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Norddeutschland „Ich bin eine glückliche Finanzministerin“
Nachrichten Norddeutschland „Ich bin eine glückliche Finanzministerin“
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21:40 02.09.2017
Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) im Gespräch mit LN-Chefkorrespondent Curd Tönnemann. Quelle: Felix König
Scharbeutz/Kiel

Monika Heinold (58) erinnert sich noch gut daran, wie sie den Pfennig zweimal umdrehen musste, um sich als Schulkind eine Kugel Eis für fünf Pfennig leisten zu können. „Oder die Schokokuss-Brötchen beim Bäcker für zehn Pfennig ... Es war immer die Frage: Reicht das Geld dafür oder nicht?“ Denn im Rechnen war die kleine Monika nicht schlecht. In dem Fach brachte sie immer sehr gute Noten aus der Schule mit. Loki Schmidt, Frau von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, war für kurze Zeit ihre Grundschullehrerin in Hamburg.

Monika Heinold (58) erinnert sich noch gut daran, wie sie den Pfennig zweimal umdrehen musste, um sich als Schulkind eine Kugel Eis für fünf Pfennig leisten zu können.

Heute ist Heinold Finanzministerin und Herrin über einen Landeshaushalt von elfeinhalb Milliarden Euro.

„Zahlen sind Zahlen. Darüber lässt sich nicht diskutieren.“ Das macht für Heinold den Reiz des ranghöchsten Kassenwarts im Land aus. „Die Suche nach Lösungen bestimmt meinen Alltag, das macht mir Spaß.“ Sie sagt es mit einer leisen Stimme, aber man nimmt es ihr sofort ab. Unbestritten ist der Spaßfaktor in ihrem Ministerium zuletzt gewachsen. Die Steuereinnahmen sprudeln. Die Zinsen bewegen sich auf einem extrem niedrigen Niveau. Das verschafft Spielraum für eine Finanzministerin. „Ja, ich bin eine glückliche Finanzministerin“, sagt Heinold. „Würde ich mich in der derzeitigen Situation beklagen, wäre ich für den Job nicht geeignet.“ Und dieses Glück, sagt sie, werde nicht einmal getrübt durch diese wirklich blöde Sache mit der HSH Nordbank.

Die Bank gehört den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein und hat sich in der Vergangenheit bekanntlich an Risiko-Geschäfte rangetraut, für deren Mega-Verluste ihre beiden Eigner jetzt geradestehen müssen. Die Länder haben Garantien in Höhe von zehn Milliarden Euro gegeben – und das muss nicht einmal das Ende der Fahnenstange sein. Das Geld ist futsch. Eine immense Bürde für den Landeshaushalt.

„Wir müssen diese Altlast bewältigen“, sagt Heinold. Dabei ist ihre Stimme auf einmal nicht mehr gewohnt leise, sondern so stark, dass der Zuhörer meint, sie müsse sich bei diesem Thema selbst Mut machen. Die Menschen, die sie zum Thema HSH Nordbank höre, seien frustriert bis verzweifelt, räumt die Finanzministerin ein. „Sie ahnen, dass es eine astronomische Größe ist, die wir an Schulden zusätzlich bekommen.“ Die Angelegenheit sei anstrengend, aber umwerfen, nein, umwerfen könne sie das nicht.

Sie habe vor langer Zeit einmal eine Weltreise gemacht, erzählt Heinold, und Armut und Hungersnöte gesehen. „Wir dagegen leben hier in einer echt komfortablen Situation. Wir haben keinen Krieg, keine Naturkatastrophe, keine Massenarmut.“ Stattdessen Herausforderungen wie die HSH Nordbank. „Die können wir bewältigen“, ist sich Heinold sicher. Ihre Stimme wird wieder leiser. Wie beruhigend.

Wofür würde sie am liebsten Geld rausrücken? „Für die Bildung“, sagt die Ministerin, ohne eine Sekunde zu zögern. Beitragsfreie Kitas, bessere Bezahlung des Personals, mehr Ganztagsschulen, eine größere Zahl an Mensen, erfolgreiche Inklusion, Investitionen in Hochschulen – das alles liege ihr sehr am Herzen. Wenn SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz dafür zwölf Milliarden des Bundes einsetzen wolle, frage sie sich, ob das reiche. „Für eine Bildungsrepublik bräuchte es mehr Geld.“ Überschlägig wären allein in Schleswig-Holstein 1,5 Milliarden Euro zusätzlich für den in Aussicht gestellten Bildungspakt erforderlich, rechnet Heinold vor. Und sagt dann noch: „Milliardenbeträge“ im Wahlkampf so dahin versprochen – die Menschen auf der Straße würden doch kaum abschätzen können, ob das nun angesichts der angepeilten Bildungsziele in Wahrheit viel oder wenig sei.

Was hat die einstige Erzieherin aus dem Kreis Segeberg dazu veranlasst, bei den Grünen nach höheren Ämtern zu streben? „Das war 1986 die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl“, sagt Heinold. „Mein erster Sohn wurde zu dieser Zeit geboren. Ich fragte den Arzt, ob ich mit dem Neugeborenen gefahrlos an die frische Luft könne.“ Der Mediziner konnte die Frage nicht beantworten. „Ich fragte, ob ich das Kind stillen dürfe.“ Der Mediziner sagte: „Machen Sie einen Test.“ Diese Antworten hätten sie tief geprägt, sagt Heinold. Zwei Jahre zuvor war sie in die Partei eingetreten. Eine Partei, die für bessere Lebensbedingungen auf diesem Globus kämpfe.

Monika Heinold sitzt barfuß im Strandkorb. Ihr Blick geht aufs Meer. Sie mag den Wind, die frische Brise. Das Segeln ist ihr großes Hobby. Mit ihrem Lebenspartner geht es gern in die dänische Ostsee oder wie zuletzt in die Schlei. „Doch dieser Sommer bot wenig gutes Segelwetter“, sagt sie fast wehmütig. Wir schließen den Strandkorb ab. Und schauen den Booten auf dem Wasser nach.

Zur Person

Monika Heinold kam 1958 in Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie zunächst in Hamburg, später in Hardebek (Kreis Segeberg). Auf der Fachschule für Erzieher in Schleswig erwarb sie ihr Fachabitur. Anschließend arbeitete sie in einem Awo-Kindergarten. Seit 1984 ist Heinold Mitglied bei den Grünen. Von 2000 bis 2012 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Kieler Landtag. Seit 2012 ist Heinold Finanzministerin, zunächst im Kabinett Albig (SPD), seit Juni 2017 im Kabinett Günther (CDU). Bei den Koalitionsverhandlungen zu Jamaika war Heinold Verhandlungsführerin.

 Curd Tönnemann

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