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Norddeutschland Die graue Stadt wird lila: Husum feiert die Krokusblüte
Nachrichten Norddeutschland Die graue Stadt wird lila: Husum feiert die Krokusblüte
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20:00 14.03.2019
Ein Meer aus blühenden Krokussen bedeckt die Anlagen rund um das Husumer Schloss. Quelle: Rehder/dpa
Husum

Nachgezählt hat niemand, aber die nordfriesische Stadt rühmt sich, die größte Krokus-Population Nordeuropas präsentieren zu können. Warum das Jahr für Jahr gelingt, „wissen wir nicht“, heißt es in der Stadtverwaltung. Man tue eigentlich nicht viel. Folglich fokussiert sich Husum darauf, von Legenden zu erzählen, wie es zur Ansiedlung der Krokusse vor dem Schloss gekommen sein könnte. Mindestens in einem Punkt meldet ein Experte allerdings Bedenken an.

Mönche wollten Safran

In einem Kloster an der Stelle, wo heute das Schloss steht, lebten im 15. Jahrhundert die sogenannten „Grauen Mönche“. Es sei realistisch, so die Stadt, dass diese Mönche Krokusse anpflanzten, um aus den getrockneten Narben der Blüte Safran zu gewinnen. Safran brauchten sie zum Färben der liturgischen Gewänder.

Safran, so eine andere Legende, könnte aber auch von Herzogin Marie Elisabeth benötigt worden sein. Sie residierte von 1655 bis 1684 im Schloss und benötigte Safran für das süße Gebäck ihrer Zuckerbäckerei.

Nun lassen sich allerdings aus dem in Husum angeblich blühenden lilafarbenen „Crocus neapolitanus“ wegen fehlender Blütennarben gar kein Safranfäden gewinnen. Die Anpflanzer – ob Mönche oder Herzogin – müssten also sehr überrascht gewesen sein, schreibt die Stadt Husum in einer Presseerklärung. Safran erhalte man nur aus dem „Crocus sativus“. Der Safran-Krokus stammt von einer aus Griechenland stammenden Wildart ab. „Der aber ist es in Husum definitiv nicht”, sagt Jonas Reif.

Von der Toskana nach Nordfriesland

Der ehemaliger Chefredakteur des Magazins „Gartenpraxis“ hat sich mit der Herkunft der Krokusse beschäftigt. Tatsächlich handele es sich in Husum jüngster Forschung zufolge um „Crocus neglectus“, der ursprünglich in der Toskana, der Emilia Romagna und Ligurien beheimatet ist. Neapolitanus? Neglectus? Hauptsache Italien, mag sich das Husumer Tourismusbüro gedacht haben.

Möglicherweise bleibt die erste Anpflanzung der Husumer Knollengewächse für immer ein Rätsel. Die lila Stadt stört das nicht. An diesem Wochenende werden Zehntausende Besucher in der Hafenstadt erwartet, die - Wetter hin, Wetter her - die Krokusblüte bestaunen wollen. Husum lockt mit einem Handwerker- und einem Pflanzenmarkt, vor dem Schloss wird die neue Krokusblütenmajestät gekrönt, in Mönchskutten gekleidete Vertreter des Lions Clubs verteilen Krokuszwiebeln, am Sonntagnachmittag ist verkaufsoffen.

Curd Tönnemann

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