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Norddeutschland Jeder Zweite hat Angst davor, Erste Hilfe zu leisten
Nachrichten Norddeutschland Jeder Zweite hat Angst davor, Erste Hilfe zu leisten
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21:38 06.10.2018
Erste Hilfe rettet Menschenleben. Doch nicht alle trauen sich. Quelle: Fotolia
Lübeck

Erste Hilfe kann Leben retten – dennoch schrecken viele Menschen davor zurück. Der Grund: Unsicherheit. Dies ergab jetzt eine bundesweite Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Toluna im Auftrag der Asklepios-Kliniken. 1000 volljährige Deutsche wurden über ihr Verhalten bei Not- und Unfällen befragt. Den Angaben zufolge fehlt es den meisten Menschen nicht an Hilfsbereitschaft, sondern am nötigen Fachwissen.

So gaben 76 Prozent der Befragten an, sie seien schon einmal bei einem Notfall stehen geblieben und hätten Hilfe angeboten. Nur 50 Prozent davon leisteten tatsächlich Erste Hilfe. Handelt es sich um Schwerverletzte, trauen sich lediglich 48 Prozent zu, sofortige Hilfe zu leisten.

Reportage zum Thema: Zu Besuch in der Johanniter-Unfall-Hilfe in Lübeck

Wissenslücken sind oft groß

„Es gibt große Wissenslücken zum Verhalten bei schweren Unfällen oder Notfällen, während das Interesse, zuzuschauen oder gar Fotos oder Videos zu machen, sehr hoch ist“, sagt Thomas Wolfram, der Konzerngeschäftsführer der Asklepios-Kliniken. Die Studie bestätigt: 72 Prozent sind froh, wenn sie selbst nicht helfen müssen, weil es schon jemand anderes tut. Zudem gingen 38 Prozent bereits zu einem Unfall, nur um zu schauen. Zehn Prozent der 18- bis 39-Jährigen machten schon einmal ein Foto oder Video von einer Unfallsituation.

Klicken Sie hier, um wichtige Tipps zu sehen, wie Sie bei einem Verkehrsunfall Erste Hilfe leisten können.

Viele Ersthelfer haben Angst, Fehler zu machen

David Klüver (51), Ausbildungsleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe Lübeck, sagt, dass Ersthelfer meist befürchten, den Zustand des Opfers zu verschlimmern. Zudem hätten viele die Sorge, selbst gefährdet zu werden, zum Beispiel durch den Kontakt mit fremdem Blut. Bei den Erste-Hilfe-Kursen der Johanniter wird den Teilnehmern erklärt, was ein Ersthelfer überhaupt leisten kann.

„Wir wollen keine kleinen Notärzte ausbilden“, sagt Klüver. In erster Linie sollen die Besucher ihre Hemmungen ablegen. Klüver beteuert: „Wenn sie rausgehen und sich sicher fühlen, haben wir gewonnen.“

Christine Schulze-Grotkopp vom Kieler Gesundheitsministerium erklärt, dass es bei Erster Hilfe insbesondere darum geht, die Zeit zwischen der Verständigung des Notrufes bis zum Eintreffen der Sanitäter zu überbrücken. In dieser Situation sollte jeder Erste Hilfe leisten.

Besuch in einem Erste-Hilfe-Kursus

Für Ulf Evert, Pressesprecher des ADAC Schleswig-Holsteins, ist klar: „Erste Hilfe ist Pflicht. Wer nichts macht, verstößt gegen das Gesetz.“ Der Beteiligte kann in diesem Fall mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe wegen „unterlassener Hilfeleistung“ rechnen.

Der ADAC und das Ministerium raten dazu, die eigenen Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen, um in Unfallsituationen angemessen reagieren zu können. „Man sollte immer versuchen, das zu tun, was man tun kann und das ist eigentlich ganz einfach“, erklärt Evert.

Hier gibt es Erste-Hilfe-Kurse

Den passenden Erste-Hilfe-Kurs finden Sie unter anderem hier:

Malteser Hilfsdienst: www.malteser-luebeck.de

Sanitätsschule Nord: www.sanitaetsschulenord.de

Johanniter-Unfall-Hilfe: www.johanniter.de

Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Lübeck: www.drk-luebeck.de

Arbeiter-Samariter-Bund: luebeck.asb-sh.de

Die Kosten für die Teilnahme liegen zwischen 30 und 35 Euro pro Kurs.

Rabea Osol

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