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Norddeutschland Sorge um das deutsch-dänische Verhältnis wegen des Zauns
Nachrichten Norddeutschland Sorge um das deutsch-dänische Verhältnis wegen des Zauns
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17:28 16.03.2019
Flemming Meyer, Parteivorsitzender des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW). Quelle: dpa
Flensburg

Interview mit dem Parteivorsitzenden des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW), Flemming Meyer (67). Er ist auch Mitglied des Umweltausschusses im Kieler Landtag.

Stört Sie der Schweinezaun?

Ja, wir als dänische Minderheit haben große Bedenken. Zunächst mal: Im Umweltausschuss des Landtags haben wir uns ja auch mit der Afrikanischen Schweinepest beschäftigt, und aus fachlicher Sicht bringt der Zaun nichts. Das ist Symbolpolitik, es geht darum, dass die dänischen Politiker ein Zeichen für die Abnehmer von Schweinefleisch setzen wollen, dass etwas geschieht. Die Abnehmer sitzen zum Beispiel in Japan. Man unterstellt den Japanern, dass sie das nicht durchschauen, was unwahrscheinlich ist. Aber es geht auch noch um ganz andere Sachen, und die betreffen uns Anwohner hier in der Grenzregion. Da liegt uns der Zaun schwer im Magen.

Was ist daran so schlimm?

Seit Jahren haben wir uns für grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingesetzt. Als die Grenze noch undurchlässig war, gab es in ihrer Nähe kein Wachstum. Dabei liegen wir zwischen der Metropolregion Hamburg und dem sogenannten Trekantområdet (Dreiecksgebiet) zwischen den süddänischen Städten Kolding, Vejle und Fredericia. Wir haben viel gemacht, um aus der Grenzlinie eine Verbindungslinie zu machen. Wir haben versucht, Barrieren abzubauen, es gibt ja nicht nur die unterschiedliche Sprache, sondern auch unterschiedliche Gesetze.

So wurde ein deutsches Zertifikat für einen Gabelstaplerfahrer in Dänemark nicht anerkannt und umgekehrt. Noch schlimmer sind die Barrieren in den Köpfen gewesen. Nachdem wir einen grenzüberschreitenden Notarztdienst geschaffen hatten, erklärten Dänen, dass sie nicht in deutschen Krankenhäusern behandelt werden wollten. Da ist seither viel passiert. Wir haben Barrieren abgebaut, nun wird eine neue errichtet. Das ist ein vollkommen falsches Signal. Es soll nur Leuten in Dänemark gefallen, die meinen, dass man sich als Nationalstaat abschotten soll.

Wie ist denn das Echo in Ihrer Region?

Ich habe hier noch niemanden gefunden, der gesagt hat, der Zaun ist gut oder wir brauchen ihn. Viele glauben, dass der Zaun Ausländer oder Flüchtlinge davon abhalten soll, die Grenze zu überqueren. Obwohl die dänischen Politiker das abstreiten, hier wird das so wahrgenommen.

Haben Sie eigentlich auch einen dänischen Pass?

Nein, nur einen deutschen, aber ich bin Däne. Ich bin Teil der dänischen Minderheit, bei uns zu Hause wurde nur dänisch gesprochen. Neuerdings wäre es möglich, auch einen dänischen Pass zu bekommen. Aber ich will das nicht, ich brauche es nicht. Wissen Sie, in meinem Garten weht eine dänische Fahne, und kein Mensch hat etwas dagegen. Aber dieser Zaun stellt das gute Verhältnis, das wir hier über Jahre aufgebaut haben, in Frage. Durch eine solche Maßnahme kann es sich nur verschlechtern.

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Marcus Stöcklin

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