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„Ich will Kommunal-Minister sein“

Heikendorf „Ich will Kommunal-Minister sein“

Stadtverwaltung war sein Leben. Jetzt will Hans-Joachim Grote den Kommunen als Minister helfen.

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CDU-Innenminister Hans-Joachim Grote (l.) im Gespräch mit LN-Korrespondent Wolfram Hammer in Heikendorf bei Kiel.

Quelle: Fotos: Felix König

Heikendorf. „Minister sein? Das hat mich einfach gereizt“, sagt Hans- Joachim Grote. Er hat kurz überlegt, jetzt sprudelt es aus ihm heraus. „Da kann ich gestalten.“

LN-Bild

Stadtverwaltung war sein Leben. Jetzt will Hans-Joachim Grote den Kommunen als Minister helfen.

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Ein Strahlen fliegt über sein Gesicht. Ein Leben lang hat der 62-Jährige als Kommunalbeamter gedient, war Stadtrat, Oberbürgermeister von Norderstedt. Seit Juni ist er Innenminister in Kiel. Und jetzt Gast beim LN-Strandkorbgespräch.

Grote ist in Paderborn aufgewachsen. „Da ist man katholisch und CDU“, sagt der 62-Jährige und lacht. Die Stadt im östlichen Nordrhein-Westfalen gilt bis heute als schwarze Hochburg. Und so zog es auch Grote 1973 zur Jungen Union. Dabei war sein Elternhaus „zwar konservativ, aber unpolitisch“. Der Vater Personalchef bei der Bundesbahn, die Mutter daheim bei Grote und seiner Schwester Ingeborg.

Politische Diskussionen führten sie nicht.

Grote schon. In der Schule. „Wir waren politischer als die Jugend heute.“ Er damals „mit schulterlangen Haaren, man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen“. Eine Parteilaufbahn aber hat er nie angesteuert. Er begann 1975 eine Ausbildung bei der Stadt. Und Verwaltungsbeamter zu sein und gleichzeitig Parteipolitik zu machen, das schloss der junge Inspektoren-Anwärter für sich aus.

Dafür kam Grotes Verwaltungslaufbahn schnell in Fahrt. „Ich hatte immer das Glück, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit auf mich aufmerksam wurden.“ Er kümmerte sich um die Innenstadtsanierung der vom Krieg gezeichneten Stadt. Dann fragte ihn der Stadtdirektor, ob er nicht für die Landesgartenschau in Paderborn verantwortlich zeichnen wolle – „dabei habe ich es mit dem Gärtnern gar nicht so“. Grote sagte zu, wurde Geschäftsführer der Planungsgesellschaft, übernahm noch weitere Geschäftsführerposten in städtischen Gesellschaften.

1995 war die Karriereleiter in Paderborn erklettert. Und nun? Eine Stelle als Stadtdirektor in der Kleinstadt Bad Driburg war frei. Doch das klang für Grote nicht gerade verlockend. Nach Baden-Baden zu wechseln, wäre sein Traum gewesen. Die Stadt liebt er bis heute. Und wer ihn in seiner roten Stoffhose und dem dunkelblauen Sakko über dem offenen Hemd im Strandkorb sitzen sieht, kann ihn sich an dem mondänen Ort gut vorstellen. Doch dort wurde gerade kein Beamter aus dem Ostwestfälischen gebraucht. Stattdessen kam ein Anruf aus Norderstedt: „Wir suchen einen Baudezernenten und Ersten Stadtrat.“

Es traf sich gut, dass die Familie sowieso gerade nach Dänemark in den Urlaub fahren wollte, sagt Grote. Ein kurzer Stopp. Der Kontrast hätte kaum härter sein können – dort das 2000 Jahre alte Paderborn, hier die neue Kunststadt Norderstedt. Trotzdem sagen die Grotes ja. Für zwei oder drei Jahre wollten sie bleiben. „Es war vor allem für meine Frau nicht leicht.“ Die pharmazeutisch-technische Assistentin hatte „einen tollen Job in Paderborn“. Auch für den Sohn war der Wechsel schwierig. Er war gerade erst in Klasse 5 am Gymnasium neu gestartet. Die vier Jahre jüngere Tochter war leichter zu überzeugen. „Wir haben ihr gesagt, dass sie in Norderstedt mit dem Reiten anfangen darf.“ Sie tut es bis heute mit Begeisterung.

Aus den zwei oder drei Jahren wurde dann eine halbe Ewigkeit. Die Lage der Stadt sei ja aber auch toll. Die Metropole Hamburg vor der Tür, bis zur See eine gute Stunde, nicht mehr. Nach Timmendorf geht’s vor allem. „Ein Tag am Meer ist für mich immer wie ein Urlaubstag“, sagt Grote. Mittlerweile seien sie alle vier Norderstedter, sogar seine Mutter wohnte in ihren letzten Lebensjahren hier.

Die Doppelhaushälfte am Stadtrand ist Heimat geworden, und den Garten braucht man dort, ganz dicht am Waldrand, auch nicht allzu sehr zu pflegen. „Wir werden auch im Ruhestand nicht mehr wegziehen.“

19 Jahre war Grote auch Oberbürgermeister der Stadt. 1998 trat er zum ersten Mal in einer Direktwahl an. „Es war seltsam, zum ersten Mal für sich selbst zu werben.“ Er gewann im ersten Wahlgang haushoch gegen einen SPD-Favoriten, und 2004, 2010 und 2016 wieder. Sein Erfolgsrezept? „Man muss im Dialog mit den Bürgern auf alle hören.“ Kommunalpolitik sei keine Parteipolitik, sondern Selbstverwaltung. Gestritten hat er lieber als Vorsitzender des Städteverbandes, und mit Vorliebe gegen das Land. Er kämpfte für eine gerechtere Verteilung des Geldes zwischen Kiel und den Kommunen.

Und so rechnete er, als Daniel Günther ihn kurz nach dessen Wahl zum CDU-Spitzenkandidaten um einen Termin bat, damit, dass der einen Rat für den Wahlkampf haben wolle. Am Ende aber fragte Günther, ob er sich auch vorstellen könne, ein Ministeramt zu übernehmen.

Er konnte es. Als Innenminister will er jetzt die Kommunen dabei unterstützen, neue Konzepte für Mobilität und Digitalisierung zu entwickeln. Den Finanzausgleich will er besser regeln, damit auch in abgelegenen Orten Entwicklung möglich ist. „Kommunal-Minister“ nennt er sich selber. Für die Polizei ist er auch zuständig. Die müsse dafür sorgen können, dass die Menschen in ihren Kommunen auch sicher leben können. Kurzum: Ein anderes Ministeramt hätte er nie gewollt. Er habe noch nicht einmal damit gerechnet, dass er dieses bekommt. „Dazu war ich parteipolitisch viel zu wenig aktiv.“

Dass er die Aufgaben meistern kann, daran lässt er keinen Zweifel. Die gute wirtschaftliche Lage des Landes ermögliche ja auch wieder Zukunftsinvestitionen. Dass es für ihn persönlich zu anstrengend werden könnte, glaubt Grote nicht. Erholungspausen? Er überlegt kurz. Nein, braucht er nicht. „Mir macht meine Arbeit Spaß.“ Ab und zu mal Golfen und dabei nette Gespräche führen, oder mal Fahrradfahren, das reiche ihm. Volleyball hat er als Schüler gespielt, und Kanu ist er gefahren, auch Wildwasser. „Mittlerweile hängen die Boote im Carport.“ Auf seinen Jaguar passen sie sowieso nicht mehr. Der Wagen sei ein Stück Luxus, das er sich im Alter gönne. Leistungsstark, englisch-elegant, teuer. Und ein Kindheitstraum. Der Vater eines Jugendfreundes hatte einen. Grote fuhr erst mal Volvo, BMW. Eines Tages rollte dann der Jaguar auf den Hof. Grote sagt: „Manche Lebenswünsche muss man sich einfach irgendwann erfüllen.“

Aufgewachsen in Paderborn

Hans-Joachim Grote, geboren am 30. April 1955 in Paderborn. Abitur am Reismann-Gymnasium, Ausbildung bei der Stadt Paderborn. Dann Abteilungsleiter, Amtsleiter und später Geschäftsführer in kommunalen Gesellschaften der Stadt, Ausrichtung der Landesgartenschau 1994. Im Oktober 1995 wechselte Grote als Baudezernent und Erster Stadtrat nach Norderstedt. Im Dezember 1998 wurde er direkt zum Bürgermeister gewählt. Wiederwahl 2004 und 2010. Seit Juni 2017 ist er Minister für Inneres, ländliche Räume und Integration. Grote ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Wolfram Hammer

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