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Norddeutschland Ideen für die Ernährung von morgen
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19:42 12.09.2018
Jo Goossens gehörte zu den Referenten beim FoodRegio-Kongress in Lübeck. Quelle: Foto: OLAF MALZAHN
Lübeck

Eine Idee sorgt in der Ernährungswirtschaft derzeit für Furore: Personalisierte Ernährung. Was es damit auf sich hat, und vor allem, wie eine Ernährungsform, die auf den einzelnen Menschen individuell zugeschnitten sein muss, aussieht, darum ging es am Mittwoch beim „Newtrition Innovationsgipfel“ in den Media Docks.

„Das Interesse ist riesengroß“, sagte Susanne Köhler, Projektmanagerin von „FoodRegio“. 150 Teilnehmer aus Europa und selbst Übersee kamen in die Hansestadt. Es war europaweit der erste Kongress, bei dem sich Wissenschaftler, Technologie-Anbieter und Rohstoffhersteller sowie Vertreter aus Industrie und Handel einer neuen Ernährungsform widmeten. Die Moderation des Tages hatte Professorin Yong-Seun Chang-Gusko, Inhaberin des Lehrstuhls Gesundheit und Soziales am Hochschulzentrum Hamburg.

Einen Blick zurück in die Anfänge des Essens wagte Peter Brabeck-Letmathe, Ex-Konzernchef des weltgrößten Nahrungsmittelriesen Nestlé. „Köche machen aus ungenießbaren Zutaten erst essbare Kost“, machte Brabeck-Letmathe am Beispiel von Kartoffeln deutlich. „Wir sind keine Rohkostesser“, sagte der Nestlé-Mann. „Die Zukunft liegt in einer effizienten und qualitativ hochwertigen Nahrungsmittelbranche.“ Die wichtigste Aufgabe aber sei es, künftig neun bis zehn Milliarden Menschen auf dieser Erde gesund zu ernähren. „Das ist eine große Herausforderung und hat sich in den Köpfen unserer Politiker leider noch nicht breitgemacht“, kritisierte Brabeck-Letmathe. Kritisch äußerte sich auch Manfred J. Müller, Professor für Humanernährung und Lebensmittelkunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Müller beleuchtete die Anfänge der „inzwischen als überholt“ geltenden Ernährungsrichtlinien. Zugleich rief er dazu auf, den heutigen, vielfach propagierten Ernährungsempfehlungen nicht blindlings zu folgen. „Die Versprechen werden oft nicht eingehalten“, sagte Müller. „Die Ernährung ist keine Wundertüte“, mahnte der Experte. „Die Forschung muss neue Wege gehen, denn die krankmachenden Ernährungsprobleme der Menschen sind bislang nicht gelöst“, wobei laut Müller auch ökonomische und gesellschaftliche Faktoren „einen viel stärkeren Einfluss auf die Gesundheit haben als bisher angenommen“. Ähnlich zurückhaltend äußerte sich Asklepios-Konzernbereichsleiter Rudi Schmidt: „Wir trauen uns nicht, personalisierte Ernährung anzubieten.“ Die neue Ernährungsform bezeichnet Schmidt zwar als „eine richtige Richtung“, indes fehle es noch zu sehr an verlässlichen Daten. „Wir wissen fast nichts“, so Schmidt. Wie sich die Darmflora auf die Gesundheit des Menschen auswirkt, erklärte Professor Karsten Kristiansen von der Uni Kopenhagen. Er gab einen komplexen Einblick in die Materie. „Wir kennen heute aber nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Kristiansen. „Wir stehen erst am Anfang einer biotechnologischen Revolution, die weitreichende Folgen für den Arzneimittelsektor und die Lebensmittelindustrie haben wird.“

Rüdiger Jacob

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