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Norddeutschland Jugendliche fordern im Landtag: „Mein Kampf“ soll auf den Stundenplan
Nachrichten Norddeutschland Jugendliche fordern im Landtag: „Mein Kampf“ soll auf den Stundenplan
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22:25 11.11.2013
Einmal im Jahr erobern Schüler und Azubis den Plenarsaal im Kieler Landeshaus. Quelle: Phil Wilke
Kiel

Schleswig-Holsteins Schüler sollen ab 2015 die unkommentierte Fassung von Adolf Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“ lesen können, außerdem sollen Lehrer in regelmäßigen Abständen vom Bildungsministerium kontrolliert werden, ob ihr Unterricht noch eine entsprechende Qualität aufweist. Dies sind zwei von knapp 30 Beschlüssen, die rund 100 Jugendliche am Wochenende im Kieler Landeshaus bei der jährlichen Veranstaltung „Jugend im Landtag“ diskutiert und verabschiedet haben.

Die Beschlüsse sind für das Parlament nicht bindend, die Landtagsfraktionen und die Landesregierung müssen jedoch zu jedem einzelnen Beschluss in den nächsten Monaten schriftlich Stellung beziehen und können sie als Anregungen für ihre politischen Initiativen nutzen. Am 4. April 2014 findet in Kiel die Abschlussdiskussion mit den Politikern statt.

Besonders der Vorstoß zu den Hitler-Schriften, deren Urheberrecht in zwei Jahren ausläuft, löst aber bereits jetzt eine kontroverse Debatte aus. „Ich finde, die Jugendlichen haben interessante Diskussionen angesprochen“, sagt Thomas Schunck, Sprecher des Bildungsministeriums. „Vor dem Hintergrund der Methodenkompetenz ist es wichtig, sich in der Schule mit Originalquellen auseinanderzusetzen.“ Ähnlich sehen es SPD, FDP und Piraten. Grüne und CDU sind allerdings dagegen. „Mir ist unklar, was das helfen soll. Wir haben im Bildungsbereich andere Dinge zu lösen — und authentische Quellen gibt es nun wirklich genug“, sagt die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Anke Erdmann.

Lehrer regelmäßig zu kontrollieren sei dagegen ein guter Vorschlag, findet CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen („Innerhalb der CDU diskutieren wir gerade in dieselbe Richtung“) und liegt dabei wieder auf einer Wellenlänge mit den Grünen — und diesmal auch den Piraten. „Dabei ist auch eine Bewertung der einzelnen Lehrkräfte und der Vergleich von Unterrichtszimmer zu Unterrichtszimmer sehr hilfreich“, meint Piraten- Politiker Sven Krumbeck.

FDP und SPD sind genau wie die Lehrergewerkschaft GEW anderer Ansicht. „Schüler sehen ihre Lehrer naturgemäß besonders kritisch“, meint GEW-Sprecher Bernd Schauer, betont aber auch: „Wenn es einen konkreten Anhaltspunkt gibt, dass ein Lehrer seiner Leistung nicht gerecht wird, dann muss die Schulleitung dem nachgehen.“

Jugend-Parlaments-Präsidiumsmitglied Lukas Zeidlet (16) aus Groß Wesenberg (Kreis Stormarn): „Wir wollten Denkanstöße liefern. Die Beschlüsse wurden intern sehr lebhaft diskutiert.“

Jan Wulf

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