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Norddeutschland Jetzt impfen! Land warnt vor Kaninchenkrankheit
Nachrichten Norddeutschland Jetzt impfen! Land warnt vor Kaninchenkrankheit
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12:36 05.10.2017
Kaninchen "Lulu" wird geimpft.  Quelle: Lutz Roessler
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Kiel/Lübeck

Etwa 12 bis 36 Stunden, bevor Kaninchen an dem Virus sterben, zeigen sie Symptome wie Fieber, Fressunlust und Teilnahmslosigkeit. Werden diese Krankheitsanzeichen sichtbar, ist den Tieren allerdings schon nicht mehr zu helfen. „Eine Behandlung gibt es nicht“, berichtet Tierärztin Dr. Daniela Busse (32) von der Kleintierpraxis Rosenhagen-Hanßen in Lübeck. Eine rechtzeitige Impfung sei deswegen der wichtigste Schutz.

 

Ministerium rät zur Impfung: Johanna Biallas (11) und Tierärztin Daniela Busse (32) mit „Lulu“. Quelle: Fotos: König, Roessler (4)

Verursacht wird die hämorrhagische Kaninchenkrankheit durch das sogenannte Rabbit Haemorrhagic-Disease-Virus (RHDV). Dieses Virus ist bereits seit den 80er Jahren bekannt und kann mit einer passenden Impfung bekämpft werden. 2010 wurde jedoch eine neue Virusvariante in Deutschland entdeckt: das RHDV2. Mittlerweile hat der Erreger auch den Norden erreicht. Für Menschen ist er ungefährlich, um Kaninchen zu schützen, braucht es aber eine Extra-Impfung.

„Seit 2016 werden in Schleswig-Holstein vermehrt tote Tiere eingesandt, bei denen das Virus nachgewiesen werden konnte“, berichtet Yannick Gosch vom Landwirtschaftsministerium. In diesem Jahr hat man RHDV2 bereits bei 33 von 44 im Landeslabor untersuchten Tieren nachweisen können. „Hierbei waren 30 Haus- und drei Wildkaninchen betroffen“, sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Ministeriums. „Die vom Landeslabor diagnostizierten Fälle spiegeln die tatsächliche Ausbreitung in Schleswig-Holstein aber nur ansatzweise wider“, berichtet Gosch. Schließlich würden nicht alle verendeten Tiere eingeschickt. Der Erreger sei bei Haus-, Wildkaninchen und Feldhasen in verschiedenen Regionen nachgewiesen worden.

„Übertragen werden können die Viren sowohl direkt von Tier zu Tier, aber auch indirekt über Personenkontakt und Gegenstände“, sagt Nicola Kabel. Die Erreger seien in der Umwelt sehr lange haltbar – auch bei höheren Temperaturen und Trockenheit. Kabel: „In Kadavern hält sich das Virus beispielsweise bis zu sieben Monaten.“ Nach einem Krankheitsausbruch sei es deswegen wichtig, auch alle Gegenstände, mit denen ein krankes Kaninchen Kontakt hatte, gründlich zu reinigen und zu desinfizieren.

„Wer sich ein neues Kaninchen zulegt, sollte zu Beginn auf Quarantänehaltung achten“, empfiehlt Tierärztin Daniela Busse. Sobald das Tier alt genug ist, kann geimpft werden. „Das geht ab einem Alter von zehn Wochen“, sagt Busse. Die Impfung halte ein Jahr. Das Problem: Sie ist recht teuer und muss zusätzlich zu der alten RHDV-Impfung vorgenommen werden. 45 Euro kostet sie beispielsweise bei der Kleintierpraxis Rosenhagen-Hanßen.

Für Kaninchenzüchter Klaus Fischer (79), Ehrenmitglied beim Landesverband der Rasse-Kaninchenzüchter, sind die Kosten definitiv das kleinere Übel. Mit dem alten RHDV-Virus hat er Erfahrung: „Gegen das kämpfe ich seit bestimmt 20 Jahren“, sagt Fischer. Und zwar mit der Impfung. Zudem hält Fischer seine Kaninchen von anderen Menschen fern, die das Virus übertragen könnten.

Bei Verdacht auf RHDV2 ist die Einsendung verendeter Tiere an das Landeslabor ratsam. Fragen dazu können an info@lsh.landsh.de geschickt werden.

 Von Luisa Jacobsen

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