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Norddeutschland Jedes siebte Kind im Norden ist auf Hartz IV angewiesen
Nachrichten Norddeutschland Jedes siebte Kind im Norden ist auf Hartz IV angewiesen
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06:59 01.06.2016
Jedes siebte Kind in Schleswig-Holstein ist inzwischen auf Hartz-IV-Hilfsleistungen angewiesen.  Quelle: dpa
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Berlin/Kiel

Jedes siebte Kind in Schleswig-Holstein ist inzwischen auf Hartz-IV-Hilfsleistungen angewiesen. Wie jetzt aus veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Bundestagsfraktion der Linken zum Internationalen Kindertag hervorgeht, leben im Norden 55 323 Personen unter 15 Jahren von staatlichen Hilfsleistungen – 1274 mehr als 2014.

Schleswig-Holstein bildet mit einer Quote von 14,9 Prozent allerdings keine Ausnahme. Laut BA ist die Zahl der von Armut bedrohten Kinder 2015 bundesweit gestiegen – um 33712 oder 2,2 Prozent auf 1,54 Millionen. Damit sind 14,4 Prozent der Hartz-IV-Bezieher in der Republik Kinder. Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Sind in Bayern nur 6,5 Prozent der Kinder auf staatliche Hilfe angewiesen, liegen Bremen und Berlin mit 31,5 Prozent auf den ersten Plätzen der Negativ-Liste. Jedes dritte Kind lebt dort von Hartz IV. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Quote bei 19,5 Prozent.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann betonte jedoch, dass die Kinderarmut in erster Linie eine Armut ihrer Eltern sei. In den Zahlen spiegele sich wider, dass die Arbeitsmarktlage in vielen Regionen angespannt sei und viele Menschen mit Niedrig löhnen auskommen müssten.

Laut Frank Nägele, Staatssekretär im Kieler Wirtschaftsministerium, sei jedoch offen, warum die Kinderarmut steige, während die Arbeitslosigkeit gleichzeitig abgenommen habe. „Möglicherweise könnte das auch eine Folge der Flüchtlingskrise sein.“ Eine Anhebung des Mindestlohns, wie von Zimmermann gefordert, sei keine Lösung. Es bedarf eines Paketes aus gerechter Entlohnung, hochwertiger Arbeitsplätze und guter Kinderbetreuung, sagt Nägele.

Der Kinderschutzbund Schleswig-Holstein fordert stattdessen eine eigene Grundsicherung für Kinder, „die auch die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder abdeckt, um an Bildung, Sport und Kultur teilhaben zu können“, sagt Landesvorsitzende Irene Johns. „Wenn wir das Problem nicht endlich intensiv angehen, hat das später nicht nur für Kinder als Erwachsene gravierende Folgen, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt“, sagt Johns.

Wolfgang Baasch, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, schließt sich der Forderung nach der Kindergrundsicherung an. „Diese würde dazu führen, dass alle Kinder vom Staat mit demselben Betrag gefördert werden. Das erhöht die Chancengerechtigkeit“, sagt Baasch. Dagegen sieht CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann die Lösung in flexibleren Arbeitszeitmodellen, um den oft von Hartz-IV betroffenen Alleinerziehenden zu helfen. Sie fordert flexiblere Betreuungsmodelle und Ganztagsschulangebote für Kinder. „Mit der Erhöhung von Transferleistungen schafft man dagegen nur weitere und langfristige Abhängigkeiten“, sagt Rathje-Hoffmann.

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