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Norddeutschland „Hoffentlich bleiben die Gegner dabei“
Nachrichten Norddeutschland „Hoffentlich bleiben die Gegner dabei“
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22:18 05.09.2013
Profi-Verhandler Christoph Jessen (67).

Der Bau der festen Fehmarnbeltquerung ist das größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas. Seit Jahren wird darum gerungen. Um die Bürger zu beteiligen, die Kritiker einzubinden und Proteste wie bei „Stuttgart 21“ zu verhindern, rief die Landesregierung das „Dialogforum“ ins Leben. Zwei Jahre ist das her. Jetzt zog Leiter Christoph Jessen (67) Zwischenbilanz.

Und die fällt positiv aus. Auf bisher zehn Sitzungen, die auch als Livestream im Internet übertragen wurden, seien viele Aspekte zu dem von Dänemark geplanten Tunnel unter dem Fehmarnbelt und die Hinterlandanbindung in Ostholstein erörtert worden, sagt der Diplomat und Ex-Botschafter Deutschlands in Kopenhagen. Anders als bei „Stuttgart 21“ werde nicht erst am Ende der Planungen ein Runder Tisch aller Betroffenen geschaffen, sondern frühzeitig.

Die Gespräche seien dabei nicht immer einfach. Und es würden noch Klippen auf die Teilnehmer zukommen. Eine davon werde der Baubeginn sein. Und der werde kommen, da dürfe sich niemand Illusionen hingeben. Politik, sagt Jessen, beginne nun mal mit der Betrachtung der Realität. Und dass selbst der Staatsvertrag keine Ausstiegsklausel beinhalte, sondern im Falle sich ändernder Rahmenbedingungen nur Gespräche zwischen Deutschland und Dänemark vorsieht, wie das Projekt dann dennoch umgesetzt werden könne, habe man sich im Forum von Staatsrechtlern erläutern lassen. Er hoffe aber sehr, sagt Jessen, dass auch die Querungs-Gegner nach Baubeginn am Forums-Tisch blieben. „Ich hoffe, sie halten die Realität aus.“ Gerade sie, die Gegner, würden ja auch nach Baubeginn sehr genau auf das Projekt schauen. Und es werde gerade dann wichtig sein, glaubhafte Forderungen an die Vorhabenträger zu stellen. Dass es im Vorfeld nicht gerade leicht für die Tunnel-Gegner sei, sich an der Trassenplanung für die Hinterlandanbindung zu beteiligen, verstehe er hingegen.

Das viele Nachfragen der Beteiligten im Forum habe aber in jedem Fall alle Verantwortlichen vielfach zum Nachdenken gebracht. „Die Fakten kommen hier auf den Tisch.“ Auch dass eine neue Fehmarnsund-Brücke jetzt in den Generalverkehrsplan des Bundes hinein verhandelt werde, sei letztlich dem Forum zu verdanken. Einvernehmlichen Lösungsvorschlägen aus dem Gremium könne sich die Politik nicht leicht entziehen, sagt Jessen, das sei die Stärke des Gremiums. Und dass es dafür sorgt, dass selbst bei einem solchen Großprojekt „die Menschen und ihre Umwelt“ im Mittelpunkt stehen.

Ein Forum für den Dialog
32 Teilnehmer hat das Dialogforum zum Bau der Fehmarnbeltquerung. Sie repräsentieren Projektgegner, Bürgerinitiativen, Anwohner, Gemeinden, Gewerkschaften, Naturschützer, Landwirte, Wirtschaftsverbände, Planer und Organisatoren. Die elfte Sitzung findet am 12. September in Oldenburg statt. Im Schnitt kommen 70 Gäste zu den Sitzungen. Informationen gibt es unter www.fehmarnbelt-dialogforum.de.

Wolfram Hammer

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