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Norddeutschland Ideales Wetter: Experten warnen vor einer Mückenplage
Nachrichten Norddeutschland Ideales Wetter: Experten warnen vor einer Mückenplage
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20:12 06.06.2017
Mücken stechen, weil sie Proteine für die Eibildung brauchen. Quelle: Fotos: Dpa

/Groß Schenkenberg. Wer nach Feierabend draußen Sport machen, essen oder ein kühles Getränk genießen möchte, der könnte in den kommenden Wochen besonders viel Gesellschaft von surrenden Plagegeistern bekommen. „Mücken haben in diesem Jahr ideale Startbedingungen“, sagt Doreen Walther, Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. „Bei einigen Arten sehen wir jetzt schon die zweite und dritte Generation.“

Wenn das Wetter so bliebe, könne sich die Mückenvermehrung rasend schnell fortsetzen. Dann werde es auch im Sommer deutlich mehr Mücken geben als 2014 und 2015, sagt Walther. Bereits 2016 sei ein gutes Jahr für die Insekten gewesen.

„Im vergangenen halben Jahr waren die Witterungsbedingungen für die Mückenentwicklung günstig“, sagt auch Reinhard Degener vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Insekten liebten wechselfeuchtes Wetter mit viel Wärme, so wie es aktuell im Norden vorherrsche. „Wenn sich nichts ändert, könnten wir ein heftiges Mückenjahr bekommen“, sagt Degener. Noch sei es im Kannenbruch – einem beliebten Brutgebiet von Mücken in seiner Heimat Groß Schenkenberg (Kreis Herzogtum Lauenburg) – aber verhältnismäßig ruhig.

Diese Beobachtung hat auch Ingo Ludwichowski gemacht. „Es sind zwar schon Mücken unterwegs, zurzeit lässt sich aber schwer sagen, ob es ein extremes Jahr wird“, sagt der Geschäftsführer des Nabu in Schleswig-Holstein. Zumal sich die Situation schnell ändern könne. „Wenn es plötzlich komplett trocken bleibt, sind die Mücken sehr schnell wieder weg“, berichtet Degener.

Von den 28 Mückenfamilien, die in Deutschland vorkommen, stechen nur drei zu – und dabei auch jeweils nur die Weibchen. Allerdings splittet sich allein die Familie der Stechmücken in 50 Arten auf.

Das gilt auch für Kriebelmücken. Sie kriechen Spaziergängern gern unter die Kleidung, um zuzustechen. Von den nur wenigen Millimeter großen Gnitzen gibt es 300 Arten. Sie sind vor allem in der Dämmerung unterwegs und piksen oft am Haaransatz.

Im bundesweiten „Mückenatlas“ des ZALF wurden in diesem Jahr bislang 288 Fundorte von Stechmücken registriert. Wissenschaftler erfassen damit das Vorkommen der verschiedenen Arten in Deutschland. Die asiatische Tigermücke sei bisher nur in Baden-Württemberg und Thüringen nachgewiesen worden, berichtet Walther. Die Expertin geht aber davon aus, dass sich die wärmeliebenden Exoten aus Südeuropa in einigen Jahren auch flächendeckend in Deutschland ausbreiten. „Wenn der Klimawandel weitergeht, müssen wir damit rechnen, dass sie auch nach Schleswig-Holstein kommen“, sagt Reinhard Degener.

Generell hätten die Stechmücken aber auch etwas Gutes an sich. „Sie sind die Nahrungsgrundlage für eine große Zahl von Lebewesen, zum Beispiel Schwalben und andere Vogelarten“, berichtet der BUND-Experte. Für sie könnte es daher ein gutes Jahr werden. „Was uns Menschen ärgert, ist für die Tierwelt von Vorteil.“

Janina Dietrich

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