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Norddeutschland Jetzt streiten Bundesminister um Angel-Verbot in der Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Jetzt streiten Bundesminister um Angel-Verbot in der Ostsee
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09:35 15.03.2016
Für Hobbyangler sollen die Naturschutzgebiete Doggerbank, Borkum Riffgrund und Sylter Außenriff in der Nordsee sowie Fehmarnbelt, Kadettrinne und Pommersche Bucht/Rönnebank in der Ostsee künftig tabu sein. Quelle: Kay Nietfeld /dpa
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Berlin

Der Streit um ein Angelverbot in sechs geplanten Naturschutzgebieten, drei in der Nordsee und drei in der Ostsee, landet auf dem Tisch der Kanzlerin. Die deutschen Angler- sowie Fischereiverbände – Deutscher Angelfischerverband (DAFV) und Deutscher Fischerei Verband (DFV) – laufen Sturm gegen ein generelles Angelverbot in den besonderen Schutzzonen, den so genannten Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebieten.

In einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel wenden sie sich strikt gegen ein pauschales Angelverbot in den FFH-Gebieten. Für Hobbyangler sollen die Naturschutzgebiete Doggerbank, Borkum Riffgrund und Sylter Außenriff in der Nordsee sowie Fehmarnbelt, Kadettrinne und Pommersche Bucht/Rönnebank in der Ostsee künftig tabu sein, plant Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Ihr Ministerium verweist darauf, dass diese Gebiete zu den nach Europarecht geschützten Natura-2000-Arealen gehören. Der Bund sei „europarechtlich verpflichtet, nationale Schutzgebietsverordnungen mit konkreten Regeln zu erlassen“, so das Berliner Umweltministerium.

Das bringt Angler und Fischer jedoch auf die Palme. Auch in Kiel hält man nichts von einem Angel-Totalverbot. Die Präsidentin des DAFV, Christel Happach-Kasan, sagte den LN, ihr Verband sei nicht dagegen, dass bestimmte Meeresgebiete unter Schutz gestellt werden. „Die Frage ist nur, ob die Schutzziele durch ein generelles Angelverbot erreicht werden. Aber das ist ganz klar nicht der Fall.“ Das Angeln sei die „schonendste Art“ zu fischen. Dabei komme es nicht zu Grundberührungen. Auch die besonders schützenswerten Riffe, sozusagen die Kinderstube vieler Fischarten, würden nicht beschädigt. Zudem gebe es keinen Beifang, erklärte Happach-Kasan. Überdies zeige etwa die Zunahme der Robbenbestände in Nord- und Ostsee, dass die Fischbestände durch die Freizeitfischer nicht negativ beeinträchtigt würden.

Der für Fischerei zuständige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ging ebenfalls auf Distanz zu den Plänen seiner Kabinettskollegin Hendricks. „Ich stehe kritisch zu einem pauschalen Verbot der Freizeitfischerei. Fachlich ist nicht ausreichend begründet, warum Angelfischerei in den Schutzgebieten, die zum Schutz von Sandbänken und Riffen ausgezeichnet sind, zu einer Belastung führen sollten“, sagte er den LN. Und der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne), der grundsätzlich für Schutzgebiete für Fische, Meeressäuger und Seevögel im Meer ist, meinte, mit einem Angelverbot schieße der Bund „weit über das Ziel hinaus“.

Von Reinhard Zweigler

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