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Norddeutschland Karl Otto Meyer rüttelt an der Grenze
Nachrichten Norddeutschland Karl Otto Meyer rüttelt an der Grenze
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22:21 22.10.2013
Daheim in Schafflund: Seit seiner Jugend ist Karl Otto Meyer Mitglied der Partei der dänischen Minderheit SSW. Von 1960 bis 1975 war er Vorsitzender. Heute hat sein Sohn Flemming den Posten inne. Quelle: Fotos: Roeßler, dpa

Seit 1920 schon ist der Verlauf der deutsch-dänischen Grenze unverändert. Geht es nach SSW-Urgestein Karl Otto Meyer (85), ist es damit bald vorbei. Der Ex-Landtagsabgeordnete will die Grenze nach Süden an die Eider verschieben, will Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Rendsburg und Eckernförde Dänemark zuschlagen. Das hat der langjährige Vordenker der Partei der dänischen Minderheit jetzt im „Graensen“ betont, dem Magazin des dänischen Grenzvereins.

„Ich kann mit der Grenze leben, so wie sie ist. Aber ich räume ehrlich und redlich ein, dass ich hoffe, sie eines schönen Tages zu verändern“, erklärt Meyer in dem Interview. Sein Hebel: Die Geburtenrate. Er selber habe zwölf Enkel und 19 Urenkel. Folgten viele seinem Beispiel, könne es die bisherige dänische Minderheit schon in drei oder vier Generationen schaffen, in Südschleswig Mehrheit zu werden, sagte Meyer auf LN-Nachfrage. Und dann gelte das Selbstbestimmungsrecht der Völker. „Dann ändern wir ganz einfach die Grenze“, so Meyer im Interview. „Ich gehe davon aus, dass wir sie bis zur Eider schieben.“ Das Land sei ja mal dänisch gewesen, das ganze „ein Traum“, der in der Zukunft liege.

Beim SSW, der seit 2012 mit SPD und Grünen die Landesregierung stellt, beeilte man sich gestern abzuwiegeln. „Das ist nicht SSW-Haltung“, so Parteisprecher Per Dittrich. Die Regierung schickte SSW- Kulturministerin Anke Spoorendonk vor: „Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist ein hohes Gut, aber niemand stellt die Grenze in Frage. Das ist ja gerade eines der herausragenden Ergebnisse einer fairen, ausgewogenen Minderheitenpolitik in Schleswig-Holstein über viele Jahrzehnte.“ Eine solche Distanzierung von „Grenzverschiebungsträumereien“ hatte zuvor bereits CDU -Fraktionschef Johannes Callsen gefordert.

Beim Deutschen Grenzverein löst Meyer Empörung aus. „Das ist starker Tobak, unsäglich, solche Töne passen nicht in die politische Landschaft“, sagt der Vorsitzende Jörg-Dietrich Kamischke. Meyer habe offenbar die positive Entwicklung der Beziehungen im Grenzland in den letzten 20 Jahren nicht mitbekommen. Dass der dänische Grenzverein, mit dem man an sich vertrauensvoll zusammenarbeite, das Interview überhaupt gedruckt habe, wundere ihn, sagt Kamischke. Er hoffe, „dass das keine Botschaft sein soll“. Meyer attestierte er „schwüle Träume, aus denen er hoffentlich bald wieder aufwacht“.

Lehrer, Journalist, Politiker
Karl Otto Meyer, 1928 in Adelby geboren, besuchte die dänische Schule in Flensburg. 1944 desertierte er aus der Wehrmacht, ging nach Dänemark in den Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Nach dem Krieg wurde er Lehrer und 1950 Schulleiter in Schafflund. 1963 wurde er Chefredakteur von Flensborg Avis, Zeitung der dänischen Minderheit. Für den SSW saß er von 1971 bis 1996 auch im Landtag.

Wolfram Hammer

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