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Hygiene-Mängel? Ein Besuch im UKSH

Lübeck Hygiene-Mängel? Ein Besuch im UKSH

Der Vorstand wehrt sich gegen den Vorwurf, dass OP-Bestecke oft dreckig gewesen sein sollen.

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Lukasz Kosciukiewiez (38) ist Technischer Sterilisationsassistent und kontrolliert alle Instrumente per Hand.

Lübeck. Das Wasser wirbelt durch den Glasbehälter, der aussieht wie eine überdimensionale Geschirrspülmaschine. Ein sonores Rauschen erklingt, dann füllt sich auch ein zweiter Kasten in Sekundenschnelle mit Wasser. Insgesamt neun dieser Reinigungs- und Desinfektionsgeräte reihen sich in der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) der Uniklinik aneinander.

LN-Bild

Der Vorstand wehrt sich gegen den Vorwurf, dass OP-Bestecke oft dreckig gewesen sein sollen.

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Sie sollen die Instrumente aus den 30 OP-Sälen von Blut, Haaren oder anderen Verunreinigungen befreien. Doch die Geräte arbeiten nicht hundertprozentig. Jedes einzelne Instrument muss anschließend von Menschenhand kontrolliert werden.

Nur einen Tag nachdem bekannt wurde, dass im UKSH mehrfach verdrecktes OP-Besteck gefunden worden war, öffnet die Klinik selbstbewusst ihre Türen. Der Blick in die ZSVA soll beweisen, dass die Sterilisation mittlerweile wieder problemlos läuft. „Wir hatten im Mai und Juni Probleme in der Abstimmung“, räumt Vorstandsvorsitzender Prof. Jens Scholz ein. „Wenn nicht klar ist, wer was macht, dann findet man häufiger verschmutzte Instrumente als normal.“ In Zahlen sollen das im Mai rund ein Prozent der ausgelieferten OP-Siebe gewesen sein. Mitarbeiter des UKSH behaupten aber, dass weit mehr Siebe getauscht werden mussten. Trauriger Höhepunkt: Ende Mai wurde ein Patient in Narkose versetzt, die geplante Operation fiel aber aus. „Es stimmt, alle vier OP-Siebe waren überraschenderweise nicht sauber“, so Scholz, „so etwas ist für uns ein Supergau, wir haben sofort gehandelt.“ Wochenlang wurden erst die Siebe kontrolliert, dann die Narkose eingeleitet. Im Notfall wurde die OP verschoben. „Mittlerweile sind wir in zwei Drittel der Kliniken wieder zum normalen Prozedere übergegangen und vertrauen darauf, dass wir die Prozesse im Griff haben“, so Scholz.

Mit Prozessen meint der UKSH-Vorstand die Arbeit in der ZSVA. Dort werden die schmutzigen Siebe direkt vom OP eingeliefert. Blutige Scheren, Klemmen, Skalpelle, Pinzetten oder sogar Bohrer werden dort gereinigt. 15 Siebe kann jedes der neun Reinigungsgeräte fassen. „Zuerst wird das Besteck bei 45 Grad gespült, anschließend bei 93 Grad desinfiziert und dann bei 80 Grad nachgespült“, erklärt Ben Mesmia Jalel (55), der die Abteilung mit 54 Mitarbeitern leitet. Nach 75 Minuten kommt das OP-Besteck trocken aus der Maschine.

Besonders nachmittags und nachts herrscht Hochbetrieb, wenn die benutzten Instrumente eintrudeln. „Unser Ziel ist, dass morgens alle Siebe wieder bereit für die Ausgabe sind“, sagt der 55-Jährige.

Doch das klappte nicht immer: Im Mai und Juni stapelten sich zum Schichtbeginn am Morgen die Siebe. Der Grund: zu wenig Personal. Schon 2011 war das UKSH in die Kritik geraten, weil das OP-Personal über eine Unterbesetzung klagte. Dort wurde die Belegschaft mittlerweile aufgestockt, die OP-Zahlen konnten wieder steigen. In der ZSVA allerdings kamen in Folge dessen mehr Siebe an, eine Herausforderung, die die Mitarbeiter nicht bewältigen konnten. Mittlerweile ist auch hier das Personal aufgestockt. Zudem hat sich das UKSH Hilfe von der Firma VANGARD geholt, die alle Prozesse und Siebe gesichtet hat.

Nach der Reinigung werden die Instrumente per Hand kontrolliert. Lukasz Kosciukiewiez (38) scannt den Barcode, der auf dem Metallkorb klebt, und prompt erscheint auf einem Bildschirm eine Liste. Sie zeigt an, was später in dem Sieb liegen muss. Ein Bild verdeutlicht zudem, wie die Instrumente angeordnet werden müssen. Was im Korb ist, hakt der 38-Jährige auf dem Touchscreen ab. Was schmutzig ist, wandert sofort wieder hinter die dicke Glasscheibe, die den gereinigten vom ungereinigten Bereich trennt. Ist alles in Ordnung, wird das Sieb in blaues Vlies gewickelt und kommt in den Sterilisator. 80 Minuten laufen die vier Geräte, ein Bildschirm zeigt den Mitarbeitern ständig den Druck in der Kammer an. Über Dampf werden die Instrumente steril gemacht. Erst danach können sie in die 20 UKSH-Kliniken ausgeliefert werden. Im Bestfall erfolgt dann im OP nur noch eine Routine-Kontrolle. Pannen sollen im UKSH nun der Vergangenheit angehören.

Maike Wegner

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