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Norddeutschland Jugendheim-Skandal: Immer mehr Vorfälle
Nachrichten Norddeutschland Jugendheim-Skandal: Immer mehr Vorfälle
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21:17 11.05.2016
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Kiel

Die Meldungen über Misshandlungen in schleswig-holsteinischen Jugendeinrichtungen reißen nicht ab. Jetzt musste das Kieler Sozialministerium von SPD-Ministerin Kristin Alheit auf LN-Anfrage wieder Vorkommnisse in zwei weiteren Heimen einräumen.

Pirat Wolfgang Dudda.

Die Meldungen liefen bei der Bürgerbeauftragten auf. Sie ist seit Januar im Gefolge des Friesenhof- Skandals auch Ombudsfrau für Heimkinder. Ein Jugendlicher habe berichtet, dass ihm von Betreuern mit Entmündigung und weiteren schweren Sanktionen gedroht worden sei. Zudem gehöre „grundloses Anschreien“ zu den Erziehungsmethoden. Die Heimaufsicht rückte an. Und wurde offenbar fündig. „Wo sich Vorwürfe bestätigt haben, wurden Maßnahmen eingeleitet“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriumssprechers.

Eine weitere Beschwerde gab es über eine Kontaktsperre. Briefe eines Jugendlichen seien einfach nicht abgeschickt worden. „Nach Auskunft der Heimaufsicht wurden angemessene Maßnahmen eingeleitet“, heißt es dazu vom Sprecher. Nähere Angaben will er nicht machen, um welche Heime es sich handelt, zum Beispiel. Der Piraten- Landtagsabgeordnete Wolfgang Dudda will das nicht auf sich beruhen lassen und in einer parlamentarischen Anfrage Auskunft vom Ministerium verlangen. Die Drohung, entmündigt zu werden, sei nämlich ein scheinbar verbreitetes Mittel der Einschüchterung in Jugendeinrichtungen.

Auch eine Zeugin im Untersuchungsausschuss habe davon aus dem mittlerweile geschlossenen Friesenhof berichtet. Die Vorwürfe seien zudem ein Fall für den Staatsanwalt, sagt Dudda. Grundloses Anschreien sei „Wort gewordene soziale Inkompetenz“ und habe in Jugendeinrichtungen ebenfalls nichts verloren. Anfängliche Kontaktsperren müssten immer dem Landesjugendamt gemeldet werden und zeitlich eng begrenzt sein. „Eine im Konzept als Grundsatz festgelegte anfängliche Kontaktsperre ist unzulässig und klar abzulehnen“, sagt Dudda.

Dass die beiden Meldungen über offensichtliche Missstände in Heimen nach Ministeriumsangaben die einzigen sind, die seit Januar bei der Ombudsfrau aufliefen, kann den Piraten nicht beruhigen. Das könne angesichts der Vielzahl bereits dokumentierter Vorfälle nur ein Indiz dafür sein, dass viele Jugendliche gar nicht von der Beschwerdemöglichkeit wissen. Es müsse daher endlich sichergestellt werden, dass alle die Ombudsstelle hindernisfrei und rund um die Uhr zu einem auch wirklich vertraulichen Gespräch erreichen können.

Von Wolfram Hammer

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