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Norddeutschland Juwelenraub: Hohe Haftstrafen gefordert
Nachrichten Norddeutschland Juwelenraub: Hohe Haftstrafen gefordert
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23:39 28.06.2016
Angeklagte, Verteidiger und Sicherheitskräfte stehen zu Beginn des Prozesses in Schleswig im Gerichtsgebäude. Gestern gab es die Plädoyers der Staatsanwaltschaft. Quelle: Rehder/dpa

Im Mammutprozess des Kieler Landgerichts gegen elf mutmaßliche Räuber aus Litauen, die Überfälle auf ein Kieler Pfandleihhaus am Exerzierplatz sowie auf Juweliere in Düsseldorf und München begangen oder geplant haben sollen, hat der Staatsanwalt gestern hohe Haftstrafen wegen schweren Raubes für die elf Angeklagten gefordert.

Größtes Strafverfahren

Aus Platz- und Sicherheitsgründen wurde der Prozess, für den das Landgericht Kiel zuständig ist, in den größten Saal der Verwaltungsgerichte in Schleswig verlegt. Mit rund 60

Beteiligten ist er das größte und aufwendigste Strafverfahren der schleswig-holsteinischen Rechtsgeschichte.

Für den Hauptangeklagten Ramunas P. (34), der in Kiel und Düsseldorf beteiligt gewesen sei, beantragte Staatsanwalt Christopher Sievers insgesamt elf Jahre und elf Monate Haft wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Nach dem Ergebnis der im November eröffneten Beweisaufnahme habe P. den Düsseldorfer Juwelier im August 2014 mit brutalen Fußtritten gegen den Kopf schwer verletzt.

Allein für den Fall Düsseldorf forderte der Staatsanwalt zehn Jahre Einzelstrafe. Laut gerichtsmedizinischem Gutachten seien die Hirnverletzungen des Opfers akut lebensgefährlich gewesen und hätten ohne Notoperation zum Atemstillstand führen können. Auch beim Kieler Pfandhausraub sei der vielfach vorbestrafte Ramunas P. brutal aufgetreten: Er spielte den Kunden und ließ sich Ringe zeigen, so Sievers. Dann nutzte er die Arglosigkeit des Mitarbeiters und versetzte ihm einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht. Je neuneinhalb Jahre forderte der Ankläger für zwei weitere in Kiel und Düsseldorf beteiligte Täter.

Positiv fiel eine persönliche Entschuldigung P.s bei dem Betroffenen ins Gewicht, negativ der hohe Einkaufswert der Kieler Beute von mindestens 255000 Euro. Sieben Jahre und drei Monate veranschlagte Sievers als Einzelstrafe für den Kieler Fall.

Auch dem Kronzeugen Vilmantas K. (23), der als einziger von ursprünglich zwölf Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegte und gegen seine Mittäter aussagte, legte der Staatsanwalt die schweren Verletzungen des Düsseldorfer Juweliers zur Last: K. habe gesehen, wie sein älterer Komplize mit dem Ladenbesitzer umsprang und trotzdem weiter mitgemacht. So habe der 23-Jährige das nach hinten geschleppte Opfer bewacht und P. nach Zusammenraffen der Beute (Wert: mindestens 72600 Euro) vom Tresen aus die Ladentür per Summer zur Flucht geöffnet. Für den Kronzeugen forderte der Staatsanwalt drei Jahre und zehn Monate. Gegen den zwölften Litauer, Eugenijus F., wird wie berichtet gesondert weiterverhandelt. Der 38-Jährige war Heiligabend 2014 an der Gefangenenmeuterei in der Lübecker JVA beteiligt. Sein Verfahren wurde abgetrennt, die Beweisaufnahme dauert noch an.

Im Hauptprozess, der in Schleswig unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen im großen Saal der Verwaltungsgerichte geführt wird, haben ab Freitag die 22 Verteidiger das Wort.

Die Rechtsanwälte signalisierten, mit zwei Verhandlungstagen auskommen zu wollen. Wenn es dabei bleibt, könnte die 7. Große Strafkammer noch vor der Sommerpause Ende Juli das Urteil in dem Mammutprozess verkünden.

 Thomas Geyer

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