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Norddeutschland Immer mehr Apotheken im Norden geben auf
Nachrichten Norddeutschland Immer mehr Apotheken im Norden geben auf
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20:47 12.03.2016

Überbordende Bürokratie vergällt den Spaß am Geschäft. Versand-Apotheken im Internet greifen ein Teil des Kuchens ab. Billigketten attackieren die traditionelle Apotheke. Und der Markt konsolidiert sich.
Gab es vor sieben Jahren noch 739 Apotheken im Land, sind es inzwischen nur noch 678. Bereits in diesem Jahr haben acht Apotheken im Norden aufgegeben. Der Trend, dass es einem Drittel der Apotheker wirtschaftlich schlecht gehe, werde sich noch fortsetzen, prognostiziert Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein als Aufsichtsbehörde. Und zählt die Gründe auf: Die Erträge seien nicht mit den Kosten gewachsen. Großhandelsrabatte seien nennenswert zurückgefahren worden. Gerade in Großstädten wie Lübeck tobe ein Kampf um Patienten mit Rezepten. Damit machen Apotheken rund 80 Prozent ihres Umsatzes.
Angesichts dieser Entwicklung verliere der Apotheker-Nachwuchs das Vertrauen in die Selbstständigkeit. Schließlich würden bei Übernahme eines Geschäfts erklägliche Ablösesummen fällig. Gleichzeitig locke die Pharma-Industrie mögliche Nachfolger mit lukrativen Stellen. „Wer will da noch Apotheker werden?“, fragt Jaschkowski, der auch eine überbordende Bürokratie kritisiert: Apotheker würden sich heutzutage leider mehr Zeit mit Rabatt- und Lieferverträgen herumschlagen müssen als sich mit der Beratung des Kunden beschäftigen können.
8,35 Euro verdienen Apotheker an der Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments, egal wie teuer es ist. Obendrauf kommen drei Prozent vom Einkaufspreis. „Die Honorierung ist über viele Jahre unverändert geblieben“, beklagt Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbands Schleswig-Holstein, einem freiwilligen Zusammenschluss der Branche. Zuletzt gab’s eine Mini-Anpassung von 15 Cent. Gleichzeitig aber seien Kosten für Personal und Miete im Laufe der Jahre gestiegen.
Die Demografie tut ihr Übriges. „Wenn ein alter Landarzt aufhört und keinen Nachfolger findet, kann der Apotheker auf dem Dorf auch gleich aufgeben“, spricht Gerhard Wandel, Apotheker in Groß Grönau (Kreis Herzogtum Lauenburg), von einer Schicksalsgemeinschaft. Jeder dritte Apotheker im Norden ist älter als 60 Jahre.
Der Einfluss des Versandhandels macht der Apothekerzunft ebenfalls zu schaffen. Das Internet- Geschäft wachse zwar nur im nicht-verschreibungspflichtigen Bereich. „Das Internet nimmt aber schon schmerzhaft Umsatzanteile weg“, bestätigt Friedrich.
Nicht bestritten wird die Tendenz zur Konsolidierung des Marktes. Gerade in Städten mit Apotheken an beinahe jeder Ecke habe es in vergangenen Jahren möglicherweise ein Überangebot gegeben. „Bedauerlich ist, dass Apotheken nun auch und gerade in Kleinstädten verschwinden“, sagt Friedrich.

Von Curd Tönnemann

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