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Norddeutschland Kampf ums Servicepersonal an der Küste verschärft sich
Nachrichten Norddeutschland Kampf ums Servicepersonal an der Küste verschärft sich
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23:50 21.06.2017
Nicoletta Tothova (22) bedient die Gäste im „Rosario“ in Scharbeutz. Viele Restaurants an der Küste suchen händeringend Personal. Quelle: Felix König

Bewerbern werden allerlei Vergünstigungen geboten. Als A und O gilt das Bereitstellen einer Wohnung. Doch Wohnraum ist rar.

Das Café Wichtig in Scharbeutz macht Fachkräften einen Job schmackhaft, indem es angemietete Personalwohnungen anbietet. Auf eigene Faust würden Fachkräfte kaum eine bezahlbare Unterkunft vor Ort finden. „Ohne diese Wohnungen würden wir überhaupt nicht mehr an Mitarbeiter kommen“, berichtet Geschäftsführer Tung Truong. Seit acht Monaten sucht sein Gastronomiebetrieb über Anzeigen verzweifelt nach Köchen und Tresenkräften, aber auch nach Servicekräften. „Die Gäste kommen in Scharen. Wir könnten mehr umsetzen, wenn wir nur das Personal hätten“, klagt Truong.

„Wir würden für unser Personal gerne bauen, kaufen, umbauen, finden aber nichts, nicht einmal im Hinterland – oder es ist zu teuer“, sagt Töns Haltermann, Geschäftsführer des benachbarten Hotels Bayside. Das Credo der Branche: Wer Wohnungen anbieten kann, habe es beim Anheuern von Mitarbeitern zumindest einfacher. Das Bayside „ködert“ seine Mitarbeiter zudem mit regelmäßigen Events wie Wasserski- oder Skifahren – auf Kosten des Hauses.

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An der Nordsee sieht es nicht besser aus. Ein neues Hotel in Büsum wollte 60 Arbeitsplätze schaffen, habe aber nur 30 besetzt, weil für die übrigen Kollegen eine Unterkunft fehlt, beklagt Dehoga-Ehrenpräsident Peter Bartsch. Anderswo übernachteten erste Arbeitskräfte in Wohnwagen. Bartsch appelliert an die Gemeinden, sich hinsichtlich der Wohnraumnot stärker zu engagieren. Er befürchtet, dass seine Branche sonst dort landet, wo das Bäckerhandwerk angekommen sei: Arbeitgeber werben um Azubis, indem sie ihnen den Führerschein komplett bezahlen. Hoteliers und Gastronomen belassen es laut Bartsch häufig noch dabei, Mitarbeiter bei Konkurrenten abzuwerben, indem sie ein paar Hunderter aufs alte Gehalt drauflegen.

Die Betriebe des Hotel- und Gastgewerbes im Arbeitsagenturbezirk Lübeck/Ostholstein meldeten seit Jahresbeginn über 900 offene Stellen zur Besetzung an, 5,1 Prozent mehr als im letzten Jahr. 632 davon waren Ende Mai noch nicht besetzt (+21,3 Prozent). Verschärft hat sich der Fachkräftemangel durch eine Vielzahl von Neueröffnungen. Allein in Heiligenhafen entstanden in kurzer Zeit drei neue Hotels. Gästezuwachs des Ortes gegenüber dem Vorjahr: 198 Prozent.

Rekordzuwachs

Schleswig-Holstein hat im April einen exorbitanten Zuwachs von 30,3 Prozent bei den Gästen und 38,1 Prozent bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahresmonat verbucht. Selbst unter Berücksichtigung der in den April fallenden Osterfeiertage ist das ein Traumergebnis. Für die ersten vier Monate 2017 errechneten die Statistiker 7,5 Prozent mehr Gäste und 6,8 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum. Größter Gewinner: Die Ostsee (+8,8 Prozent mehr Gäste).

Curd Tönnemann

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