfall und sterben.“ Ihre Beobachtungen tauscht sie mit anderen Wildtierstationen aus. Auch mit der Uni Wien, die intensive Hasen-Forschung auf der Insel Pellworm betreibt, sowie einem Professor für Tierpathologie steht sie in Kontakt. Heckel-Neubert hat einen Jagdschein, geht aber nicht mehr zur Jagd. „Das Wissen darüber kommt mir aber bei der Aufzucht zugute.“

2009 hat alles begonnen. „Die Katze meines Bruders hatte einen Hasen angeschleppt, den ich erfolgreich aufgezogen habe“, erinnert sich die Mutter dreier erwachsener Kinder. Inzwischen hat sie an die 500 Tiere aufgenommen. Ein Drittel davon waren Feldhasen, zwei Drittel Wildkaninchen. „Die meisten werden von Katzen oder Hunden entdeckt“, berichtet sie. Aber auch Kinder finden manchmal Hasenjunge.

So kam der erste Hase dieser Saison von Schülern der Grundschule in Felde, das erste Kaninchen wurde in einer Pferdebox gefunden. Inzwischen werden Fundtiere aus ganz Schleswig-Holstein bei ihr abgegeben. Auch ein Fehmarnscher Hase war schon dabei. „Hannes von Fehmarn“, erinnert sich die Hasen-Mutter schmunzelnd. Die Übergabe des Tieres habe am Lübecker Bahnhof stattgefunden. „Der hat es auch geschafft.“

Sie selbst gibt den Tierbabys in der Regel keine Namen. „Dafür sind es einfach zu viele.“ Aber oft haben die Finder sie bereits getauft, bevor sie zu Birte Heckel-Neubert kommen. So wie „Max“ und „Moritz“, die aber eigentlich „Maxi“ und „Moritz“ heißen müssen. Die beiden sind jetzt 17 Tage alt und haben sich schon an ihr neues Zuhause gewöhnt. Sie machen sich ganz lang und trinken gierig ihre Fläschchen leer. Nach etwa zwei bis drei Wochen, wenn sie gut fressen, kommen die Tierkinder ins 35 Quadratmeter große Freigehege hinter dem Haus. Mit einem Körpergewicht von etwa 800 Gramm werden sie schließlich ausgewildert.

Für ihren ehrenamtlichen Einsatz hat Heckel-Neubert im vergangenen Herbst einen Naturschaftpreis von der zuständigen Kreisjägerschaft bekommen. Schon seit längerem wird untersucht, warum die Bestände der Feldhasen sich in unserer modernen Kulturlandschaft weiterhin negativ entwickeln, heißt es in der Begründung. „Dem Niederwild geht es schlecht“, sagt Heckel-Neubert. In ihrer Kindheit habe es in der Feldmark nur so von Kaninchen gewimmelt. „Da saßen oft 20, 30 Kaninchen auf dem Feld.“

Hasen und Kaninchen hätten es zunehmend schwer, Nahrung zu finden, sagt Heckel-Neubert. Schuld daran seien die Spritzmittel und Monokulturen in der Landwirtschaft. Die große Gänsepopulation, die das Gras sehr kurz fresse und viele Bakterien ausscheide, setze den Hasen ebenfalls zu. Auch gebe es immer weniger Blühstreifen. Die Tiere bräuchten eine große Auswahl an verschiedenen Gräsern und Kräutern, damit sie nicht krank würden. Sie selbst pflanzt extra für ihre Findelkinder jährlich eine „Hasen-Apotheke“ im Garten an – mit verschiedenen Kleesorten, wilder Möhre, Ackerschachtelhalm, Hirtentäschel und Sommergetreide.

Gefährdete Art

Den Feldhasen geht es im Norden nach Auskunft des Instituts für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel wieder etwas besser. Dennoch gelten sie bundesweit als „gefährdet“. Im vergangenen Jahr wurden in Schleswig-Holstein im Mittel 18,8 Feldhasen je Quadratkilometer gezählt. Am häufigsten kommen sie in der Marsch vor, am seltensten in den östlichen Landesteilen.

Wildkaninchen sind laut Jagd- und Artenschutzbericht 2014 im überwiegenden Teil Schleswig-Holsteins anzutreffen. Allerdings gibt es größere zusammenhängende Gebiete ohne Nachweis – insbesondere in den Kreisen Plön und Herzogtum Lauenburg.

Die Feldhasen- und Wildkaninchenaufzucht von Birte Heckel-Neubert ist auf Spenden angewiesen. Weitere Informationen im Internet unter www.wildtierheim.de

Tierschutzhelden gesucht

Die LN suchen im Mai nach Helden im Tier- und Umweltschutz. Nominiert werden kann dann jeder, der sich in der Natur engagiert. Wer kümmert sich um den Naturlehrpfad, wer zählt Vögel, wer hilft verwahrlosten Tieren, wer betreibt eine Pflanzenkläranlage? Die Möglichkeiten, sich für die Umwelt einzusetzen, sind grenzenlos. Die Leser entscheiden, wer LN-Held wird. www.heldenvon-hier.de

Julia Paulat

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Norddeutschland
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Oktober 2017.

Am Sonntag, 5. November, sind Bürgermeister-Wahlen in Lübeck. Gehen Sie hin und geben Ihre Stimme ab?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.