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„In die Fresse“? Nahles’ Wortwahl eckt an

Berlin/Lübeck „In die Fresse“? Nahles’ Wortwahl eckt an

Vulgär oder gerade heraus auf rheinische Art? „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“ kündigte die neue SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles am Mittwoch kurz nach ihrer Wahl in Berlin an. Im Norden hat man für diese Wortwahl kaum Verständnis.

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Quelle: Fotos: Luisa Jacobsen (3), Fotolia

Berlin/Lübeck. Die künftige Regierung muss sich offenbar warm anziehen: Erst kündigt AfD-Chef Alexander Gauland am Abend der Bundestagswahl an, Angela Merkel und ihre Union „jagen“ zu wollen. Und jetzt sollen sie auch noch von den Sozialdemokraten „in die Fresse“ bekommen. So zumindest hatte sich die neue SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles am Mittwoch geäußert – und zwar vor den Kameras des ZDF, das den Auftritt anschließend im „heute journal“ zeigte. Gestern, nachdem ihre Wortwahl bereits heftige Kritik in den sozialen Medien ausgelöst hatte, ruderte sie dann zurück: Ein Scherz sei das gewesen.

LN-Bild

Vulgär oder gerade heraus auf rheinische Art? „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“ kündigte die neue SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles am Mittwoch kurz nach ihrer Wahl in Berlin an. Im Norden hat man für diese Wortwahl kaum Verständnis.

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Doch gesagt ist gesagt – und im Norden bekommt Nahles nur wenig Zuspruch.

Im Kieler Parlament hätte eine solche Aussage in einer Rede leicht zu einem Ordnungsruf geführt, mindestens aber zum Hinweis des Präsidenten, dass dieser „Sprachgebrauch unparlamentarisch ist“, heißt es aus der Landtagsverwaltung. Und auch der durchaus mal streitbare SPD-Fraktionschef und Bundesvize seiner Partei, Ralf Stegner, will Nahles nicht beispringen. Ihre Äußerung wolle er nicht überbewerten, weil sie im Kabinett auch von den anwesenden CDU-Kollegen als Scherz aufgefasst worden sei. Andererseits hätte er diese Worte auch im Scherz nicht gewählt. „Das ist ihr rheinischer Humor, und Humor ist Ansichtssache“, sagt Stegner. Und: „Ich bin kein Rheinländer.“

Gar nicht zum Lachen zumute ist auch Andreas Zander, Mitglied der CDU-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft: „Diese Aussage ist einer SPD-Spitzenkraft absolut nicht angemessen“, sagt er. Wenn die Sozialdemokraten mit solcher Wortwahl Wähler zurückgewinnen wollten, habe er große Sorge um das Niveau der deutschen Politik und fürchte, dass noch mehr Menschen in die Hände von Populisten getrieben würden.

Anders sieht das sein Kollege Peter Reinhardt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Lübecker SPD. Man müsse auch nicht überall „den Mantel der Liebe drüber hängen“, sagt Reinhard. „Es wünschen sich doch immer alle richtige Auseinandersetzungen, dann kann man auch mal eine derbere Ausdrucksweise wählen.“

Also: „In die Fresse“, das wird man doch nochmal sagen dürfen? „Nein“, finden die Bürger auf Lübecks Straßen. „Unter Freunden kann man so eine Formulierung vielleicht scherzhaft nutzen, aber in der Öffentlichkeit finde ich das nicht gut“, sagt Marvin Evers (20). Florentina Wohlberg (71) und Sabine Vetter (66) bezeichnen Nahles’ Wortwahl gar als „Gossensprache“. „Von einer Politikerin erwarte ich besser gewählte Worte“, sagt Wohlberg. Sie und Vetter finden: Wer sich für eine gewaltfreie Gesellschaft einsetze, der sollte auch eine gewaltfreie Sprache pflegen. Und Wolfgang Schmidt (70) sagt: „Mich stößt so eine Ausdrucksweise ab, eine Politikerin hat auch eine Vorbildfunktion.“

Von Luisa Jacobsen und Wolfram Hammer

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