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Norddeutschland Im Norden sind die Kitas am teuersten
Nachrichten Norddeutschland Im Norden sind die Kitas am teuersten
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12:45 29.05.2018
„Wir brauchen eine Befreiung einkommens-schwacher Familien", sagt Jörg Dräger Bertelsmann-Stiftung. Quelle: dpa
Kiel

Neun Prozent ihres Nettoeinkommens zahlen Eltern im Norden demnach im Schnitt für die Kita-Betreuung ihrer Kinder. In Berlin etwa zahlen Eltern hingegen nur rund zwei Prozent des Einkommens. Der Grund: In Berlin gibt es für Eltern weitgehend Beitragsfreiheit, nur Randstunden müssen über Zusatzgebühren finanziert werden.

Allerdings finanziert das hochverschuldete und defizitäre Land Berlin die Gebührenfreiheit zu einem großen Teil aus Zuwendungen der Steuerzahler in anderen Bundesländern. Und: Der Personalschlüssel der Kitas ist in Berlin deutlich schlechter. In Baden-Württemberg sei der Personalschlüssel bundesweit der beste, und die Eltern seien mit rund sieben Prozent des Einkommens an der Finanzierung beteiligt.

Die Eltern in Schleswig-Holstein müssten dringend entlastet werden, fordert Markus Potten, Sprecher des Kita-Aktionsbündnisses. Für eine generelle Beitragsfreiheit müssten Kommunen und Länder bundesweit jährlich 5,7 Milliarden Euro aufbringen, rechnet die Stiftung vor. Eine solche Beitragsfreiheit fordert in Schleswig-Holstein auch die SPD-Opposition. Sie solle schrittweise eingeführt werden.

Laut Umfrage sei für die Eltern mehrheitlich allerdings die Qualität der Kita wichtiger, heißt es bei der Bertelsmann-Stiftung. 59 Prozent der Befragten (von 4670 über ein Internetportal und 5800 über Aushänge in Kitas und Annoncen angeworbenen Befragten) seien demnach bereit, für eine bessere Qualität der Betreuung noch höhere Kita-Beiträge zu bezahlen.

Auch 53 Prozent der Eltern unterhalb der sogenannte Armutsrisikogrenze würden für mehr Personal und bessere Ausstattung höhere Beiträge akzeptieren. Zu dieser Gruppe zählten derzeit rund 17 Prozent der Haushalte. Auch von ihnen zahlten zwei Drittel trotz Sozialstaffel Kita-Beiträge und seien dann prozentual bezogen auf ihre Einkünfte sogar doppelt so stark belastet wie Normalverdiener. Stiftungs-Chef Jörg Dräger fordert daher bereits eine „Befreiung einkommensschwacher Familien von Kita-Kosten“. Alleine das würde Kommunen und Länder 730 Millionen Euro kosten.

CDU, Grüne und FDP in Kiel sehen ihren Jamaika-Kurs durch die Studie bestätigt. Man wolle mit der Kita-Reform, die derzeit in seinem Ministerium ausgearbeitet wird, die Elternbeiträge senken und die Kita-Qualität verbessern, sagt FDP-Sozialminister Heiner Garg. Die Spitzenverbände der Kommunen mahnen allerdings schon, dass es zumindest bislang auch das erklärte Ziel dieser Reform gewesen sei, dass die Gemeinden von ihren längst horrenden Kosten für die Kitas entlastet werden.

Garg kann für seine Reform bis 2022 rund eine halbe Milliarde Euro Landesgeld zusätzlich ausgeben, so hat es die Koalition beschlossen. Pro Jahr stünden 60 Millionen Euro für die Entlastung der Eltern, 50 Millionen für die der Kommunen und 70 Millionen Euro für die Qualitätsverbesserung bereit, sagt die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann. Ob das ausreicht, um alle drei Ziele zu erreichen, wird in vielen Kommunen bezweifelt. Die SPD-Politikerin Serpil Midyatli urteilt bereits, Jamaika fehle der Reformeifer.

Von Wolfram Hammer

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