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Norddeutschland IHK-Studie: Akzeptanz für den Belttunnel steigt
Nachrichten Norddeutschland IHK-Studie: Akzeptanz für den Belttunnel steigt
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22:08 05.05.2017
So wie in dieser Zeichnung soll der etwa 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel unter dem Fehmarnbelt einmal aussehen. 
Lübeck/Tremsbüttel

Gegner der Beltquerung üben dagegen harte Kritik an der Studie. „Es wird schon zur Routine, dass die Belttunnelplaner und andere Beteiligte mit Hilfe von öffentlichen Mitteln die Realität verbiegen wollen“, sagt Karin Neumann von den „Beltrettern“. „Unsere Wahrheit sind 140 000 Unterzeichner der Online-Petition gegen die feste Querung“, erklärte sie.

Mit Unterstützung der IHK Schleswig-Holstein und der dänischen Stiftung Femern Belt Development hatte der Verein „Beltoffen“, der für die Beltquerung wirbt, die Möllner Ipsos Operations GmbH beauftragt, von Ende Februar bis Mitte März 2017 in einer repräsentativen Umfrage bei 1000 zufällig ausgewählten Bürgern ein Stimmungsbild einzuholen – 615 in ganz Schleswig-Holstein und 385 in Hamburg. 43 Prozent der Befragten hätten eine „grundsätzlich zustimmende Haltung“ zu dem Projekt, sagte Ipsos-Geschäftsführer Heiko Lehmann. Nur 19 Prozent lehnten den Tunnel ab. Die Zahl der Befürworter steige mit zunehmenden Alter, bei Männern liege die Zahl höher als bei Frauen.

Hohen Einfluss auf eine positive Bewertung des Tunnels hätten vor allem die Erwartungen an bessere Bedingungen für Pendler und an die Verkürzung der Reisezeit nach Skandinavien. Positive Folgen für den Arbeitsmarkt, das Entstehen einer neuen Wirtschaftsregion, Impulse für den Einzelhandel sowie den Tourismus hätten ebenfalls ein „hohes Potenzial“, die Zustimmung weiter zu steigern.

„Wir sehen uns bestätigt: Mehr als 40 Prozent der Menschen im Norden erkennen die Chancen und wollen die Querung“, sagte der Eutiner Unternehmer Björn Prölß, Vorsitzender des Vereins „Beltoffen“. Von einer „sehr guten Botschaft an Dänemark und Schweden“ sprach Siegbert Eisenach vom Fehmarnbelt Business Council (FBBC). Für Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein, belegen die Zahlen die „hohe Akzeptanz und die Erwartungen an das Jahrhundertbauwerk bei uns im Norden“. Der Däne Stig Rømer Win ther von Femern Belt Development betonte, man wolle weiter „offen kommunizieren“. „Auf diese Weise werden wir den Menschen in der Region Ängste nehmen“, sagte Winther.

Die Gegner sehen das ganz anders. Bereits jetzt seien die Kosten für das Projekt „in unvorstellbarer Weise gestiegen und werden es weiter tun“, sagt Peter Ninnemann aus Timmendorfer Strand, Mitglied in Bügerinitiativen gegen die Querung. „Für mich war entlarvend, dass Banken, Investoren und Baukonzerne erklärt haben, das Projekt nur mit Staatsgarantien fianzieren zu wollen.“ Diese Aussage zur Wirtschaftlichkeit sei „deutlicher als alle Umfragen und Gutachten“, so Ninnemann.

Erörterungstermine nur in Lübeck

Die Belttunnel-Gegner üben Kritik am Kieler Verkehrsministerium. Grund: Die Erörterungstermine für Einwendungen zum Planverfahren sollen an bis zu 15 Werktagen in Lübeck stattfinden. Ein Fehmaraner aber brauche dann bis zum Veranstaltungsort und zurück gut 3 Stunden Fahrtzeit. Zudem sei es Arbeitnehmern nicht möglich, sich so viele Tage freizuhalten, heißt es bei den „Beltrettern“. So solle wohl das Bild entstehen, dass der Widerstand gegen den Tunnel gar nicht so groß sei. SPD-Verkehrsminister Reinhard Meyer weist die Kritik zurück. Der Weg von Fehmarn nach Lübeck in die Kulturwerft Gollan oder die Media Docks sei absolut zumutbar. Auf Fehmarn selber gebe es keine geeigneten Räume. Und Einzeltermine mit privat Betroffenen würden sehr wohl auf Fehmarn abgehalten.

Christian Risch

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