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Immer weniger Schmetterlinge und Käfer: Wer ist schuld?

Lübeck/Krefeld Immer weniger Schmetterlinge und Käfer: Wer ist schuld?

Die Zahl der Insekten ist in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75 Prozent zurückgegangen. Mit ihnen sterben auch die Vögel. Naturschützer machen die intensive Landwirtschaft verantwortlich. Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert eine genaue Ursachenanalyse.

Schmetterlinge wie etwa das Tagpfauenauge sind in den vergangenen Jahren selten geworden.

Quelle: Foto: Martin Schutt/dpa

Lübeck/Krefeld. „Ein Schwund wurde bereits lange vermutet, aber er ist noch größer als bisher angenommen“, sagte Caspar Hallmann von der Radboud University in Nijmegen in den Niederlanden. Er hatte Daten ausgewertet, die seit 1989 von ehrenamtlichen Insektenkundlern in Deutschland zusammengetragen worden waren. Diese hatten in insgesamt 63 Gebieten in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit Hilfe von Fallen Fluginsekten gesammelt und deren Masse bestimmt. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin „Plos One“ veröffentlicht.

LN-Bild

Die Zahl der Insekten ist in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75 Prozent zurückgegangen. Mit ihnen sterben auch die Vögel. Naturschützer machen die intensive Landwirtschaft verantwortlich. Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert eine genaue Ursachenanalyse.

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Gründe für den Insektenschwund könnten der Einfluss von Klimafaktoren, die landwirtschaftlichen Nutzung oder auch bestimmte Lebensraumfaktoren sein. Eine eindeutige Erklärung gibt es bisher nicht.

„Pestizide als Ursache sind am wahrscheinlichsten“, meint Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Schleswig-Holstein. Denn es seien nicht nur einzelne Arten verschwunden, sondern ganze Artengruppen. Heuschrecken, Käfer und Schmetterlinge seien kaum noch anzutreffen. Der Gift- und Düngemitteleinsatz müsse dringend reduziert werden. Stickstoff aus Landwirtschaft und Verkehr schade der Natur.

Mit den Insekten verschwinden die Vögel. „60 Prozent von ihnen sind Insektenfresser“, so Ludwichowski. Nach Berechnungen des Nabu sind innerhalb von zwölf Jahren 12,7 Millionen Brutpaare verlorengegangen. Ein Minus von 15 Prozent. Nabu-Präsident Olaf Tschimpke spricht von einem „regelrechten Vogelsterben“. Zwar schaffe man es, große und seltene Vogelarten durch gezielten Artenschutz zu erhalten. „Aber gleichzeitig brechen die Bestände unserer Allerweltsvögel ein.“ Sie fänden in der heutigen aufgeräumten Agrarlandschaft außerhalb von Naturschutzgebieten keine Überlebensmöglichkeiten mehr. Besonders betroffen seien unter anderem der Haussperling (minus 22 Prozent) und der Star (minus 42 Prozent).

Die Grünen nennen das Artensterben der Insekten und Vögel „alarmierend“. Nicht alle Ursachen sind bekannt, sagt deren Umweltexpertin Marlies Fritzen, aber es sei hinreichend belegt, dass die intensive Landwirtschaft mit ihrem hohen Pestizid- und Düngeeinsatz einen wesentlichen Anteil daran habe. Sie fordert eine Agrarwende: Nicht das „immer mehr und immer intensiver“ sei zu fördern, sondern eine naturverträgliche Landwirtschaft, sagt Fritzen.

Der Bauernverband indes verlangt eine genaue Ursachenanalyse. „Allein am Pflanzenschutz kann es nicht liegen, schließlich haben wir seit 1989 nicht so viel geändert“, erklärt Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Bauernverbandes in Rendsburg. Wissenschaftliche Aussagen legten eher die Vermutung nahe, dass bestimmte Lebensräume fehlen. „Insekten brauchen Bodenwärme.“ Es fehlten trocken-warme, extensive Standorte, meint Gersteuer.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) kündigte für das kommende Jahr eine Strategie „Biologische Vielfalt“ an, durch die mehr Blühstreifen und Hecken geschaffen werden sollen. „Neben der direkten Gefährdung durch Pflanzenschutzmittel gibt es insgesamt zu wenig Vielfalt auf den Äckern.“

Hummeln, Honigbienen und Wildbienen sind als Bestäuber wichtig für viele Pflanzen. Werden Nutzpflanzen nicht mehr regelmäßig angeflogen, entstehen der Landwirtschaft große Verluste. Zudem vertilgen bestimmte Insekten wie Laufkäfer Pflanzenschädlinge.

 Von Julia Paulat

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