Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Kamin-Boom: Jetzt wird das Brennholz knapp
Nachrichten Norddeutschland Kamin-Boom: Jetzt wird das Brennholz knapp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:15 26.10.2013
Immer mehr Menschen im Norden heizen mit Holz. Quelle: LN
Anzeige
Lübeck

Der Kamin-Boom lässt das Brennholz im Norden knapp werden. Auf dem Forsthof Wesloe in Lübeck ist getrocknetes Brennholz für die bevorstehende Heizsaison bereits ausverkauft. Und auch andernorts werden die Bestände immer knapper, während die Nachfrage ungebrochen anzieht.

„Wir sind vier Wochen früher ausverkauft als im vergangenen Jahr“, sagt Kai Neumann, Hofleiter in Wesloe. Lediglich Sackware und vorgetrocknetes Holz seien derzeit noch zu bekommen – allerdings nicht mehr lange. Ähnliche sieht es bei den Landesforsten Schleswig-Holstein aus. Insgesamt werde man 2013 rund 10000 Schüttraummeter Brennholz verkaufen. Das sei die doppelte Menge im Vergleich zum Vorjahr, sagt Marc Studt, Geschäftsführer der Service GmbH der Landesforsten. Der derzeitige Lagerbestand werde aber bis Dezember reichen.

Der aktuelle Trend, zum Heizen auf erneuerbare Energien zurückzugreifen, freut nicht nur die Holzwirtschaft, sondern auch Kaminbauer wie Alexander Duge. Der 26-Jährige hat vor zwei Jahren das „Kaminhaus Lübeck“ übernommen. „Seither sind wir wegen der großen Nachfrage klar auf Wachstumskurs, müssen schon neues Personal einstellen.“ Der Reiz des offenen Feuers sei ungebrochen. Bei den steigenden Energiepreisen sei sie Aussicht auf günstiges Heizen ebenfalls ein wichtiges Kriterium.

Aber kann das Angebot an Holz langfristig mit der Nachfrage mithalten? „Es gibt im Land genug Holz“, beruhigt Jens Fickendey-Engels, Geschäftsführer des Waldbesitzerbandes Schleswig-Holstein. Die Bestände wüchsen immer wieder nach. Zwar könne es sein, dass besonders die bekannten Anlaufstellen in der Nähe von Städten schnell ausverkauft sind. „Wer ein bisschen rumtelefoniert und auch private Waldbesitzer anspricht wird aber noch fündig.“ Einen Vorteil hätten die Selbstwerber, die sich ihr Brennholz selbst aus dem Wald holen. In diesem Fall ist der Raummeter bereits für 30 bis 35 Euro zu haben, während für einen Raummeter getrocknetes Holz im Land 85 bis 90 Euro verlangt werden – Tendenz bis Jahresende weiter steigend.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein sieht den Trend kritisch. Ob jemand tatsächlich mit einem Kamin Geld spare hänge davon ab, wie viel Energie ein Ofen umsetzen und – noch wichtiger – wie günstig jemand Holz beschaffen könne, sagt Sprecher Thomas Hagen. Die Preise würden wegen der hohen Nachfrage aber noch weiter steigen. Doch auch vom Umweltgedanken her seien Kamine kritisch zu sehen. Während bei Öl und Gas strenge Emissionswerte gelten, könne ein Kaminbesitzer theoretisch alles verfeuern, was irgendwie brennt. „In manchen Neubaugebieten mit vielen Kaminen herrscht inzwischen eine Luftqualität wie früher in der DDR.“

Oliver Vogt

Buche brennt am besten

79,17 Euro im Bundesdurchschnitt kostete ein Schüttraummeter (SRM) Kaminholz im September 2013. Das waren 1,25 Euro mehr als im August – Tendenz steigend. Laut Internetportal Brennholzpreise.de hat es 2010 einen Preissprung gegeben. So lag der SRM-Preis im September 2010 noch bei 70,20 Euro, 2011 schon bei 79,05 Euro.
2,5 Kilogramm Buchenholz ersetzen etwa einen Liter Öl oder einen Kubikmeter Erdgas, ein Schüttraummeter Buchenholz entspricht 150 Litern Heizöl oder 150 Kubikmeter Gas. Buche ist wegen der guten Werte das begehrteste Brennholz. Fichtenholz im Vergleich hat einen weit schlechteren Brennwert (1 SRM entspricht 113 l Heizöl oder 113 m3 Erdgas).

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige