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Norddeutschland Hunde hetzen Tiere: Jäger fordern Strafen für Halter
Nachrichten Norddeutschland Hunde hetzen Tiere: Jäger fordern Strafen für Halter
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22:50 10.01.2017
Mehrere Heidschnucken waren am Dummersdorfer Ufer von einem Hund zu Tode gehetzt worden. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck/Bosau

Zu Tode gehetzt: Innerhalb weniger Tage sind in Lübeck und Bosau Wildtiere von streunenden Hunden attackiert und getötet worden. Der erste Vorfall ereignete sich im Naturschutzgebiet Dummersdorfer Ufer bei Lübeck. Dort fand eine Spaziergängerin am Sonntagmorgen vier tote Heidschnucken in einem abgezäunten Gehege. Die Polizei Lübeck vermutet, dass ein freilaufender Hund die Herde von insgesamt 650 Tieren so lange hetzte, bis vier Mutterschafe verendeten. Fünf weitere wurden schwer verletzt.

Dienstagmorgen jagten dann zwei Streuner ein Reh durch ein Wohngebiet bei Bosau. Wie Zeugen berichten, packten der Golden Retriever und der Border Collie ihr Opfer immer wieder an den Läufen, an Hals und Kehle. Das schwer verletzte Reh musste später von einem Jäger erschossen werden.

Leinenpflicht

Laut Hundegesetz des Landes Schleswig-Holstein gilt die Leinenpflicht für Hunde unter anderem in Stadtgebieten wie Fußgängerzonen, auf Sportanlagen oder Campingplätzen.

Ohne Leine müssen Hundehalter ihre Tiere so führen können, „dass durch den Hund weder Menschen, Tiere noch Sachen gefährdet werden.“

Die getöteten Tiere sind nicht die einzigen Opfer wildernder Hunde, bestätigt Christoph Benett, Sprecher der Kreisjägerschaft. „Es ist ein Phänomen, regelmäßig werden Hunde verbotenerweise von der Leine gelassen“, sagt Benett. Das leichtsinnige Verhalten der Hundehalter kann für Wildtiere tödlich enden: „Ein Kitz das gejagt wird, verbrennt seine gesamten Fettreserven. Bei niedrigen Temperaturen ist das ein Todesurteil“, sagt Benett. Die Kreisjägerschaft fordere daher ein härteres Durchgreifen seitens der Behörden.

Auch den Umweltschützern sind die Schäden, die freilaufende Hunde anrichten, bekannt. Besonders auf den Deichanlagen der Nordseeküste werden Schafe häufig von Hunden gehetzt und tot gebissen, erklärt Ingo Ludwichowski, Pressesprecher des Naturschutzbundes Schleswig-Holstein. „Dort gibt es viele Touristen mit Hunden, die sich vorher nicht über die Schafsherden informieren.“ Aber auch in den Naturschutzgebieten der Ostseeküste komme es immer wieder zu Zusammenstößen von Hunden und Wildtieren.

Dort gilt grundsätzlich: „Laut Naturschutzgebietsverordnung müssen in Naturschutzgebieten wie dem Dummersdorfer Ufer Hunde immer an der Leine laufen“, sagt Nicole Dorel, Sprecherin der Stadt Lübeck. Für andere Areale, etwa Stadt-Gebiete, gilt das 2016 in Kraft getretene Hundegesetz des Landes Schleswig-Holstein. Bei Verstößen drohen unter anderem Bußgelder bis zu 10 000 Euro.

Leichtsinnige Hundehalter können unter Umständen aber auch auf anderen juristischen Ebenen, etwa dem Strafrecht, belangt werden. „Tiere werden aber vor dem Gesetz als Sachen behandelt“, erklärt Martina Schlosser, Anwältin für Fragen rund um den Hund. „Wird also ein Tier von einem Hund getötet, handelt es sich um vorsätzliche Sachbeschädigung und das wird bestraft.“

Von Katrin Diederichs und Tomma Petersen

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