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„Ich wollte ins politische Zentrum“

Heikendorf „Ich wollte ins politische Zentrum“

Karin Prien wollte früh in die Politik. Aber erst musste ein ordentlicher Beruf her. Heute ist sie Ministerin für Bildung in Kiel.

Heikendorf. Ausgerechnet die CDU. Das war Karin Prien nicht in die Wiege gelegt. Der Großvater Sozialdemokrat, der Vater „irgendwo zwischen liberal und unangepasst“.

Trotzdem: Heute führt die 52-Jährige für die Union das Kieler Bildungsministerium. Die LN baten sie zum Strandkorbgespräch.

Nein, so ein angepasster CDU- Typ sei sie auch nie gewesen, sagt Karin Prien und lacht. Dabei war sie schon mit 15 Jahren, 1980, in der Schüler-Union aktiv und diskutierte auf einem CDU-Bundesparteitag in Hamburg mit. Ihr Gymnasium in Neuwied in Rheinland- Pfalz sei sehr politisch gewesen, wie viele Schulen damals. Es tobte die Nachrüstungsdebatte. Einige Schüler warben für den Kommunismus. Karin Prien für eine freiheitliche Gesellschaft. Dass Helmut Kohl und Heiner Geißler die Partei modernisieren wollten, reizte sie. Als sie das Abitur in der Tasche hatte, zog sie sofort zum Jura-Studium nach Bonn, damals noch die Bundeshauptstadt. „Ich wollte ins politische Zentrum.“

Erst ein Beruf, dann die Politik

Einen allzu schnellen Karriere- Start in der Politik versagte sie sich dennoch. „Ich habe mir gesagt, du musst erst mal einen vernünftigen Beruf lernen und darin arbeiten.“ Nach dem ersten Staatsexamen ging sie 1990 noch für ein Jahr zum Studium nach Amsterdam. „Das ist meine absolute Lieblingsstadt.“ Es war für sie auch eine Heimkehr. In Amsterdam ist sie geboren worden. Ihre jüdischen Großeltern waren dorthin geflohen, hier lernten sich die Eltern kennen. Als der Vater später eine Ingenieurstelle in Neuwied antrat, war Karin Prien viereinhalb Jahre alt, sprach nur Holländisch. „Ich weiß noch genau, wie sich das anfühlte am ersten Tag, wenn man nicht versteht, was die anderen Kinder sagen.“ Als sie eingeschult wurde, sprach sie fließend deutsch. „Mit meinem Bruder und den Eltern spreche ich aber bis heute holländisch.“

Familie ist Karin Prien wichtig. Sie sollte die zweite Säule in ihrem Leben sein, neben dem Beruf. 1996 lernte sie ihren künftigen Mann kennen – bei einer Fortbildung ausgerechnet zum Thema Insolvenzrecht. „Klingt eigentlich nicht sehr aufregend“, sagt Karin Prien und lacht schon wieder. Sie folgt ihm nach Hamburg, 1999, 2001 und 2005 werden die drei Söhne geboren. Sie wird Rechtsanwältin mit einer eigenen Kanzlei. Zivilrecht ist ihre Spezialität. „Ich finde es schön, in Streitfällen zwischen den Parteien einen Ausgleich finden zu können – oder Streit durch vernünftige Verträge von vornherein zu verhindern.“

Und noch eine dritte Säule ist wichtig für ein erfolgreiches Leben, sagt Karin Prien: das ehrenamtliche Engagement. Bei ihr, na klar, in der Politik. Als sie 2004 gefragt wird, ob sie für die Bürgerschaft kandidieren will, ist die Hamburger CDU erstmals auf einem Höhepunkt, ihr Bürgermeister Ole von Beust regiert mit absoluter Mehrheit. Die Kandidatur scheitert zwar, aufgeben will Karin Prien aber nicht. Als die CDU später in einer Koalition mit den Grünen für die Einführung einer sechsjährigen Grundschule streitet, hält sie als eine der wenigen in der Partei dagegen. Sie hält die Reform, die sehr viel Unruhe in die Schullandschaft bringen würde, für falsch.

Eine Volksabstimmung bringt die schwarz-grünen Pläne schließlich zu Fall. Ole von Beust tritt kurz darauf zurück, dann zerbricht Schwarz-Grün. Nicht so angepasste Typen sind in der CDU Hamburg plötzlich gefragt. „Ich bin eben auf der richtigen Seite gewesen“, sagt Karin Prien. Sie wird 2011 doch noch Wahlkreiskandidatin in Blankenese, ihrem Wohnort, und schafft es in die Bürgerschaft.

Hamburger Medien beschreiben sie schnell als sehr ehrgeizig. Sie wird Vize-Chefin der Fraktion, scharfzüngige Debattenrednerin, wird schon als mögliche Bürgermeisterkandidatin gehandelt. Ist der Job in Kiel als Bildungsministerin also nur ein Zwischenstopp? „Nein“, sagt Karin Prien. Der verlange so viel Konzentration und Einarbeitung, dass für andere Dinge sowieso keine Zeit bliebe.

Tatsächlich hatte sie mit Schleswig-Holstein wenig zu tun, bis CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther sie im Frühjahr 2017 in sein Schattenkabinett holte. Mal ein Urlaub mit den Kindern auf den Inseln, auch auf Fehmarn, eine Fortbildung in Lübeck oder Kiel. Ein Besuch bei den Freunden in Kappeln. Jetzt knie sie sich aber gerade mit aller Kraft hinein in all die Themen. Die Wissenschaftsabteilung, zuletzt dem Sozialministerium zugeordnet, kommt wieder ins Bildungsministerium zurück und die Kulturabteilung auch. Daraus wolle sie zunächst ein gemeinsames Haus schmieden, das auch gemeinsam an Themen arbeitet. An der Schnittstelle von Schule und Kultur wünsche sie sich zum Beispiel mehr übergreifende Projekte, ebenso bei der Reform der Lehrerausbildung, die Schul- und Hochschulexperten gemeinsam voranbringen sollten. Und natürlich müsse die Rückkehr der Gymnasien zum G9-Abitur vorangetrieben werden, das sei ja ein zentrales Wahlversprechen gewesen.

Ihr Reisemittel ist das Auto

Viel Arbeit für die neue Ministerin. Eine Wohnung hat sie sich in Kiel schon genommen. „Viele Abende werden lang werden.“ Ganz leicht ist die Entscheidung zum Wechsel daher nicht gefallen. Die Söhne zumal haben von ihrer Mutter jetzt erst mal nicht mehr so viel. Gemeinsame Urlaube können das vielleicht ein wenig ausgleichen. Die Inseln im Norden sind dafür mittlerweile aber passé. Seit zehn Jahren geht es regelmäßig nach Frankreich, in die Provence vor allem. Immer mit dem Auto, wie damals in den 60er und 70er Jahren als Kind mit ihren Eltern – damit auch ihre Kinder „eine Vorstellung vom Reisen bekommen, von der sich wandelnden Landschaft und der sich wandelnden Natur“. Und im Auto hat sie auch Platz für ihre Urlaubsmitbringsel, schöne Tischdecken etwa oder gutes Öl. Es sei einfach die Lebensart dort im Süden Frankreichs, die sie begeistert, sagt Karin Prien, das wundervolle Motto, das auch das ihre ist: „Leben und leben lassen.“

Wolfram Hammer

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