Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Probleme mit jedem zweiten Zug im Norden
Nachrichten Norddeutschland Probleme mit jedem zweiten Zug im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 11.01.2019
Eine Anzeigetafel im Hamburger Hauptbahnhof: Im Norden gibt es viele Zugverspätungen. Quelle: dpa
Berlin/Kiel

Auch wenn die Witterungsverhältnisse im Norden derzeit nicht so chaotisch sind wie im schneegeplagten Süden Deutschlands, ist die Zuverlässigkeit der Bahn in Schleswig-Holstein weiter gesunken. Im Zeitraum Oktober 2017 bis Oktober 2018 war im Fernverkehr nicht einmal die Hälfte der Züge störungsfrei und pünktlich unterwegs. Und im Nahverkehr übersteigt die Zahl der Schäden pro Tag sogar deutlich die Anzahl der eingesetzten Schienenfahrzeuge. So lautet das Fazit einer Antwort des Regierungsbeauftragten für den Bahnverkehr, Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU), auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ingrid Nestle, die einst Staatssekretärin im Kieler Umweltministerium war.

Nach Angaben des Berliner Verkehrsministeriums sank der Anteil von ICE, die störungsfrei im Norden unterwegs waren, von 35 Prozent im Oktober 2017 auf 23 Prozent im Oktober des vorigen Jahres. Im September war nur jeder fünfte ICE ohne Störungen unterwegs. Etwas besser, wenn auch keinesfalls zufriedenstellend, war die Bilanz bei den IC, von denen zwischen 46 und 48 Prozent störungsfrei unterwegs waren. Nestle sagte den LN: „Der desolate Zustand deutscher Züge macht auch vor Schleswig-Holstein nicht Halt. In einem Zeitraum von zwölf Monaten ist es im Fernverkehr nicht gelungen, zumindest die Häfte der Züge störungsfrei bereit zu stellen. Mehr als nachdenklich stimmt auch die Situation im Nahverkehr.“ Und für „indiskutabel“ hält die Grünen-Politikerin, dass die Bahn durchschnittlich 72 Stunden bis zur Behebung von Störungen benötige. Drei Tage für die Reparatur einer defekten Tür, einer verstopften Toilette, der Klimaanlage oder von Sitzen und Beleuchtung seien „alles andere als fahrgastfreundlich“, monierte Nestle.

Auch im Norden hat die Bahn die selbst gesteckten Pünktlichkeitsziele klar verfehlt. Auf zentralen Strecken zwischen Flensburg sowie Kiel und Hamburg waren nur zwischen 69 und 75 Prozent der Züge pünktlich. Als Hauptursachen nannte die Bahn Bauarbeiten, Infrastruktur oder Ereignisse von außen, wie Unwetter oder Unfälle. Besonders gebeutelt waren die Fahrgäste um Lübeck, wo die Bahn zahlreiche Regio-Verbindungen gestrichen und Ersatzverkehr eingerichtet hatte. Der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) ist extrem erbost. Mehrwöchige Streichungen von Zugverbindungen seien für das Land nicht akzeptabel. Den LN sagte er gestern: „DB Regio bekommt von uns im Jahr 120 Millionen Euro, da erwarte ich natürlich eine ordentliche Qualität. Bei allem Verständnis für die Größe der Herausforderung: Die Pünktlichkeit war und ist so nicht akzeptabel. Das wird DB Regio auch künftig im Geldbeutel spüren. Nicht gelieferte Leistungen werden grundsätzlich auch nicht vergütet.“

Für die Grünen-Abgeordnete Nestle steht fest, das bisherige Personalmanagement der DB Regio rächt sich auch im Norden. Es fehlten etwa 30 Lokführer. „Für die Zukunft brauchen die Nord-Züge mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen – auch im Servicebereich. Wenn die Bahn zum attraktivsten Verkehrsmittel werden will, muss sie auch ein attraktiver Arbeitgeber sein“, verlangte die Elmshornerin. Für kommenden Dienstag hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den gesamten DB-Vorstand zur Krisensitzung in sein Ministerium bestellt.

Reinhard Zweigler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Norddeutschland Landeshaushaltsabschluss 2018 - 1,9 Milliarden Euro neue Schulden

Schleswig-Holstein hat 2018 einen Überschuss von 520 Millionen Euro erwirtschaftet. Weil die Altschulden der HSH Nordbank übernommen werden müssen, wird er allerdings völlig aufgefressen, es mussten sogar 1,9 Milliarden Euro neue Schulden gemacht werden.

11.01.2019

Tierbabys, Eis-Erfrischungen im Sommer, Tiere bei der Inventur: In den letzten Jahren haben wir zahlreiche spektakuläre Aufnahmen in Hagenbecks Tierpark in Hamburg gemacht. Klicken Sie hier, um sie alle zu sehen.

11.01.2019
Norddeutschland Rückschlag aus Flensburg - SH-Semesterticket auf der Kippe

Das in Schleswig-Holstein geplante landesweite Semesterticket steht auf der Kippe. Das Studierendenparlament der Hochschule Flensburg hat einen entsprechenden Vertrag am Donnerstag abgelehnt, wie Jonas Kratzke aus dem Parlamentsvorstand sagte.

11.01.2019