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Norddeutschland Holländische Gift-Eier jetzt auch im Norden entdeckt
Nachrichten Norddeutschland Holländische Gift-Eier jetzt auch im Norden entdeckt
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20:12 03.08.2017
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Kiel

„Wir sind gerade erst vom Europäischen Schnellwarnsystem informiert worden“, sagt Ministeriumssprecher Wolf Gehrmann. Die Eier seien in sieben Zentrallager mehrerer großer Lebensmittelketten in Norddeutschland geliefert worden. Das gehe aus den Lieferlisten niedersächsischer Zwischenhändler hervor. Es handele sich um Eier mit verschiedenen niederländischen NL-Stempelnummern. Die Nummern aller bislang bekannten verdächtigen Chargen gibt es auf www.lebensmittelwarnung.de.

Offenbar wurden in einigen Betrieben in den Niederlanden Legehennen verbotenerweise mit Fipronil-haltigen Mitteln gegen Läuse und Milben behandelt. Auch in Niedersachsen soll das Mittel in mehreren Ställen angewendet worden sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht zwar für Erwachsene keine Gefahr durch den Verzehr von Eiern, warnt aber vor einem möglichen gesundheitlichen Risiko für Kinder.

„Ich rate zurzeit allen Verbrauchern bei Eiern mit niederländischer Kennzeichnung zur Vorsicht“, sagt CDU-Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin- Waack. Das Ausmaß des Geschehens sei noch nicht absehbar. Eier mit den fraglichen Codierungen sollten an den Einkaufsmarkt zurückgegeben werden. Die Händler müssten alle verdächtigen Eier aus dem Verkehr ziehen, Kreis-Mitarbeiter überwachen das. „Zur Sicherheit“ untersuche das Landeslabor, ob das Gift auch in Eiern aus schleswig-holsteinischer Erzeugung nachweisbar ist, sagt die Ministerin. Ergebnisse: Am Dienstag.
„Es muss schnellstmöglich geklärt werden, ob das Mittel auch in Schleswig-Holstein von Betrieben verwendet wurde“, sagt auch die Ernährungs-Referentin der Verbraucherzentrale, Gudrun Köster. Das hält der Landesvorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbands, Hans-Peter Goldnick, für ausgeschlossen. Die Kontrolle der Ställe sei engmaschig, und bäuerliche Betriebe könnten es gar nicht riskieren, gegen die Vorgaben zu verstoßen, „die sind dann tot hinterher“. Goldnick rät: „Ernähre Dich heimisch und regional, und du gehst solchen Gefahren aus dem Weg.“

Auf die Verwendung regionaler Produkte würden auch die Mitgliedsbetriebe des Hotel- und Gaststättenverbandes Wert legen, sagt Geschäftsführer Stefan Scholtis. In den Edeka-Märkten im Norden setze man ebenfalls auf lokale Eier-Lieferanten und für die Eigenmarken auf Eier aus Deutschland, sagt Sprecher Max Jendrik Sachau. Nachweise von Fipronil in Edeka-Produkten gebe es bislang nicht. Um dem Verbraucher auch bei Fertigprodukten mehr Sicherheit zu geben, müsse eine bessere Kennzeichnungspflicht her, fordert derweil Hans-Peter Goldnick. „Wenn man auf der Nudel- oder Kuchenpackung wenigsten erkennen könnte, aus welchem Land die Eier darin kommen, wäre das schon ein Fortschritt.“

Von Wolfram Hammer

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