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Norddeutschland Im Norden fehlen Schlachthöfe
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20:10 07.07.2018
Gegen Tiertransporte hatte es in Lübeck in dieser Woche eine Protestaktion gegeben. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Kiel

55000 Schweine werden in Schleswig-Holstein pro Woche schlachtreif, schätzt Schweinevermarkter und Tiertransporteur Temme Struck. Nur 20000 können im Land selber geschlachtet werden. Die meisten in einem Groß- Schlachthof in Kellinghusen. In Lübeck, Husum oder Kiel schlossen die Schlachthöfe längst ihre Pforten. Der Preisdruck.

Um gegen diesen Trend anzusteuern, ist der Grüne-Ex-Landtagsabgeordnete Detlef Matthiessen Mitgesellschafter einer kleinen Schlachterei in den Hüttener Bergen geworden. Dort werden die Tiere von Bio-Höfen aus dem direkten Umland verarbeitet. Andere Bio-Erzeugerverbände wie Demeter verpflichten sich, Tiere nur höchstens vier Stunden lang und 50 Kilometer weit zu transportieren. Man habe allerdings auch nur Betriebe mit wenig Schlachttieren, heißt es in der Zentrale in Lüneburg. Diese Tiere würden dann zu kleinen Schlachtereien in der Nähe gebracht – von denen es im Land laut Kieler Verbraucherschutzministerium noch insgesamt etwa 100 gibt.

Matthiessen fordert Förderprogramme des Landes. Sein Grünen- Landtagskollege Bernd Voss erinnert daran, dass von einem von EU, Bund und Land für die Jahre bis 2022 mit elf Millionen Euro gefüllten Fördertopf noch 6,8 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Von diesem Geld könnten auch kleine Schlachtereien gefördert werden. „Die Förderung wird bislang zu wenig nachgefragt“, sagt Voss.

Grund sei wohl auch die Konkurrenz durch die großen Schlachthöfe, die zum Teil mit Billiglöhnen zu Dumpingpreisen schlachten würden.

Derweil ist auch die Zahl der Hausschlachtungen, für die die Metzger auf die Höfe kommen, gering. Angela Dinter vom Verband „ProVieh“ macht sich für diese mobilen Schlachtungen stark. Viele Kreis-Veterinärämter würden das bislang aber unterbinden und die Genehmigungen dafür versagen, sagt die Tierschützerin. Tatsächlich gab es in Schleswig-Holstein 2017 ausweislich der Zahlen des Statistikamtes Nord nur 25 Schweine-Hausschlachtungen. In den Schlachthöfen und Schlachtereien im Land kamen im selben Zeitraum 908000 Schweine zu Tode.

Auch Temme Struck würde es begrüßen, wenn es wieder mehr kleine Schlachtereien gebe. Allein, ihm fehle nach 30 Jahren im Geschäft der Glaube, dass das so einfach funktionieren könne, sagt der Schweinevermarkter. Der Preiskampf sei hart, die Margen für die Schlachthöfe pro Schwein lägen im Cent-Bereich. Nur sehr große Betriebe mit Mehrschichtbetrieb könnten da zurzeit mithalten. Am Ende würde es also doch wieder am Verbraucher liegen: Wäre er bereit, für Fleisch aus kleinen, nah gelegenen Fleischereien auch mehr Geld zu bezahlen? Struck ist skeptisch: „Wir wollen ja alle die Bullerbü-Landwirtschaft – aber bitte nur zu Discounter-Preisen.“

In Schleswig-Holstein gibt es derzeit rund 1,1 Millionen Rinder, davon knapp 400000 Milchkühe und 213000 Kälber. Die Zahl der Schweine beläuft sich auf rund 1,47 Millionen, darunter 688

000 Mastschweine und 359000 Ferkel. Dazu kommen 195000 Schafe.

Das Land exportiert pro Jahr lebende Tiere im Wert von 24 Millionen Euro in andere Bundesländer oder Staaten, darunter Pferde für fünf Millionen und Rinder für vier Millionen Euro. Es werden zudem Fleisch- und Wurstwaren im Wert von 362 Millionen Euro ausgeführt, dazu Milch im Wert von 221 Millionen Euro. Der Wert aller Produkte der Ernährungswirtschaft, die ausgeführt werden, beläuft sich auf 2,4 Milliarden Euro. Davon wird Ware für 1,78 Milliarden Euro in EU-Länder ausgeführt, die meiste Ware nach Dänemark – Wert: 464 Millionen Euro. Es folgt Holland mit 277 Millionen Euro. Geschlachtet wurden im Land 2017 knapp 329000 Rinder, darunter 122000 Milchkühe, und 908000 Schweine. Dazu kamen 133 000 Lämmer, gut 20000 ausgewachsene Schafe, 983 Ziegen und 378 Pferde.

Von Wolfram Hammer

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