Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Hochkonjunktur für Bettwanzen
Nachrichten Norddeutschland Hochkonjunktur für Bettwanzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:29 21.05.2016
Kristof Hank von der Firma Nitor aus Schretstaken. Quelle: Neelsen

„Ich mache inzwischen ein Viertel meines Umsatzes nur mit der Bekämpfung von Bettwanzen“, sagt zum Beispiel Olaf Sieber, Schädlingsbekämpfer aus Malente (Ostholstein). Vor etwa vier Jahren sei das langsam losgegangen, inzwischen bekomme er täglich zwei Anrufe wegen der Parasiten.

Ulrich Limberts, Landesvorsitzender im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV), bestätigt, dass die Zahl der Bettwanzen-Einsätze in der gesamten Branche extrem zugenommen habe. „Eine Folge der Globalisierung“, vermutet er. Je mehr Menschen über den Globus reisten, umso mehr Schädlinge würden eingeschleppt.

Dazu müsse man nicht einmal in düsteren Absteigen nächtigen. „Selbst in einem Fünf-Sterne-Hotel kann man sich Bettwanzen einfangen“, sagt Limberts.
Sorgen bereiten ihm und seinen Berufskollegen die zunehmenden Resistenzen der Tiere gegen Gifte. Schuld daran seien auch frei die verkäuflichen Mittel, die die Tiere eher abhärteten als sie zu töten.

Das mache die Bekämpfung zunehmend schwieriger. So habe ein Ferienhaus-Besitzer aus Travemünde rund 10 000 Euro ausgeben müssen, bis er die Plagegeister nach mehreren erfolglosen Versuchen wieder losgeworden war.

Wie verbreitet die Tiere in Schleswig-Holstein sind, ist nicht bekannt. Meldepflichtig ist der Befall nicht. Auch Hotels sprechen verständlicherweise nicht gern darüber. Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband sind deshalb „absolut keine Fälle bekannt“, sagt Landesgeschäftsführer Stefan Scholtis. Aber auch innerhalb des Verbandes dürfte so etwas kaum an die große Glocke gehängt werden, vermutet er.

Wissenschaftler haben noch keine Erklärungen für die neue Verbreitung der Wanzen. Allein die Zunahme der Fernreisen könne aber nicht Grund dafür sein, sagt Professor Klaus Reinhardt von der Technischen Universität Dresden, der als renommiertester Bettwanzen-Experten in Deutschland gilt. Die Wanzen-Population sei deutlich stärker gewachsen als die Reisetätigkeit. Möglicherweise habe man es mit einer Mischung aus vielen Faktoren zu tun.

Neben Resistenzen könne eine Rolle spielen, dass viele Menschen die Bettwanzen als solche oft gar nicht mehr erkennen, falsche Schlüsse zögen und die Bekämpfung damit verschleppt werde. „Vorerst bleibt die drastische Zunahme aber ein Mysterium“, sagt der Professor.

Aus Sicht von Reinhardt dürfte die Population zunehmen. „Allerdings sind wir weit entfernt von einer Situation wie in der 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Da war in Berlin jede zweite Wohnung verwanzt. Ich denke nicht, dass wir dort wieder hinkommen werden.“

Oliver Vogt

Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier: Die schwierige Jagd auf Bettwanzen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige