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Norddeutschland Hoteliers starten eigenes Buchungs-Portal
Nachrichten Norddeutschland Hoteliers starten eigenes Buchungs-Portal
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18:21 14.05.2016
Viele Menschen buchen ihren Urlaub mit dem iPad oder dem Computer. Der Dehoga macht ihnen jetzt ein Angebot. Quelle: Fotos: Fotolia, Dpa

. HRS, booking.com, expedia.de – unzählige Hotelportale sind schon am Markt und längst zu Internet-Giganten im Kampf um den Urlauber geworden. Jetzt kommt ein weiteres dazu: Der schleswig-holsteinische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wagt das Experiment und stellt ein eigenes Buchungs-Portal ins Netz. Unter dem Namen sh-hotels.de soll es voraussichtlich ab September für Nutzer zur Verfügung stehen.

„Wir brauchen wegen des Preisdiktats der Großen eine Alternative.“Matthias Drespling

(Dehoga)

Das Buchungs-Portal soll den heimischen Hoteliers im Norden einen finanziellen Vorteil gegenüber den etablierten Anbietern verschaffen. Sie kassieren pro Zimmerbuchung eine Provision von bis zu 15 Prozent. „Wir brauchen wegen des Preisdiktats der großen Portale eine Alternative“, begründet Matthias Drespling vom Dehoga Eutin- Malente das Vorhaben, das er seit anderthalb Jahren vorbereitet.

„Wenn das Portal zudem hilft, gefakete Beurteilungen im Netz zu verhindern, wäre das ein guter Nebeneffekt“, sagt Dehoga- Landesgeschäftsführer Stefan Scholtis. Ähnlich wie Ärzte, Lehrer und andere Berufsgruppen stört es die Hoteliers, wenn ihre Häuser im Netz schlecht gemacht werden – möglicherweise auch von anonymen Kritikern, die nie in ihrem Hotel gewohnt haben. Wer sein Haus künftig über das Dehoga-Angebot im Netz bewirbt, zahlt dafür pauschal 300 Euro netto im Jahr – unabhängig davon, wie viele Buchungen über die Online-Plattform zustandekommen.

760 Dehoga-Mitglieder zählen zu den potenziellen Kunden. „Ein hohes Ziel. Ein Scheitern ist möglich“, sagt Scholtis ganz offen. Um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erreichen, will der Verband Banner-Werbung im Internet schalten. Außerdem soll die Plattform auf bereits etablierte Portale aufgesetzt werden. Dazu zählen nach Angaben von Drespling der Hansapark Sierksdorf, möglicherweise auch die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) und regionale Marketingorganisationen wie der Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT). Erster Schritt: Seit dem 9. Mai ist die Datenbank in Zusammenarbeit mit der Firma Netzwerk Rendsburg aufgebaut. Wenn alles nach Plan läuft, könne das schleswig- holsteinische Dehoga-Buchungs- Portal Vorbild für ein bundesweites Angebot werden, sagt Drespling und setzt auf eine hohe Akzeptanz des neuen Modells.

Eine Konkurrenz zum eigenen Geschäft sieht die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein nicht. „Wir freuen uns, wenn es vielfältige Buchungsmöglichkeiten für unsere Gäste gibt“, sagt Tash-Sprecher Marc Euler. Die Tash sei im Kern die Marketingorganisation des Landes, nichts anderes. Euler warnt allerdings davor, das Instrument von Internet-Portalen zu überschätzen. Laut Destination-Monitor Deutschland buchen gerade einmal sieben Prozent aller Schleswig-Holstein-Gäste ihren Aufenthalt übers Internet. 73 Prozent melden sich direkt in der Unterkunft.

Tourismusminister Reinhard Meyer (SPD) zeigt sich vom Engagement des Dehoga beeindruckt – „nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Möglichkeit für die Betriebe, die teuren Provisionen von Fremdanbietern einzusparen“. Alles, was neue Gäste nach Schleswig-Holstein bringt, sei gut, sagt der Minister. Ein Stück Skepsis aber schwingt dann doch mit: Ob sich das Portal angesichts der großen Player am Markt behaupten könne, bleibe abzuwarten.

Curd Tönnemann

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