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Kampf um einen Bahnhof

Dauenhof Kampf um einen Bahnhof

Ein Kunsthistoriker, ein Landwirt und ein Investor streiten mit der Bahn um den Erhalt des Stationsgebäudes von Dauenhof im Kreis Pinneberg. Die Bahn will es trotz eines Kaufangebots abreißen.

Kay Sierck (l.) und Holger Reimers möchten das alte Bahnhofsgebäude von Dauenhof restaurieren.

Quelle: Fotos: M. Stöcklin, Privat

Dauenhof. Nein, es ist keine schöne Ecke. Eine breite Durchgangsstraße führt durch Dauenhof (Kreis Pinneberg), gekreuzt von einem Bahnübergang. Auf der einen Seite ist eine Tankstelle, auf der anderen stehen ein verfallener Gasthof und der alte Bahnhof, zum Teil mit Brettern vernagelt.

„So ein Schandfleck“, schimpft eine Anwohnerin. „Der Bahnhof hätte schon vor 20 Jahren abgerissen gehört.“ Damals wurde das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert außer Dienst gestellt. Und die Bahn wollte die Bagger anrücken lassen. Dass es nicht so weit kam, ist nicht zuletzt der Initiative von Reinhard Jung (50) zu verdanken, der sich immer schon brennend für die Ortsgeschichte interessierte. „Der Bahnhof war die Keimzelle des Ortes“, erklärt der Landwirt, der heute in Brandenburg lebt. Er sammelte damals Unterschriften für den Erhalt – erfolgreich. „Dieser Bahnhof ist einer der ältesten in Schleswig-Holstein.“ Trotzdem soll er jetzt endgültig weg. Reinhard Jung: „Für Oktober plant die Bahn den Abriss.“

Der Bahnhof, wie er um 1905 aussah. Die Um- und Anbauten waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen.

Der Bahnhof, wie er um 1905 aussah. Die Um- und Anbauten waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen.

Quelle:

Dabei gibt es sogar einen Investor, der den Bahnhof gerne kaufen würde: Kay Sierck (47) ist in Dauenhof aufgewachsen und betreibt auf der Straßenseite gegenüber einen Futtermittelhandel, den er von seinem Vater übernommen hat. Den alten Gasthof, der neben dem Bahnhof steht, hat er schon erworben. „Ich möchte meinen Landhandel erweitern und brauche neue Geschäftsräume“, sagt Sierck. Er denkt an ein grünes Warenhaus, einen Frisör. „Im Bahnhof könnte ich mir zudem einen Kiosk vorstellen.“ Er hat der Bahn bereits ein Kaufangebot unterbreitet.

Doch die bleibt hart. „Ein Verkauf kommt nicht in Frage“, stellt Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis klar. Die Abstände vom Gebäude zum Gleis seien nicht ausreichend und genügten heutigen Sicherheitsstandards nicht. Ein Oberleitungsmast mit Abspannung befinde sich in unmittelbarer Nähe. Und direkt neben dem Gebäude seien vor nicht allzu langer Zeit Kabel gelegt worden. „Die müssen jederzeit zugänglich sein und können nicht einfach woanders hin verlegt werden.“ Gebraucht werde das alte Gebäude nicht mehr, so Meyer-Lovis. „Es gibt einen Haltepunkt am Gleis, das reicht.“

bahnhof-dauenhof

Jung, Sierck sowie der ebenfalls in Dauenhof ansässige Bau- und Kunsthistoriker Holger Reimers (59) wollen das nicht einsehen. „1844 wurde die Bahnstrecke zwischen Kiel und Altona eröffnet“, erinnert Reimers. „1847 wurde der Bahnhof gebaut, 1901 noch einmal umgebaut und erweitert.“ Das Dach sei von der Bahn zuletzt noch repariert worden, die Bausubstanz des Ziegelhauses insgesamt gut, befindet der Sachverständige. „Wir könnten ein Schmuckstück daraus machen.“ Einen zwingenden Grund für den Abriss sieht er trotz der von der Bahn geäußerten Sicherheitsbedenken nicht. „Das ließe sich alles regeln.“ Zu nah am Gleis sei vor allem das in einem Anbau untergebrachte alte Stellwerk. Es reiche, dieses zurückzubauen. Sein Fazit: „Das Ensemble von Gasthof und Bahnhof muss unbedingt erhalten werden.“

Leider lassen die Bemühungen der drei Kämpfer für den Erhalt und die Wiederbelebung des historischen Ortsmittelpunktes die meisten übrigen Anwohner kalt. „Ich finde das Gebäude nicht sehr schön“, meint Anja Prochnow (49). „Das hätten sie längst abreißen können.“

Margot Possard (89) ist egal, was aus dem Bahnhof wird. „Wenn sie ihn schön herrichten, kann er von mir aus auch stehen bleiben.“ Einen weiteren Kiosk brauche der Ort jedenfalls nicht, meint Regina Jandt (49). „Dafür haben wir die Tankstelle, da gibt es doch alles.“

 Marcus Stöcklin

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