Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland In Schleswig-Holstein halten die Bufdis länger durch
Nachrichten Norddeutschland In Schleswig-Holstein halten die Bufdis länger durch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 26.05.2018
Kein Gedanke an Aufgabe: Lotta Brüggmann (19), Bufdi bei der Marli GmbH in Lübeck, ist glücklich. Quelle: Foto: Felix König
Kiel/Köln

Jeder dritte Bufdi bricht vorzeitig seinen Dienst ab. Erfreulich: In Schleswig-Holstein ist es immerhin nur jeder Fünfte. Das geht aus Zahlen der Bundesregierung und des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Bafza) in Köln hervor. Offenbar hat diese Entwicklung weniger mit nachlassender Begeisterung für das soziale Engagement zu tun, als vielmehr mit neuen Angeboten, die sich für die zumeist jungen Leute auf einem fast leergefegten Arbeitsmarkt auftun. „Wir wissen aus der praktischen Erfahrung, dass Vereinbarungen besonders dann beendet werden, wenn die Freiwilligen schneller als erwartet ihren Studien- oder Ausbildungsplatz erhalten“, sagt Bafza-Sprecher Peter Schloßmacher. Viele Bufdis sicherten sich zunächst die Option auf ein ganzes Dienstjahr, ohne genau zu wissen, wie lange sie tätig sein möchten.

Bei Organisationen unter dem Dach des Paritätischen Schleswig-Holstein hatten zuletzt binnen eines Jahres 74 von 285 Bufdis vorzeitig aufgehört. „Der weitaus größte Teil hat seinen Dienst in den letzten drei Monaten aus privaten Gründen abgebrochen“, berichtet Sprecher Jan Dreckmann. Unzufriedenheit sei von den Abbrechern dabei selten als Grund angegeben worden. Die Politik sieht deshalb keinen Grund, die Alarmglocke zu läuten. Statistisch wurden die Gründe für ein vorzeitiges Ausscheiden bisher offiziell nicht erhoben.

Jedes Jahr treten deutschlandweit zwischen 45000 und 48000 Männer und Frauen einen Bundesfreiwilligendienst an, in Schleswig-Holstein sind aktuell 1526 Bufdis tätig, davon sind 90 Prozent jünger als 27 Jahre, der weibliche Anteil ist höher als der männliche. Seit den Anfängen des Freiwilligendienstes im Juli 2011 und März 2018 hatten von bundesweit 307372 Freiwilligen knapp 100

000 vorzeitig aufgehört. Im nördlichsten Bundesland beendeten im vergangenen Jahr nach Behördenangaben 20 Prozent ihren Dienst vor dem ursprünglich vereinbarten Ende. Der Bundesfreiwilligendienst war zum 1. Juli 2011 als Ersatz für den gemeinsam mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst geschaffen worden.

Bufdis werden von Unternehmen und Vereinen liebend gern eingestellt, sind sie in sozialen, ökologischen und kulturellen Einrichtungen willkommene Ergänzung angesichts fehlenden Personals. Allein der Paritätische Schleswig-Holstein, Dachverband von 500 gemeinnützigen Organisationen, meldet 215 unbesetzte Stellen, 21 davon entfallen auf Lübeck. So suchen in der Hansestadt unter anderem die Marli GmbH, der Kinderschutzbund, die Kita des Studentenwerks und die Vereine „Kunterbunte Kinderkiste“, „Kleine Strolche“, „Sprungtuch“ und die Alzheimer-Gesellschaft Bufdis.

Ein Bufdi, der seinen Platz bei der Marli GmbH in Lübeck bekommen hat, ist Lotta Brüggmann. Sie sei in ihrer Tätigkeit sehr glücklich, berichtet die 19-Jährige. Seit August des vergangenen Jahres begleitet sie Menschen mit Handicap in deren Alltag und bei der Arbeit. Ob die Entgegennahme von Kundenaufträgen oder eine aktive Hilfestellung in der Druckwerkstatt – die Aufgaben seien vielfältig.

„Es bringt mir großen Spaß und ich bin sehr traurig, wenn meine Zeit hier zu Ende geht“, erzählt Brüggmann sichtlich gerührt von der Dankbarkeit der betreuten Menschen.

Zum Bundesfreiwilligendienst sei sie gekommen, um nach der schulischen Ausbildung „erst einmal über den Tellerrand hinauszuschauen“. Die bundesweit hohe Abbruchrate von Bufdis versteht die 19-Jährige nicht. „Vielleicht merken viele, dass es nicht das Richtige für sie ist, oder sie haben eine Ausbildung gefunden.“ Die Marli GmbH hätte Lotte Brüggmann nach ihrer Zeit als Bufdi gerne fest engagiert.

Doch auch Lotta Brüggmann hat bereits einen Ausbildungsplatz in der Tasche.

Für Frauen und Männer jeden Alters offen

Der Bundesfreiwilligendienst richtet sich an Frauen und Männer jeden Alters, die sich ehrenamtlich für das Allgemeinwohl einsetzen wollen. Der Dienst kann sechs bis 18 Monate dauern. Die meisten Bufdis verpflichten sich für ein Jahr. Die Freiwilligen erhalten in den alten Bundesländern ein monatliches Taschengeld von im Schnitt 278 Euro. Darüber hinaus können die Einsatzstellen Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung zur Verfügung stellen oder entsprechende Geldersatzleistungen auszahlen. Bufdis sind gesetzlich kranken-, renten-, pflege-, unfall- und arbeitslosenversichert.

Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil werden von der Einsatzstelle gezahlt.

Curd Tönnemann und Florian Pieth

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn Marty McFly das gewusst hätte! Die Hauptfigur aus dem Film „Zurück in die Zukunft II“ beging ein nach heutigen Maßstäben nahezu unerhörtes Verbrechen: Er benutzte ...

26.05.2018

Auf der Jagd nach fehlenden Panini-Stickern haben sich am Samstag Hunderte Sammler unter freiem Himmel zum Tauschen getroffen. Bei der Börse in Hamburg-Fuhlsbüttel kamen bei strahlendem Sonnenschein mehr als 300 Leute, um doppelte WM-Sticker loszuwerden und im Gegenzug das eigene Heft vollzubekommen.

26.05.2018

Die neuen Probleme im Bahnverkehr zwischen Hamburg und Sylt kommen zur Unzeit. Wegen der zu Ende gehenden Ferien in Nordrhein-Westfalen sind vor allem die Wartezeiten in Westerland lang. Tagestouristen müssen am Wochenende genau schauen, ob ihr Zug fährt.

26.05.2018