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Im Katamaran in 220 Tagen um die Welt

Lübeck Im Katamaran in 220 Tagen um die Welt

Wolfgang Schulze will als erster Deutscher mit einem Katamaran die Welt umsegeln. Er verwirklicht damit einen großen Traum. Am 15. September geht die Reise los.

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Wolfgang Schulze (48) hat die Route für seine Reise schon genau festgelegt. Rund 32 000 Meilen will er mit seinem Katamaran um die Welt segeln. Er will dabei keinen Zwischenstopp einlegen.

Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Lübeck — Puuh, dieser Mann traut sich was: 32 000 Meilen, ohne Stopp, ganz alleine und auch noch im selbstgebauten Boot. Wolfgang Schulze ist 48 Jahre alt und hat ein außergewöhnliches Abenteuer vor sich. Noch ragt der orangefarbener Mast seines Katamarans an Land in den Himmel. Ein breiter Schatten ruht auf dem Boden. Schauplatz: Die Marina Baltica Werft in Travemünde.

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Wolfgang Schulze (48) hat die Route für seine Reise schon genau festgelegt. Rund 32 000 Meilen will er mit seinem Katamaran um die Welt segeln. Er will dabei keinen Zwischenstopp einlegen.

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„Knud, hast du noch Kleber?“, ruft Schulze. Er versucht Farbe von seinen Händen zu wischen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, Knud Köhnke, legt Schulze letzte Hand an sein Boot. Am 15.

September will er seine Weltumseglung von Cuxhaven aus starten.

„Es ist ein Traum. Ich segle, seit ich sieben Jahre alt bin“, sagt der gebürtige Niedersachse. Nun kann es los gehen. Der Sohn ist aus dem Haus. „Im Herbst zu starten, ist ideal“, erzählt der Segler.

Auf der Südhalbkugel beginne bald der Sommer. Er greift zur Weltkarte. Die Reise führt durch den englischen Kanal, den Atlantik, an Kapstadt vorbei durch den Pazifik und schließlich am Kap Hoorn entlang wieder zurück. „Das Wetter ist dann ruhiger“, erklärt Schulze. Er strahlt. „Ich freue mich aufs unbeschreiblich blaue Meer. Das haut einem den Draht aus der Mütze.“

Bis dahin heißt es: Do it yourself. Einen Katamaran zu kaufen, sei dem Segler zu teuer gewesen. Deshalb hat er unter einem Zelt am Elbdeich selbst begonnen, das Boot zu bauen. Es hat nun eine stolze Länge von 15 Metern, acht Metern Breite und über einem Meter Tiefgang. Zunächst habe er aus Aluminium den Körper zusammengeschweißt. „Ich habe 2004 damit angefangen“, erzählt der passionierte Segler.

In einem Zwischenraum hat er dann die Kabel für die Technik verlegt. Danach wurde der Hohlraum mit Bauschaum ausgespritzt. Zum Schluss habe er Sperrholzplatten verbaut. Schulze, ein großgewachsener, sportlicher Mann macht Mut: „Ich bin Kaufmann und habe so etwas nicht gelernt“. Man brauche nur etwas handwerkliches Geschick, dann könne das jeder. Da fragt man sich, ob so ein Selfmade-Boot-Boot auch etwas taugt. „Wir haben die ,Easy-living‘ getestet“, sagt Schulze. „Im Hafen hat sie oft gezickt und Schwierigkeiten gemacht, auf dem Meer schnurrt sie allerdings wie ein Kätzchen.“

Jeder noch so hartgesottene Segler braucht aber auch einen Platz zum Schlafen. Schulze hat auch beim Innenausbau an alles gedacht. In den beiden Rümpfen des Katamarans befinden sich jeweils zwei Schlafräume mit Schränken und Betten — sogar mit Lattenrost. „Zu jeder Kajüte gehört ein kleines Badezimmer mit Handtuchwärmer, kaltem und warmen Wasser und natürlich einer Toilette“, sagt Schulze stolz. Kein Wunsch bleibt offen: Auf Deck gibt es noch eine gemütliche Sitzecke mit einem großen Tisch. Daneben befindet sich eine mit Holz verkleidete Küchenzeile. „Wir haben sogar einen kleinen Backofen und einen Kühlschrank“, erzählt er. Überraschend:„Auf meiner Reise werde ich schließlich auch kochen.“

Doch was isst ein Segler, der mehr als 200 Tage ohne Zwischenstopp auf dem Meer unterwegs ist? „Das ist gar kein Problem“, sagt Schulze. Morgens gibt es Müsli mit Kombucha-Tee. Mittags esse er dann entweder Obst wie beispielsweise Äpfel oder Gemüse. „Einige Sorten lassen sich gut lagern“, erklärt er. Abends esse er Fisch. „Den werde ich auf der Reise natürlich frisch angeln.“ Was nicht überrascht. Zur Abwechslung habe er noch einen Brotbackautomaten dabei. So gebe es mal ein Brot mit Marmelade oder Nutella, verrät der 48-Jährige schmunzelnd.

800 Liter Frischwasser, einige hundert Liter Diesel, DVDs, Bücher und natürlich einen Notfallkasten — Nicht nur Lebensmittel muss er bei seiner Weltumseglung dabei haben. „Ich werde zusätzlich auch noch Regenwasser mit einer Plane auffangen“, sagt Schulze. Strom gewinne er über einen Windgenerator, ein Solarmodul und einen Schleppgenerator im Wasser. „Ich habe auch ein Satellitentelefon und eine Kurzwellenanlage, um Kontakt zum Festland aufnehmen zu können.“

Ansonsten herrsche bis auf das Rauschen des Meeres überwiegend Stille. „Es gibt ja niemanden zum Unterhalten“, sagt der Segler. Sein Freund Knud Köhnke wollte ihn auf der Reise nämlich nicht begleiten. „Ich glaube, da geht man sich gegenseitig irgendwann ordentlich auf den Keks“, lacht der 49-Jährige.

Über 200 Tage nahezu wortlos — „Das ist kein Ding“, sagt Schulze. Schlimmer sei es, seinen Sohn, die Familie und Freunde zu vermissen. Auf die physischen und psychischen Herausforderungen habe er sich ansonsten nicht vorbereitet. „Keine Zeit. Mein Freund Knud und ich erledigen noch die letzten Arbeiten.“ Allerdings habe er großen Respekt vor den Elementen und sei sich durchaus der Gefahren bewusst. Er rauft sich die Haare. „Ich hoffe, dass ich ein guter Mensch war, Gott mich am Leben lässt und ich heil zurückkomme.“

• Die aktuelle Position von Wolfgang Schulze kann im Internet auf seiner Homepage www.easy-living.net verfolgt werden.

Was ist ein Katamaran?
Die zwei Rümpfe zeichnen den Katamaran aus. Sie sind fest mit dem Tragdeck verbunden. Man unterscheidet generell zwischen drei Typklassen. Das hat mit ihrem Antrieb zu tun: Ruder, Segel und Motor. Im Vergleich zu Einrumpf-Schiffen liegen Katamarane sehr breit und stabil auf dem Wasser. Bei den größeren Modellen kommt es kaum zu einer Schräglage. Da diese Boote keinen Kiel haben, haben sie ein relativ geringes Gewicht. Deshalb können Katamarane sehr schnell werden. Nachteil: Katamarane sind schwerer zu segeln. Außerdem können sie im Gegensatz zu Schiffen mit Kiel kentern.

Kim Meyer

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