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Norddeutschland Jetzt doch: Land zahlt Polizeihunden eine Rente
Nachrichten Norddeutschland Jetzt doch: Land zahlt Polizeihunden eine Rente
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10:37 20.12.2017
Diensthundeführerin Kathi Brose (37) von der Polizeistation Trittau mit „Loona“, einem Dobermann/Mallinoir-Mischling, der seit Oktober 2016 im Ruhestand ist. Quelle: jeb
Kiel

Bisher sind Diensthundeführer in Schleswig-Holstein leer ausgegangen, wenn ihre Hunde ausgemustert wurden. Davor lagen in der Regel etwa zwölf Dienstjahre, in denen sich die Vierbeiner für das Land, für die Sicherheit der Bürger und als treue Kollegen ihrer Hundeführer eingesetzt haben. Sie haben am Tag wie in der Nacht mit ihren Supernasen Drogen erschnüffelt, Sprengstoff lokalisiert, Fährten verfolgt, Leichen gesucht und Verbrecher gestellt. Doch gedankt hat es ihnen das Land, ihr Dienstherr, bisher nicht.

Diensthundeführerin Kathi Brose (37) von der Polizeistation Trittau mit „Loona“, einem Dobermann/Mallinoir-Mischling. Quelle: jeb

119 Hunde sind für die Polizei landesweit im Einsatz, die Mehrzahl davon sind Deutsche oder Belgische Schäferhunde. Im Schnitt werden jährlich zwischen zehn und 15 Polizeihunde außer Dienst gestellt.

Ab 2018 stehen dafür im Landeshaushalt per Erlass des Kieler Innenministeriums Mittel zur Verfügung. Die Hundehalter beziehen für ihren Diensthund künftig eine jährliche Pauschale von 600 Euro, anfallende Tierarztkosten werden gesondert abgerechnet, Hundesteuer muss nicht gezahlt werden. Der Zwinger für den Hund wird vom Land – wie bisher – unentgeltlich gestellt und verbleibt bis zum Tod des Diensthundes beim Halter des pensionierten Tieres. „Schleswig-Holstein war bis 2017 das einzige Bundesland, das keine Diensthundepension gezahlt hat. Das ist mit dem kommenden Jahr endlich vorbei“, kündigte Innen-Staatssekretär Torsten Geerdts (CDU) an.

Hundeführer können ihren nicht mehr dienstfähigen Hund behalten – gegen eine symbolische Gebühr. Das passiert häufig. Denn oft sind den Polizisten die Vierbeiner im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen. Den Weg in ein Tierheim will die Mehrzahl der Beamten ihren treuen Vierbeinern ersparen. Doch die Kosten für Tierarzt, Futter, selbst die Hundesteuer musste bislang der Polizeibeamte selbst tragen. „Gerade die Tierarztkosten, die ich aus meiner Tasche bezahlen musste, können schon mal ein paar hundert Euro jährlich betragen“, beklagte sich vor der Neuregelung Hundeführer Marc-Oliver Ahrens von der Polizei in Bad Oldesloe (Stormarn).

Die FDP-Fraktion im Landtag verwies darauf, dass sie eine Neuregelung schon von der letzten Landesregierung gefordert habe. „Die Jamaika-Koalition macht jetzt Nägel mit Köpfen, würdigt somit die Arbeit der Polizeihunde und entlastet die Diensthundeführer finanziell“, freute sich Oliver Kumbartzky.

Kathi Brose von der Polizeistation Trittau hat die pensionierte Hündin „Loona“ bei sich. Das Tier ist im Oktober 2016 mit großem Bahnhof und einer riesigen Torte aus Hundekuchen verabschiedet worden.

„,Loona’ war als Schutzhund, als Leichen- und Blutspürhund ausgebildet, konnte zusätzlich auch Wasserleichen orten“, sagt Brose voller Stolz. Aber mit fast 13 Jahren war für die Dobermann/Mallinoir-Hündin Schluss. „Sie bekam so ihre Zipperlein, hatte auch das Alter erreicht, um aus dem Dienst auszuscheiden“, erklärt die 37-jährige Beamtin.

Heute, gut ein Jahr später, weiß Brose nur zu genau, was „Loonas“ Lebensunterhalt kostet. „Ich muss im Monat 150 Euro für den Ex-Diensthund zahlen. Darin sind Tierarztkosten, Medizin, Futter, Versicherung und Hundesteuer enthalten. Dass wir jetzt bis auf die Versicherung die übrigen Kosten erstattet bekommen, ist super.“ Nie habe sie darüber nachgedacht, ihre Hündin, die sie seit deren erstem Lebensjahr betreut, zurückzugeben. Schließlich habe sie ja die ganzen Jahre zu ihrer Familie, zu ihrem Leben dazu gehört.

Diensthund „Gary“ (12) ist mit seinem Hundeführer Peter Zimmer noch im Einsatz. Und das seit 2006. „Wir haben viel zusammen erlebt“, erinnert sich Zimmer. Heute sagt er: „Der Hund muss sich auf mich verlassen können, auch wenn es darum geht, die Altersgrenze zu erkennen und ihn aus dem Dienstbetrieb zu nehmen.“ Das wird bei „Gary“ vermutlich im ersten Quartal 2018 so sein.

Dann bezieht „Gary“ eine Staatspension.

Von J. Burmester und C. Tönnemann

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