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Norddeutschland Hochsaison für rollende Eisverkäufer
Nachrichten Norddeutschland Hochsaison für rollende Eisverkäufer
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00:16 24.07.2016
Eisverkäufer aus Leidenschaft: Giovanni Occhipinti (61) Quelle: Olaf Malzahn

Die Glocke bimmelt, und Hunderte Kinder stürmen auf den kleinen Eiswagen zu. Solche Termine wie an der Schule in Kücknitz liebt Giovanni Occhipinti (61). Die Augen der Kinder leuchten, der Eisverkäufer strahlt ebenfalls. Er zückt sein Handy und fotografiert die lange Schlange auf dem Pausenhof. „220 sind es wohl“, erzählt er lachend, „wenn ich bei Kindern bin, bringt es einfach immer besonderen Spaß.“ Seit 30 Jahren fährt der Italiener, dem das Eiscafé Giovanni in Ahrensbök gehört, mit seinem Eismobil umher. „Immer in Bewegung sein, das ist es, was ich will“, sagt er zufrieden. Doch Occhipinti gehört zu einer aussterbenden Spezies. Immer weniger Eiswagen rollen durchs Land. Gerade in großen Städten sind die Zahlen deutlich gesunken. Im ländlichen Raum dagegen können sich die fliegenden Eishändler noch gut halten.

Rund 24 Stationen fährt der Eisverkäufer jeden Tag an. Curau, Techau, Pansdorf, Schlamersdorf, Pönitz: Occhipinti ist fast überall bekannt wie ein bunter Hund. „Am liebsten bin ich in Bosau bei der Jugendfreizeitstätte. Die Kinder dort freuen sich besonders, wenn ich komme.“ Meist wird er schon sehnsüchtig erwartet. Manche bestellen ihn extra, wenn ein großes Fest oder Sportturnier ansteht. Einmal hat der NDR sogar das Bimmeln seiner Eisklingel aufgenommen und es immer wieder ins Programm eingebaut. Auf seinen Verkaufswagen ist der Italiener besonders stolz. „Es ist ein alter Transporter von Eduscho“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln, „ich habe ihn günstig bekommen und alles selber gebaut.“ Der gelernte Schmied hat einen Tresen montiert, Lampen angebracht, die Kühltruhe hinter einer Verkleidung versteckt und alles liebevoll dekoriert. Fast alles ist original aus den 80er Jahren. „Nur eine Spaghettieis-Maschine haben ich neu gekauft, das Drücken ging so in die Arme“, erzählt er. Denn der Klassiker ist nach wie vor das meistverkaufte Eis. Besonders rührend für Occhipinti: Viele, die in ihrer Kindheit ein Eis bei ihm gegessen haben, kommen jetzt schon mit ihren eigenen Kindern.

Auch Gianni d’Elia (36) fährt täglich mit seinem Eiswagen durch die Gegend. „Man merkt, dass es weniger wird. Früher waren vier Eisverkäufer in Lübeck unterwegs, heute sind es nur noch zwei“, erzählt er. Doch sein Geschäft läuft gut.

Gianni d’Elia (36) in seinem Eiswagen. Quelle: Olaf Malzahn

Vor allem, weil er sich immer an die Grundsätze hält, die ihm sein Onkel Carlo D‘Elia (47), der das Eiscafé Cappuccino betreibt, mit auf den Weg gegeben hat. „Er hat gesagt, man muss immer freundlich sein, das Eis muss schmecken, und alles muss sauber sein“, erzählt D’Elia, „und ich bin wirklich sehr pingelig, alle zwei, drei Tage wird der Wagen geputzt.“ In seinem Transporter, natürlich ein italienisches Modell, hat er immer acht Sorten Eis an Bord. Vanille, Haselnuss, Erdbeere, Schokolade, Stracciatella und Zitrone gehören zum Standardrepertoire. Zwei Sorten wechseln täglich. Jeden Tag holt er das Eis bei seinem Onkel ab, natürlich sind alle Sorten aus eigener Herstellung. Sieben Tage die Woche ist Gianni D’Elia im Einsatz, manchmal ist er 16 Stunden am Stück für das Geschäft auf den Beinen.

Für sechs Monate dreht sich alles nur ums Eis. Bis zu 45 Stationen fährt der Italiener mit seinem Transporter an, darunter Badeseen, Pflegeheime und Autohäuser. „Es macht so großen Spaß. Die Zeit vergeht viel schneller als in der Eisdiele. Und die Kinder freuen sich so, wenn man kommt“, erzählt er. Auch sein Sohn will später fliegender Eisverkäufer werden. „Davon rate ich ihm aber noch ab“, sagt der 36-Jährige lachend.

Von Meike Wegner

Eis-Fakten

8,5 Kilogramm Speiseeis schleckt jeder Deutsche pro Jahr. Die klassischen Sorten Vanille, Schokolade und Erdbeere sind nach wie vor am beliebtesten. <QA0>
Milcheis muss mindestens 70 Prozent Milch enthalten. Wenn das Eis einen Milchfettanteil von mindestens zehn Prozent hat, darf es als Eiscreme bezeichnet werden. <QA0>
Viele italienische Eismacher in Deutschland kommen aus einem Tal in den Dolomiten. Deshalb tragen viele Cafés bei uns den Namen „Dolomiti“. Erfunden haben allerdings die Chinesen das Eis.

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